Uetliberg-Wasser vom Rennweg 37

Ein Firmeninhaber findet in seinem Haus in der Altstadt eine längst vergessene Quellwasserleitung. Nun wird das Lokale Wasser 37 in Flaschen abgefüllt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Eigentlich ist es verrückt: Die Schweiz importierte 2015 fast 400 Millionen Liter Mineralwasser. Das sind ungefähr 15'000 bis 20'000 Lastwagen voll beladen mit Mineralwasserflaschen», sagt Urs Grütter, Inhaber und Geschäftsführer der Max Ditting AG. Er macht es anders. Gestern lancierte er im Beisein der Medien sein Lokales Wasser 37. Es stammt aus Quellen beim Uetliberg, wird am Rennweg professionell abgefüllt und im Umkreis von zehn Kilometern ausgeliefert.

Grütter ist ein findiger Mann. Vor acht Jahren entdeckte er im Grundbuchauszug seines Hauses ein «Wasserbezugsrecht für 10,5 Liter pro Minute bei mittlerem Wasserstand zulasten der Stadt Zürich». Kein Witz: In Grütters Liegenschaft verläuft, neben der normalen Wasserleitung, eine längst in Vergessenheit geratene zweite Wasserleitung mit Quellwasser vom Uetliberg. Die Leitung existiert seit 1430 und versorgt heute die Brunnen rund um den Rennweg mit Quellwasser. «Die Stadt staunte nicht schlecht, als sie von unserem Wasser­bezugsrecht erfuhr», sagt Grütter.

Garage als Produktionsbetrieb

1559 hatte der damalige Eigentümer der Liegenschaft Rennweg 37, ein Metzger, die Stadt angefragt, ob er den Überlauf eines nahen Brunnens in sein Haus umleiten dürfe. Er durfte. Über 450 Jahre später liess Grütter die Rechtslage abklären und die Quellwasserqualität analysieren. «Als auch die ersten Restaurants Interesse an einem lokalen Mineralwasser signalisierten, war der Grundstein für Lokales Wasser 37 gelegt.»

Im Hinterhof des Rennwegs 35 steht ein Häuschen mit der Nummer 37. Einst eine Garage, ist es heute eine kleinin­dustrielle Produktionsstätte. Drinnen ist eine Abfüllanlage installiert, die das Quellwasser in Glas- und PET-Flaschen abfüllt. Von hier aus werden die Restaurants, Büros sowie die privaten Abnehmer beliefert. Ab heute ist das Wasser in der Food Hall des Globus erhältlich.

«Die Abfüllmenge passen wir laufend an», sagt Grütter. Im ersten Jahr rechnet er mit einer Stückzahl von einigen Hunderttausend Flaschen. Falls die Nachfrage stark ansteigt, müsste er einen anderen Produktionsstandort entlang der Wasserleitung finden. Für Grütter ist sein Blöterliwasser eine Alternative zu Mineralwasser aus dem Ausland, dessen Import durch den Transport Umwelt­belastungen verursacht. So fliesst der Gewinn aus dem Verkauf seiner Flaschen vollumfänglich in Wasser-Entwicklungsprojekte eines südliches Landes. Der Produzent hat eine Vision: «Ich möchte diese Idee auch in anderen Städten realisieren, um den Konsum von lokalem Wasser möglichst breit zu fördern.»

Samstag, 30. April, 11 bis 17 Uhr, Tag der offenen Tür, Rennweg 35/37.

Erstellt: 28.04.2016, 07:14 Uhr

Artikel zum Thema

Hinter den Kulissen der Wasserindustrie

Evian bemüht sich um Nachhaltigkeit. Doch für einen Liter abgefülltes Wasser sind drei bis vier Liter Leitungswasser und ein Viertelliter Erdöl notwendig. Mehr...

Spektakuläres Loch im See

Video Inmitten eines Sees in Portugal liegt ein kreisrunder Krater, in den kontinuierlich Wasser hinabstürzt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Grosszügig: Ein Mann in Istanbul füttert Möwen mit Fisch. (22. November 2019)
(Bild: Sedat Suna) Mehr...