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Transmenschen werfen der ETH Zensur vor

Die Hochschule bewirbt in einem Magazin-Beitrag die eigene Offenheit. Ein Queer-Verein fühlt sich von der ETH diskriminiert und übergangen.

Ort der Toleranz? Die ETH in Zürich. Foto: Nicola Pitaro
Ort der Toleranz? Die ETH in Zürich. Foto: Nicola Pitaro

Die aktuelle Ausgabe der ETH-Mitarbeitenden-Zeitschrift «life» kommt farbenprächtig daher. «ETH – built on diversity» steht auf dem Titelblatt. Es handelt sich um ein mehrseitiges Bekenntnis der ETH zur Diversität, die sich durch die verschiedenen Minderheiten an der Hochschule ergebe. Durch Menschen, die aufgrund ihrer Andersartigkeit nicht der gängigen Norm entsprechen.

Im Beitrag kommen etwa Gehörlose, Homosexuelle, Vertreter religiöser Minderheiten oder Menschen mit psychischer Beeinträchtigung zu Wort. Sie äussern sich fast nur positiv über das offene Klima an der Hochschule. Die ETH als Idealwelt friedlicher Koexistenz.

Vorwurf der «Schönfärberei»

Unerwähnt bleiben die Mitglieder von queer*z, wie die «Zürcher Studierendenzeitung» berichtet. Der Verein vertritt Studierende und Mitarbeitende, deren Geschlecht nicht mit demjenigen übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugeordnet wurde – Transmenschen, in diesem Fall Trans-Studierende. Sie wollten sich im Beitrag kritisch über «diskriminierende Strukturen» an der ETH äussern, seien aber übergangen worden. «Wir wurden von der ETH zensiert», sagt ein Vorstandsmitglied, das namentlich nicht erwähnt werden will, zu Redaktion Tamedia. Sie hätten sich zwar lange mit den Autorinnen des Artikels unterhalten. Doch keines der Anliegen sei im Beitrag aufgenommen worden.

Die ETH vertritt eine andere Sichtweise: Die Aussagen von queer*z seien «nicht konstruktiv» gewesen. «Wir fanden keinen Kompromiss, worauf der Verein das Zitat zurückzog. Das bedauern wir sehr», sagt Franziska Schmid, ETH-Sprecherin und Co-Autorin des Beitrags.

Für das Vorstandsmitglied fühlt es sich vielmehr so an, als ob die ETH nicht gewillt sei, Kritik zuzulassen: «Die ETH betreibt Schönfärberei und würde uns gerne als Diversitäts-Trophäen herumzeigen, um sich progressiv zu geben. Aber Transmenschen, die ihre Rechte einfordern? Das ist etwas viel verlangt.»

«Es gibt Menschen, die haben ein grosses Problem, wenn sie Körper sehen, die nicht der Norm entsprechen.»

queer*z-Vorstandsmitglied

Die wichtigsten Anliegen des Vereins: die Einführung einer dritten Geschlechtsoption auf Uni-Dokumenten (geschlechtslos) sowie geschlechtsneutrale WCs in allen Hochschulgebäuden und geschlechtsneutrale Duschen im Sportsbetrieb.

«Wir haben uns eingehend mit dem Thema befasst», sagt Schmid. Eine dritte Geschlechtsoption auf Dokumenten sei im Gesetz zurzeit nicht vorgesehen. «Das Weglassen der Anrede oder eine nicht binäre Option ist zurzeit nicht möglich.» Betreffend Toiletten verweist Schmid auf das bestehende Angebot geschlechtsneutraler WCs in der ETH. Es handelt sich in erster Linie um rollstuhlgängige WCs.

Schlechte Erfahrungen auf WC

Das queer*z-Vorstandsmitglied kennt diese Toiletten, hat sie gar selbst für die ETH-Website zusammengetragen. «In vielen kleineren Gebäuden gibt es jedoch noch immer keine geschlechtsneutralen WCs, geschlechterdurchmischte Duschen schon gar nicht.» Die Hochschule könnte gemäss Vorstandsmitglied Kabinenduschen einsetzen: «Das käme auch Menschen zugute, die ihren Körper aus religiösen Gründen nicht zeigen wollen.»

In einer Umfrage des ETH-Studierendenverbands gaben rund ein Dutzend Trans-Studierende an, schon unangenehme Erfahrungen auf Hochschul-WCs gesammelt zu haben. Gemäss dem Verein handelt es sich dabei um Gewalt – psychische, aber auch physische: «Gewisse Menschen haben ein Problem, wenn sie Körper sehen, die nicht der Norm entsprechen.» Für die ETH sei es zudem ein Leichtes, so das Vorstandsmitglied, in jedem Gebäude einige Toiletten zu geschlechtsneutralen WCs umzuschreiben.

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