Uni schafft Transparenz

Die Uni Zürich wird zu 22 Prozent über Drittmittel finanziert. Neu werden alle Verträge und Interessenbindungen der Professoren öffentlich.

«Die Uni muss ihre Interessen sichern»: Michael Hengartner, seit zwei Jahren Rektor der Uni Zürich. Foto: Christian Beutler (Keystone)

«Die Uni muss ihre Interessen sichern»: Michael Hengartner, seit zwei Jahren Rektor der Uni Zürich. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Es seien Fehler gemacht worden, bekennt der Rektor der Universität Zürich, Michael Hengartner. Der 100-Millionen-Vertrag mit der UBS hätte nicht geheim gehalten werden sollen. «Da fragte sich die Öffentlichkeit zu Recht, was drinsteht.» Zur Erinnerung: 2012 gab die Grossbank bekannt, den Aufbau des «UBS International Center of Economics in Society» zu finanzieren. Die WOZ und die Schweizer Ausgabe der «Zeit» forderten, gestützt auf das neue Öffentlichkeitsgesetz, Einsicht in den Vertrag. Die Universität unter dem damaligen Rektor Andreas Fischer lehnte das Begehren ab, doch die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen entschied, der Vertrag zwischen UBS und Uni müsse offengelegt werden. Geheim bleiben durften lediglich Passagen, die noch in Verhandlung waren. Ein Entscheid mit Signalcharakter. Mehr als 25 Professoren und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum forderten im sogenannten «Zürcher Appell» die Uni-Leitungen auf, dem «geschützten Gut der akademischen Freiheit und Unabhängigkeit Sorge zu tragen». Der Aufruf löste ein grosses Echo aus.

Nun ist das Sponsoring von Hochschulen erneut zum Medienthema geworden. SRF hat in mehreren Fernseh- und Radiosendungen über fragwürdige Verträge zwischen Hochschulen und Wirtschaftsunternehmen berichtet, speziell aus dem Medizinbereich (TA von gestern). Fälle aus Zürich waren zwar nicht darunter. Doch Michael Hengartner, der auch der Schweizer Rektorenkonferenz vorsteht, nutzte die gestrige Jahresmedienkonferenz der Universität Zürich zu einer Klarstellung. Grundsätzlich sei es erfreulich, dass die Schweiz so viele Pharmafirmen habe und ihre Unis derart attraktiv seien, dass die Wirtschaft hier investiere – und nicht im Ausland. «Damit kann die Innovation in der Schweiz stattfinden», sagte Hengartner. «Die Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft ist ein Gewinn.»

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Voraussetzung sei allerdings, dass die Hochschulen ihre Interessen sichern. Die Uni Zürich nimmt laut Hengartner Schenkungen nur an, wenn vier Kriterien erfüllt sind: Die Freiheit von Forschung und Lehre muss gewährleistet sein. Das Forschungsgebiet muss im Interesse der Universität liegen. Der Ruf der Uni muss positiv beeinflusst werden. Und es muss transparent sein, wo das Geld herkommt und wohin es geht.

Öffentliche Datenbank

2015 erhielt die Uni Zürich Drittmittel in der Höhe von 303 Millionen Franken. Das sind 22 Prozent des Gesamtbudgets, fünf Prozent mehr als 2010. Zwei Drittel aller Projektbeiträge sind Nationalfondsgelder oder andere staatliche Fördergelder, ein Drittel steuern Stiftungen, Privatpersonen und Firmen bei. In Zukunft werde die Universität Zürich grosse Schenkungen von sich aus kommunizieren, versprach Hengartner. So wie sie es bereits letztes Jahr mit der 20-Millionen-Stiftung für einen Muttermilch-Lehrstuhl getan habe. «Da legten wir an einer Medienkonferenz den Vertrag auf den Tisch, jeder Journalist konnte ihn ein­sehen.»

Nicht möglich ist laut dem Rektor, alle Verträge im Internet offenzulegen – aus Wettbewerbsgründen, weil Forschungsgeheimnisse tangiert würden. Die Uni plant jedoch eine Datenbank, in der sie alle Drittmittelverträge auflisten und deren Kernpunkte bekannt geben wird: Wer gibt wie viel an wen und zu welchem Zweck. Sie werde im Laufe des nächsten Jahres online gehen. Etwas früher, Anfang 2017, sollen auf einer zweiten Datenbank die Interessenbindungen aller Professoren der Uni Zürich offengelegt werden. Das kündigte Hengartner gestern an. Er erfüllt damit eine alte Forderung des Kantonsrates. Seit Jahren schon verlangt die Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit Transparenz. Bisher mussten die Professoren nur ihre Nebenbeschäftigungen melden. Neu wird alles aufgelistet, analog dem Verzeichnis über die Interessenbindungen der Kantonsrätinnen und Kantonsräte. Diese geben sowohl ihre aktuellen als auch die früheren Funktionen, Mandate und Mitgliedschaften an.

Hengartner ist unverdächtig

Und welche Interessen vertritt der Rektor selber? Auf Anfrage des TA legt Michael Hengartner seine Bindungen offen. Neben den Mandaten, die er von Amtes wegen als Rektor der Uni Zürich wahrnimmt, hat er folgende fünf Engagements: Stiftungsrat der «Zurich Minds Foundation» und von «The Cogito Foundation», Vizepräsident der Schweizerischen Studienstiftung, Beirat der Stiftschule Einsiedeln und Vorstandsmitglied des Quartiervereins Oberstrass.

Erstellt: 21.04.2016, 21:45 Uhr

25'000 Studierende

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