Uto Kulm kaufen? Das sagen Politiker und Frys Kontrahentin

Der Uto-Kulm-Besitzer Giusep Fry will sein Anwesen auf dem Zürcher Hausberg verkaufen. Dass die Stadt bei den Kaufverhandlungen mitmischen soll, ist umstritten.

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Der Wald, die Ruhe, die Sicht auf die Stadt: Der Zürcher Hausberg hat einen emotionalen Wert. In Geld ausgedrückt, ist es ein Millionengeschäft: Jahresumsatz 16 bis 19 Millionen, Bilanzsumme 2008 22 Millionen, damals geschätzter Wert von Gebäude und Turm: über 37 Millionen Franken.

Nun spielt Besitzer Giusep Fry mit dem Gedanken, die Hotel Uto Kulm AG zu verkaufen. Fry selbst hält sich bedeckt. Sein Sohn Fabian ist seit diesem Sommer Vizedirektor des Hotels. Doch auch die Stadt Zürich hat Interesse, wie der grüne Stadtrat Daniel Leupi signalisierte. Über «allfällige Verhandlungen» wollte Leupi nichts sagen. Fry selbst sagte 2014 gegenüber einem SRF-Journalisten, dass er den Uto Kulm für «einen Betrag im hohen zweistelligen Millionenbereich» verkaufen würde.

Mehr Mitsprache beim Hausberg

Margrith Gysel vom Verein Pro Uetliberg hat die Gerüchte, wonach Fry abgeben will, seit Monaten gehört. Für den Vereinsvorstand ist klar: «Wir würden es begrüssen, wenn die Stadt die Liegenschaft übernehmen würde», sagt sie. Die Stadt könne dann endlich den Gestaltungsplan besser durchsetzen, die Verkehrssituation in den Griff kriegen und den Zugang zur Aussichtsplattform für die Öffentlichkeit sicherstellen. Nach wie vor würden zu viele Autos auf den Uetliberg fahren, sagt Gysel. Der Uetliberg sei ein autofreier Berg, BLN-Gebiet im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler und verlange besondere Schonung.

Es gebe Koordinationsprobleme, moniert die Vereinspräsidentin. Die Gemeinde Stallikon bewillige Events auf dem Berg, Uitikon die Fahrten. «Das ist unsinnig. Die Veranstaltungen müssten umfassend betrachtet und restriktiver bewilligt werden», sagt sie. Bei Events wie Privathochzeiten sei zudem die Aussichtsplattform oftmals nicht frei zugänglich. «Der wichtigste Aussichtspunkt des Kantons Zürich sollte der Stadt gehören.»

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Bei den Parteien gehen die Meinungen auseinander. Der Stadtparteipräsident der Grünen, Felix Moser, stützt den Stadtrat: «Wenn es wirklich zum Verkauf steht, muss man es prüfen. Es ist der Zürcher Hausberg. Wenn er der Stadt gehört, kann sie viel besser sagen, was dort oben geht und was nicht.» Die Aussicht vom Turm beispielsweise könnte wieder gratis werden.

«Die Nutzung des Uetlibergs sollte im Interesse der Stadt Zürich sein – nicht etwa ein Luxusresort.»CVP-Stadtparteipräsidentin Karin Weyermann

«Unbedingt prüfen», findet auch die CVP-Präsidentin Karin Weyermann. Schliesslich sei es ein Tourismus-Hotspot. «Natürlich muss man den Preis gegen das öffentliche Interesse abwägen. Aber die Nutzung des Uetlibergs sollte im Interesse der Stadt Zürich sein – nicht etwa ein Luxusresort.» Auch SP-Präsident Marco Denoth findet, dass der Uto Kulm «marketingtechnisch interessant für die Stadt» sein könnte. «Aber es kommt auf den Preis an. Die Investition müsste kostenneutral sein.»

«Gefährliches Präjudiz»

Für eine absolute «Schnapsidee» hält SVP-Stadtparteipräsident Mauro Tuena das Vorhaben. «Ein Gemeindewesen sollte sich auf seine Kernaufgaben beschränken. Was die Privaten können – und Fry kann es sehr gut –, muss nicht die Stadt übernehmen», sagt er. Fry habe etwas geschaffen, das die Leute anziehe, Private hätten da bessere Kompetenzen. Tuena hält das Kaufvorhaben sogar für ein «gefährliches Präjudiz»: «Was würde die Stadt noch alles kaufen wollen?» Die SVP würde in einem entsprechenden Abstimmungskampf klar aufzeigen, dass der Staat da nichts zu suchen habe.

«Ein Gemeindewesen sollte sich auf seine Kernaufgaben beschränken. Was die Privaten können, muss nicht die Stadt übernehmen.»SVP-Stadtparteipräsident Mauro Tuena

FDP-Präsident Severin Pflüger sieht es ähnlich: «Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, Ausflugshotels zu betreiben.» Die Stadt habe in den 1920er- und 30er-Jahren einen grossen Bestand an Gastrogewerbe gekauft, um den Alkoholhandel unter Kontrolle zu bringen. An einigen Beispielen zeige sich, dass sie nicht unbedingt eine gute Eigentümerin sei. «Ein Privater sollte das machen und auch die Verantwortung dafür tragen.»

Stadt als Gastrobesitzerin

Tatsächlich besitzt die Stadt Zürich etliche Gastronomiebetriebe, die die Liegenschaftsverwaltung Stadt Zürich verwaltet. Sie vermietet die selbsttragenden Restaurants und Kioske zu umsatzabhängigen Mietzinsen. Dazu gehört etwa das Restaurant Degenried auf dem Adlisberg oder das Restaurant Waid auf dem Käferberg.

Auch in der Innenstadt besitzt die Stadt Restaurants: das Bauschänzli, die Schipfe, das Restaurant Seerose, das Restaurant Certo oder auch Helvti Diner und Restaurant Helvetia am Stauffacher. Zudem gehören der Stadt viele kleine Kioske wie das Bistro & Grill am See oder der Kiosk Dim Sum beim Landesmuseum.

Erstellt: 04.11.2019, 15:50 Uhr

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