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Unterm Strich funktionierts

Die Stadt Zürich zieht fünf Jahre nach dem Start des neuen Strichplatzes in Altstetten Bilanz. Für die Sexarbeiterinnen bringe das Angebot einige Verbesserungen.

Fünf Jahre Sexboxen: Die Stadt zieht positive Bilanz. (Video: SDA)

Am Montag, 26. August 2013, um 19 Uhr öffnete der Strichplatz am Depotweg seine Tore - begleitet von einem grossen medialen Interesse aus dem In- und Ausland. Gleichzeitig mit der Eröffnung wurde auch die Strassenstrichzone am Sihlquai aufgehoben, um das Wohnquartier und die Bevölkerung zu entlasten.

Fünf Jahre später hat sich der Strichplatz «gut etabliert» und funktioniert, wie die Sozialen Einrichtungen und Betriebe der Stadt Zürich am Mittwoch mitteilten. Die Ziele des Stadtrates seien nachhaltig erfüllt worden.

Verhinderung von Gewalt

Vor allem bei der Verhinderung von Gewalt gegenüber Sexarbeiterinnen und Menschenhandel sei der Strichplatz wirkungsvoll. So kam es während der fünf Jahren zu keinem einzigen Fall von schwerer Gewalt - etwas, was zu Sihlquai-Zeiten «traurige Tagesordnung» war, wie es weiter heisst.

Neben der Tätigkeit der Beratungsstelle Flora Dora ist dies auch auf die Anwesenheit der Organisation sip züri zurückzuführen. Der Stadtrat wollte zudem die Sicherheit und den Gesundheitsschutz für die Sexarbeiterinnen verbessern, was ebenfalls deutlich gelang.

Auch ermöglicht der sichere, stabile Rahmen dem Beratungsteam von Flora Dora, Opfer von ausbeuterischen Verhältnissen oder Menschenhandel frühzeitig zu erkennen. Die Frauenberatung gibt der Stadtpolizei jährlich rund 100 niederschwellige Hinweise auf mögliche Opfer von Menschenhandel.

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Piktogramm-Studium beim Eingang: Eine Besucherin am Tag der offenen Tür im August 2013 auf dem Zürcher Strichplatz.
Piktogramm-Studium beim Eingang: Eine Besucherin am Tag der offenen Tür im August 2013 auf dem Zürcher Strichplatz.
Doris Fanconi
Rundkurs: In diesen Häuschen warten die Sexarbeiterinnen auf Kundschaft im Auto.
Rundkurs: In diesen Häuschen warten die Sexarbeiterinnen auf Kundschaft im Auto.
Doris Fanconi
Protest: Dieser Freier setzte sich für Bordelle ein. Der Strichplatz sei diskriminierend für alle Männer, die kein Auto hätten. Denn der Platz ist nur im Wagen zugänglich.
Protest: Dieser Freier setzte sich für Bordelle ein. Der Strichplatz sei diskriminierend für alle Männer, die kein Auto hätten. Denn der Platz ist nur im Wagen zugänglich.
Doris Fanconi
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Flora Dora verteilt neben der Beratungstätigkeit weiter auch Kondome in den Strichzonen und organisiert zusammen mit dem Stadtärztlichen Dienst einmal pro Monat auf dem Strichplatz einen Gesundheitsabend.

Neu auch Fahr- und Motorräder zugelassen

Im Schnitt arbeiten pro Nacht 20 bis 25 Frauen auf dem Platz. Die Zahl schwankt saisonal, ist aber insgesamt stabil. Die meisten Frauen kommen aus Osteuropa. Seit Eröffnung gab es verschiedene betriebliche Anpassungen. So war der Strichplatz ursprünglich täglich von 19 bis 5 Uhr geöffnet und nur mit dem Auto erreichbar. Seit 2016 ist er von Donnerstag bis Samstag bis 5 Uhr und von Sonntag bis Mittwoch bis 3 Uhr geöffnet.

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Der Strassenstrich am Zürcher Sihlquai: Er galt als unterste Liga im Sexgewerbe - mit entsprechend miesen Arbeitsbedingungen für die Frauen. In Spitzenzeiten schaffen bis zu 80 Dirnen an. Die meisten davon sind Roma-Frauen aus Ungarn.
Der Strassenstrich am Zürcher Sihlquai: Er galt als unterste Liga im Sexgewerbe - mit entsprechend miesen Arbeitsbedingungen für die Frauen. In Spitzenzeiten schaffen bis zu 80 Dirnen an. Die meisten davon sind Roma-Frauen aus Ungarn.
Keystone
Ein Grossteil der Freier stammte nicht aus dem Kanton Zürich, sondern aus den angrenzenden Kantonen und dem süddeutschen Raum. Die Prostituierten am Sihlquai boten sich bis in die frühen Morgenstunden an.
Ein Grossteil der Freier stammte nicht aus dem Kanton Zürich, sondern aus den angrenzenden Kantonen und dem süddeutschen Raum. Die Prostituierten am Sihlquai boten sich bis in die frühen Morgenstunden an.
Reto Oeschger/TA
Die Auswüchse am Sihlquai wurden zum Politikum: Der Zürcher Stadtrat musste den umstrittenen Strassenstrich aufheben. Seit dem 26. August 2013 stehen den Prostituierten die Strichboxen in Zürich-Altstetten zur Verfügung.
Die Auswüchse am Sihlquai wurden zum Politikum: Der Zürcher Stadtrat musste den umstrittenen Strassenstrich aufheben. Seit dem 26. August 2013 stehen den Prostituierten die Strichboxen in Zürich-Altstetten zur Verfügung.
Keystone
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Seit Anfang 2018 sind testweise Fahrräder und Motorräder zugelassen. Bislang verläuft der Versuch problemlos. Anfang 2014 wurden zudem Stehboxen eingerichtet. Aktuell stehen auf dem Strichplatz acht Auto- und vier Stehboxen zur Verfügung.

Der Betriebsaufwand beträgt jährlich rund 800'000 Franken. Er besteht vorwiegend aus Personalkosten für die Einhaltung der Platzordnung auf dem Strichplatz sowie den Beratungsleistungen von Flora Dora.

(tif/sda)

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