Uber gründet eine neue Firma in Zürich

Der Sharing-Gigant will sein Angebot in der Schweiz ausbauen – und konkurrenziert damit ein Zürcher Start-up.

In Lissabon können sie bereits ausgeliehen werden: Die roten E-Bikes von Uber. Foto: Corbis via Getty Images

In Lissabon können sie bereits ausgeliehen werden: Die roten E-Bikes von Uber. Foto: Corbis via Getty Images

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Die Stadt Zürich ist um eine ­Veloverleihfirma reicher. Nach den gelben O-Bikes, die bereits ­wieder verschwunden sind, und den grünen Lime-Bikes, die noch vereinzelt in der Stadt stehen, könnten bald rote E-Bikes von Jump hinzukommen. Jump hatte 2017 seine ersten Fahrräder in Washington verliehen. Nach dem Start in San Francisco hat der Sharing-Gigant Uber die Firma im April 2018 für 200 Millionen US-Dollar gekauft, wie amerikanische Medien berichteten. Seither verfolgt Uber eine Expansionsstrategie nach Europa. In Berlin und Lissabon können die Fahrräder bereits ausgeliehen werden. In Paris will die Firma gemäss «Le Monde» demnächst starten. Und nun hat das Unternehmen diese Woche die Jump Bicycles Switzerland GmbH im Handelsregister eingetragen.

Der Firmensitz befindet sich an der Uber-Niederlassung in Zürich. Abgewickelt hat die Gründung ein Zürcher Vermögensverwalter. Noch beschäftigt das Unternehmen weniger als zehn Mitarbeiter. Zur Gründung hat Jump in Zürich 850'000 Franken hinterlegt. Uber sagt auf ­Anfrage, man könne momentan noch keine Pläne zum Start in Zürich kommunizieren. Aber es sei eines der Ziele, auch in Zürich neben dem Autofahrdienst Fahrräder und ÖV-Verbindungen in der App anzubieten.

Velo mit Bügelschloss

Die roten E-Bikes von Jump funktionieren nach dem Free-Floating-System. Die Fahrräder können also überall in der Stadt ausgeliehen und wieder abgestellt werden. Gesucht werden sie über die Uber-App. Wer über einen Account verfügt, kann sie auch ohne Smartphone ausleihen. In Lissabon kostet eine Minute 15 Eurocent, in Berlin ist es 1 Euro pro 20 Minuten. Jump-Bikes können mit einem Bügelschloss auch an Pfosten abgeschlossen werden. Diese Vorrichtung führt dazu, dass die Nutzer das Fahrrad tendenziell korrekter abstellen, wie Erfahrungen in den USA gezeigt haben. Jump kümmert sich darum, dass die Akkus der E-Bikes immer auf­geladen sind. Die Firma arbeitet zudem mit Privaten zusammen, die auf ihrem Grundstück Ladestationen anbieten.

In Zürich würde Jump mit Lime konkurrenzieren, einem ebenfalls kalifornischen Verleiher, in den Uber auch schon investiert hat – allerdings nur im kleinen Stil, wie der Mitgründer Caen Contee vergangenen Oktober der «Bilanz» sagte. Es wurde damals auch spekuliert, Uber könnte in Zürich mit Lime-Bike zusammenarbeiten, um Fahr­räder anzubieten. Contee sagte: «Das könnte passieren – oder auch nicht.» Nun, da Uber mit dem eigenen Veloverleih nach Zürich kommt, ist davon nicht mehr auszugehen. Lime kommentierte die Aktivität von Jump in Zürich gestern nicht.

Auch Smide will expandieren

Ein weiterer Konkurrent wäre die Zürcher Firma Smide, die seit Oktober 2016 E-Bikes verleiht. Nach dem jüngsten Entscheid der Stadt Zürich, für Free-Floating-Zweiradfahrzeuge eine Gebühr zu verlangen, überlegt sich die Zürcher Firma, den Betrieb in Zürich einzustellen. Der Stadtrat will per 1. April eine monatliche Gebühr von 10 Franken pro Velo sowie eine jährliche Kontrollgebühr von 1500 Franken verlangen, wenn ein Anbieter mehr als 30 Fahrräder anbietet. Der Stadtrat reagierte damit auf die starke Zunahme von ­E-Bikes und vor allem auch E-Trottinetts, die in Zürich im Free-Floating-System angeboten werden. Gegen den Stadtratsentscheid kann seit gestern bis Mitte April noch eine Einsprache eingereicht werden. Widerstand gegen die Regelung gibt es zudem auch aus dem Gemeinderat (siehe Infobox).

Smide hofft darauf, mit dem Stadtrat in Gesprächen eine andere Lösung zu finden, wie Tom Lehmann, der Leiter des Schweizer Markts, sagt. Lime hingegen sagt auf Anfrage: «Wir begrüssen die Einführung klarer Regeln für die Nutzung des öffentlichen Raums in Zürich und die damit verbundene Rechtssicherheit.» Internationale Konzerne wie Lime oder Jump können solche Kosten auch besser tragen. Davon ist die Zürcher Firma Smide noch weit entfernt. Aber das Unternehmen strebt auch eine internationale Expansion an. «Wir sind mit ­verschiedenen grösseren Städten in Europa und Nordamerika in Kontakt, wo wir dieses Jahr noch Fuss fassen werden», heisst es bei ­Smide. Genaueres wolle man zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht bekannt geben.

Es ist also gut möglich, dass Smide so auch in anderen Städten als in Zürich zum Konkurrenten der Jump-Bikes von Uber werden könnte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2019, 22:07 Uhr

Gemeinderat fordert Überarbeitung der Gebührenregelung für Veloverleiher

Vertreter aller Fraktionen ausser der AL und der SVP haben gestern Abend im Gemeinderat ein Postulat eingereicht, das den Stadtrat dazu auffordert, die Gebührenregelung für Free-Floating-Zweiradangebote nochmals anzupassen. Vergangene Woche hatte der Stadtrat bekannt gegeben, dass Verleiher von E-Bikes und E-Trottinetts für die Benutzung des öffentlichen Raums eine Bewilligung brauchen und Gebühren bezahlen müssen.

Bisher hat gemäss Angaben der Stadtpolizei lediglich eine Firma ein Gesuch für eine Bewilligung eingereicht. Andere Anbieter wie Smide sind noch mit dem Stadtrat im Gespräch. Sie erhalten nun durch das Postulat Unterstützung der Politik. Es fordert vom Stadtrat einen Mittelweg: Die Anbieter sollen abhängig von ihrer Grösse Gebühren bezahlen. Insbesondere kleine Unternehmen dürften nicht «unverhältnismässig stark» in ihrer Geschäftstätigkeit eingeschränkt werden. Ansonsten würde man bereits gut funktionierende Angebote gefährden, warnen die Gemeinderäte: «In Vereinbarkeit mit den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft sowie der Gemeindeordnung sollten solchen Angeboten aber keine Steine in den Weg gelegt werden.»

Wann der Gemeinderat über das Postulat entscheidet, ist noch unklar. Es dürfte aber mit einer deutlichen Mehrheit überwiesen werden. (zac)

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