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«Uhren sind bei Kriminellen im Trend»

Ein Uhrengeschäft im Niederdorf ist zum wiederholten Mal überfallen worden. Martin Winckel vom Juwelier-Warndienst sagt, was helfen könnte.

Zum vierten Mal überfallen: Das Uhrengeschäft am  Rindermarkt im «Dörfl».
Zum vierten Mal überfallen: Das Uhrengeschäft am Rindermarkt im «Dörfl».
Stefan Hohler
Grosseinsatz der Polizeikräfte: Bewaffnete Beamte und Spürhunde suchen die Umgebung ab.
Grosseinsatz der Polizeikräfte: Bewaffnete Beamte und Spürhunde suchen die Umgebung ab.
Stefan Hohler
Leserreporter
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Herr Winckel, zum dritten Mal wurde gestern der gleiche Uhrenladen im Niederdorf überfallen. Was war Ihre erste Reaktion?

Schon wieder hochwertige Uhren! Nicht nur bei Touristen, auch bei Kriminellen scheinen sie im Trend zu stehen. Uhren sind im Gegensatz zu Schmuck bei Dieben beliebter, da sie weltweit einen festen Preis haben. Schmuck hat den Nachteil, dass es Geschmacksache ist, was gefällt, wogegen bei Uhren bereits im Voraus klar ist, welche Marke geraubt wird. Besonders beliebt scheinen die Marken Rolex, Breitling und Omega.

Glauben Sie, es war eine Bande am Werk?

In den letzten Jahren waren in der Schweiz nahezu alle Täter bandenmässig strukturiert. Es handelt sich um organisierte Kriminalität, bei der die Täter von einem Hehler herbeibestellt sind. Das Diebesgut geben sie anschliessend an diesen weiter, welcher das Gut dann verkauft. Dies ist eine Art eigener Absatzmarkt mit dem Ziel, auf dem leichtesten Weg möglichst viel Beute machen.

Die Täter sprachen offenbar eine slawische Sprache. 2016 haben Zeugen einen osteuropäischem Akzent wahrgenommen und 2006 war es ein Litauer. Was ist der Hintergrund?

In den vergangenen Jahren hat oft die Pink-Panther-Bande aus Serbien in der Schweiz zugeschlagen. Mittlerweile ist es um die Gruppe ruhiger geworden, da viele Mitglieder im Gefängnis sind. Die Juwelenräuber White Bears (engl. Weisse Bären) aus Litauen scheinen die Panthers abgelöst zu haben. Im Gegensatz zu der litauischen Bande wirken die Panthers wie Gentlemen-Diebe. Die White Bears nutzen bei ihren Überfällen regelmässig Pfefferspray oder Reizgas und schrecken auch vor körperlichen Angriffen gegen das Personal nicht zurück.

Wie kann sich nun ein Geschäft wie der Uhrenladen im Niederdorf schützen, wenn es zu einem beliebten Ziel geworden ist?

Klar wäre es am besten, wenn man wie bei den Geschäften an der Bahnhofstrasse Schleusen einbaut und Sicherheitspersonal engagiert. Solche Sicherheitsmassnahmen kann sich aber nicht jedes Geschäft leisten. Trotzdem gibt es auch günstigere Mittel, die effektiv eingesetzt werden können und zum Ziel haben, den Laden für Täter uninteressant zu machen.

Konkret?

Es braucht Innenvitrinen aus einbruchsicherem Glas, die nicht mit einem Nothammer eingeschlagen werden können. Auch eine verschlossene Tür hilft, da so Kunden erst nach einer Gesichtskontrolle in den Laden gelassen werden. Dies kann dann für eine allfällige Fahndung hilfreich sein. Bei der Fahndung setzt auch eine gute Videoüberwachung an: Die Praxis zeigt, dass die Kameras oft zu hoch installiert sind. Diese zeigen dann nur sogenannte Friseurbilder und keine Gesichter. Weiter ist alles hilfreich, was einen Bruch verzögert. Beispielsweise eine Vitrine, die sich langsam öffnet und Uhren erst nach ein paar Minuten freigibt.

«Man muss den Tätern schon beim Ausspionieren glaubhaft machen, dass der Zugriff auf das Diebesgut lange dauert.»

Was bringt das?

Wichtig ist, allfälligen Tätern schon beim Ausspionieren glaubhaft zu machen, dass es bis zum Zugriff auf das Diebesgut einige Minuten dauern würde. Dies schreckt ab, da damit gerechnet werden muss, dass in dieser Zeit die Polizei oder anderweitige Hilfe eintreffen kann.

Aber neue Vitrinen, Videoüberwachung, das alles kostet auch.

Ja, aber ein Geschäftsführer trägt auch Verantwortung seinem Personal und den Kunden gegenüber. Er muss diese schützen. Nicht alle Massnahmen sind kostspielig. Eine günstigere Version des eigenen Sicherheitsdiensts ist beispielsweise die Protectas City-Patrol. Die privaten Sicherheitsleute schützen in der Stadt zahlreiche Gewerbebetriebe. Die bewaffnete Fussstreife kann nach Auslösen eines Alarms innerhalb weniger Minuten vor Ort sein. Diese Kombination von Sicherheitspersonal und Fussstreife gilt im Ausland als Vorzeigemodell. Sie sind sicher kein Allheilmittel, aber doch auch ein psychologischer Schutz für die Geschäftsführer.

Und wie sollen sich das Personal und Kunden während des Überfalls verhalten?

Sich nicht wehren und tun, was der Täter sagt. Die Ware ist in der Regel versichert, Gesundheit und Leben aber unersetzlich.

Kurz nach dem Überfall informierte Judith Hödl, Sprecherin der Stadtpolizei Zürich, über den Stand der Dinge. (Video: Stefan Hohler und Lea Blum)

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