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In Altstetten formiert sich türkischer Widerstand

Die Oppositionszeitung «Zaman» wurde in der Türkei vom Staat übernommen. Die Journalisten der Schweizer Ausgabe des Blattes halten an ihrem kritischen Kurs fest.

Protest der «Zaman»-Leser in der Türkei gegen die Übernahme der Zeitung durch die Regierung unter Staatspräsident Recep Erdogan.
Protest der «Zaman»-Leser in der Türkei gegen die Übernahme der Zeitung durch die Regierung unter Staatspräsident Recep Erdogan.
Ozan Kose, AFP

Meinungsfreiheit ist etwas, worauf die türkische Regierung unter Staatspräsident Recep Erdogan keinen Wert legt. Am vergangenen Wochenende ist die Redaktion der regierungskritischen Zeitung «Zaman» (Zeit), die grösste des Landes, unter staatliche Kontrolle gebracht worden. Protestaktionen von Lesern werden mit Polizeieinsätzen beantwortet.

Nicht erstaunlich, dass die Zeitung in der Türkei plötzlich mit wohlwollenden Artikeln über Präsident Erdogan auffällt. Die Ableger der Zeitung in Deutschland, Frankreich und der Schweiz halten hingegen an ihrer kritischen Berichterstattung fest.

«Wir machen weiter»

Die Schweizer Redaktion von «Zaman» hat ihren Sitz in Zürich-Altstetten. Wöchentlich gestalten hier sechs Mitarbeiter eine mit schweizerischen Themen angereicherte Ausgabe der Zeitung. Die Schlagzeile auf der Titelseite vom Samstag steht fest: «Sie haben weder auf Kinder noch auf Frauen Rücksicht genommen», dazu ein Foto mit protestierenden Menschen, die von der türkischen Polizei mit Tränengas und Gummischrot eingedeckt werden.

«Man wolle den Lesern und der türkischen Regierung zeigen, dass wir weitermachen», sagt Redaktor Borhan Bas gegenüber der NZZ. Aufgeben komme nicht infrage. Die kritische Schreibe aus der Schweiz ist möglich, weil die Redaktionen von eigenständigen Firmen kontrolliert werden. Gedruckt wird die Schweizer Ausgabe in Frankfurt am Main, geschützt vor dem Zugriff des türkischen Staates.

Hat die Schweizer« Zaman»-Ausgabe mit staatlich kontrolliertem Mutterhaus im Hintergrund überhaupt eine Zukunft? Chefredaktor Özgür Tascioglu ist davon so fest überzeugt, dass er sich vorstellen kann, mittelfristig sogar eine deutschsprachige Ausgabe zu lancieren.

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