UBS verweigert Verein Konto – weil er Flüchtlinge vermittelt

Die Zürcher Vermittlungsplattform One Future wollte ein Bankkonto eröffnen – und scheiterte am Bankschalter. Die Gründe der Ablehnung sind rätselhaft.

Strenge Auflagen für Gemeinschaften mit ideellem Zweck: UBS-Filiale am Paradeplatz.

Strenge Auflagen für Gemeinschaften mit ideellem Zweck: UBS-Filiale am Paradeplatz. Bild: Keystone

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Die Gründer von One Future hatten die Rechnung ohne die UBS gemacht. Die Zürcher Vermittlungsplattform bringt Flüchtlinge mit Einheimischen zusammen – möglichst niederschwellig, ohne Hilfswerke als Zwischenstelle, so das erklärte Ziel. Damit die notwendigen Gelder akquiriert werden können, wollte Geschäftsführer Eyal Donath bei der UBS ein Konto eröffnen.

Am 27. Juli sprach Donath in der Filiale an der Zürcher Pelikanstrasse vor. «Ich dachte, es handle sich um eine reine Formalität.» Am Ende des Gesprächs entschied die UBS, den Antrag auf eine Kontoeröffnung abzulehnen. Er sei sich von der Kundenberaterin wie ein Betrüger behandelt vorgekommen, sagt Donath. «Wie jemand, der beabsichtigt, Geld zu waschen, oder ein anderes Verbrechen begehen will.»

Fragen über familiäre Herkunft

Zu Beginn sei das Treffen mit der Kundenberaterin nett gewesen. «Doch dann driftete das Gespräch zunehmend in eine merkwürdige Richtung ab», sagt Donath. Persönlich sei es geworden. So wollte die Frau beispielsweise wissen, warum seine Vorfahren in die Schweiz gekommen seien. Er, der in der Schweiz geboren wurde und dessen Grossvater in den 1950er-Jahren während der ungarischen Revolution ins Land flüchtete. «Mir wurde nicht klar, was das nun mit unserer Plattform zu tun hat.»

Der Antrag wurde letztlich nicht wegen der ungarischen Wurzeln abgelehnt. Die Kundenberaterin wies auf ein angebliches Risiko für die UBS hin. Sie befürchtete, dass aufgrund der Tätigkeit von One Future Geld aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan auf dem Konto landen könnte. Länder, die auf der Sanktionsliste der Schweiz stehen. Zu diesem Schluss kam die Beraterin, weil die Plattform unter anderen Flüchtlinge aus diesen Herkunftsländern anspricht. Zudem bewerbe One Future ihr Anliegen auch in den sozialen Medien, also über die Landesgrenze hinaus. Das erhöhe das Risiko, dass Geldgeber aus sanktionierten Ländern angelockt würden, so die Kundenberaterin.

Geschäftsführer Donath sagt, dass sich die Organisation tatsächlich mit Spenden finanzieren wolle. «Diese akquirieren wir aber ausschliesslich in der Schweiz.» Er habe der UBS angeboten, dass sie Gelder jederzeit blockieren könne, sollten diese aus einem sanktionierten Land stammen. «Die Beraterin wollte nichts davon wissen.»

Dass One Future auch mit Menschen aus Syrien oder Afghanistan zu tun habe, sei richtig, sagt Donath. Viele Flüchtlinge kämen nun mal aus diesen Ländern, das sei die «traurige Realität». Donath: «Sollen wir deshalb auf eine Zusammenarbeit mit ihnen verzichten – nur damit wir ein UBS-Konto erhalten? Das ist grotesk.» Auch den Punkt mit den sozialen Medien kann Donath nicht nachvollziehen. «Jeder Verein hat heute ein Facebook-Profil. Das ist das Normalste der Welt.»

Erhöhte Vorsichtsmassnahmen

Die UBS verweist auf das Bankgeheimnis und will den Fall nicht kommentieren. Wie Tagesanzeiger.ch/Newsnet aus zuverlässiger Quelle erfährt, verschärften die Schweizer Banken ab dem 1. Januar die Bedingungen für eine Kontoeröffnung. Aus dem Empfehlungsrichtlinien der Schweizerischen Bankiervereinigung geht hervor, dass «Gemeinschaften mit ideellem Zweck» einer erhöhten Dokumentspflicht unterliegen sollen. Das gelte insbesondere dann, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Gelder aus sanktionierten Ländern kommen könnte.

Steuerbefreiter Verein

Anders als die UBS scheint der Kanton Zürich der Aktion One Future zu vertrauen. Am 3. Juli gewährte er ihr eine Steuerbefreiung: One Future werde «ab Gründung wegen Verfolgung von gemeinnützigen Zwecken von der Staatssteuer und den allgemeinen Gemeindesteuern sowie von der direkten Bundessteuer befreit». Bei One Future handelt es sich also um einen offiziell beglaubigten Verein.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich eine Schweizer Bank weigert, ein Konto für ein Hilfswerk zu eröffnen, oder eine Zahlung blockiert. Von der Credit Suisse ist beispielsweise bekannt, dass die Bank Überweisungen auf Schlüsselwörter wie Syrien filtert. Danach wird im Einzelfall entschieden, ob die Zahlung ausgeführt wird oder nicht.

One Future hat sich inzwischen an Postfinance gewendet. Die Anfrage auf eine Kontoeröffnung ist zurzeit noch hängig.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.08.2017, 11:20 Uhr

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