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Universität Zürich spart bei toten Professoren

In Zukunft verzichtet die Universität auf Todesanzeigen in der NZZ – aus Spargründen. Professoren wehren sich.

Bittet um Verständnis für die Sparmassnahme: Der Rektor der Universität Zürich Michael Hengartner. (Archivbild Keystone/Patrick B. Kraemer)
Bittet um Verständnis für die Sparmassnahme: Der Rektor der Universität Zürich Michael Hengartner. (Archivbild Keystone/Patrick B. Kraemer)

Unterzeichnet hat das Schreiben Michael O. Hengartner, schwungvoll, mit seinem Kalligrafie-Füllfederhalter. Er hoffe, schreibt der Rektor der Universität Zürich, «auf Ihr Verständnis». Es ist ein langes Schreiben an zahlreiche Empfänger, ausführlich und auch ein bisschen unbeholfen erklärt Professor Hengartner darin eine Sparmassnahme. Die Universität drucke künftig keine Todesanzeigen von emeritierten Professorinnen und Professoren mehr in der NZZ teilte sie Ende November mit.

Man sehe sich zu dieser Sparmassnahme gezwungen, schreibt Hengartner weiter. Stichworte sind Einsparvorgaben, Leistungsüberprüfung, finanzieller Druck. «Der Verzicht auf die Publikation von Traueranzeigen in der Neuen Zürcher Zeitung ist eine der daraus resultierenden Massnahmen», steht im Schreiben, das dem TA vorliegt. Und eben, der Rektor hoffe auf Verständnis.

Es gibt Hinweise darauf, dass ihm davon nicht allzu viel entgegengebracht wird. Im Gegenteil.

«Falsch verstandener Sparsinn»

Von den über 1000 aktuellen und ehemaligen Professorinnen und Professoren hätten 12 schriftlich reagiert, heisst es weiter. «Kritisiert wurde vor allem, dass das Sparpotenzial zu gering sei, um den Bruch mit einer von vielen geschätzten Tradition zu rechtfertigen», schreibt Mediensprecher Beat Müller.

Aus Professoren-Kreisen tönt es etwas gehässiger. Das Schreiben sei geschmacklos, es sei falsch verstandener Sparsinn – immerhin hätten die Damen und Herren Professoren die Forschung vorangetrieben, zur Reputation der Universität beigetragen – und Tausende Studenten und Studentinnen gelehrt. Wie sollten diese vom Tod ihrer ehemaligen Lehrer erfahren?

Der Spareffekt beläuft sich auf jährlich rund 110'000 Franken, teilt die Medienstelle der Universität mit. Es sei jedoch davon auszugehen, dass dieser Betrag in den kommenden Jahren «deutlich» gestiegen wäre: «Die Professorenschaft hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt.» Die Uni gedenke den Emeritae und Emeritii am Dies academicus (Festtag der Universität) und an den Sitzungen des Senats, versichert Michael Hengartner. Dazu fänden die Verstorbenen im Jahresbericht Erwähnung, und wer wolle, könne sich in einen «elektronischen Benachrichtigungsdienst» eintragen.

Dies haben laut Beat Müller bisher «nur wenige Personen» getan.

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