VBZ lassen «Elefantenrunde» mit Gewerkschaften platzen

Abrupt haben die Zürcher Verkehrsbetriebe das halbjährliche Treffen mit den Personalverbänden unterbrochen – und vertagt.

Viel zu schnell mit dem Tram unterwegs: Ein Trampilot protestiert gegen die Arbeitsbedingungen bei den VBZ. Video: Tamedia/20 Minuten

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Der Konflikt begann mit einem rasenden Trampiloten. Aus Protest über schlechte Arbeitsbedingungen bei den Zürcher Verkehrsbetrieben (VBZ) filmte ein Mann seine zu schnelle Tramfahrt durch Zürich. Er schickte das Video «20 Minuten», die Gratiszeitung veröffentlichte es. Weitere VBZ-Schlagzeilen folgten prompt. Zuerst weil die VBZ drei Chauffeure fristlos entlassen hat, da diese ihr Handy während der Fahrt bedienten. Und schliesslich legte die NZZ nach: «Tiefstwerte für die Verkehrsbetriebe», titelte die Zeitung und berichtete im Artikel über das schlechte Abschneiden der VBZ bei der jüngsten Mitarbeiterbefragung in Bezug auf die psychische Belastung und Entlöhnung.

Alle drei Vorfälle haben etwas gemeinsam: Der Zürcher VPOD-Gewerkschafter Duri Beer hat sich dazu geäussert – und die VBZ kritisiert. Das Arbeitsklima bei Tram- und Busfahrern sowie im Ereignismanagement sei sehr schlecht, sagte Beer in der NZZ. Ein militärischer Führungsstil herrsche, gewisse Vorgesetzte seien «schlicht untragbar». Es habe Unterschriftensammlungen der Belegschaft gegen einzelne Vorgesetzte gegeben. Passiert sei nichts.

Video: Buschauffeur bedient Smartphone am Steuer

Nicht erwünscht: Ein Bus-Chauffeur der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) bedient während der Fahrt sein Tablet. Video: Tamedia

Den VBZ passte Beers Verhalten offenbar überhaupt nicht. Am halbjährlichen, ordentlichen Treffen zwischen der VBZ-Führung und Vertretern der Personalverbände – der sogenannten Elefantenrunde – kam dann die Überraschung. Anstatt wie üblich Traktandum für Traktandum abzuarbeiten, haben die VBZ das Treffen mit den Sozialpartnern vorzeitig unterbrochen und vertagt. Sie begründen den Schritt in einem internen Schreiben mit der «geäusserten Kritik des VPOD-Vertreters» in der NZZ. Die Vorwürfe seien «weder für die aktuelle noch für die vorangehenden Elefantenrunden traktandiert» gewesen.

Beer muss Fragen beantworten

Laut einem auf Facebook veröffentlichten Flugblatt des VPOD hat Beer nun drei Wochen Zeit, vier Fragen zu beantworten: «Weshalb Kritik über die Medien? Wie steht der VPOD-Sekretär zu den Veränderungen der letzten 5 Jahre? Weshalb behauptet er, es sei nichts passiert? Weshalb kritisiert er die Wagenbesuche und die Lohnrelevanz, als ob die VBZ dies im Alleingang machen?»

VPOD-Gewerkschafter Duri Beer will auf Anfrage die Ereignisse nicht ausführlich kommentieren. Nur so viel: «Das Vorgehen der VBZ bei der Elefantenrunde hat mich sehr überrascht.» Die in den Medien geäusserte Kritik habe er bereits zuvor wiederholt den VBZ intern mitgeteilt. «Ich will aber nicht mehr Öl ins Feuer giessen», sagt Beer. Er wolle die Diskussion versachlichen, damit sich etwas für das Personal ändern könne. Auch Hanspeter Hofer von der Gewerkschaft Transfair war bei der verkürzten Elefantenrunde anwesend. Er habe die Reaktion der VBZ-Geschäftsleitung auf den Zeitungsbericht als «relativ heftig empfunden» und sei überrascht gewesen. Viel mehr möchte er dazu aber nicht sagen. «Transfair fühlt sich von der Kritik der VBZ nicht angesprochen.»

Nicht in der Öffentlichkeit

VBZ-Mediensprecher Andreas Uhl verweist auf Anfrage auf das Sitzungsgeheimnis. «Die Sozialpartnerschaft hat aber keine Risse», sagt er, «ein neuer Termin für die Sitzung ist bereits festgelegt.»

Etwas ausführlicher kommuniziert die VBZ-Geschäftsleitung in der internen Mitteilung. Dort schreibt sie, dass die VBZ in den vergangenen Jahren viel Aufwand in Massnahmen in den Bereichen Arbeitsklima und Unternehmenskultur gesteckt hätten. Die Sozialpartner seien stets miteinbezogen worden. Und sie stellt klar, wie sie sich die Sozialpartnerschaft vorstellt: Meinungsverschiedenheiten hätten gemäss Gesamtarbeitsvertrag vor der sogenannten paritätischen Kommission, einem Gremium aus gleich vielen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern, ausgetragen zu werden. Und nicht in der Öffentlichkeit. Der Unterbruch der Elefantenrunde «gibt dem VPOD-Vertreter die nötige Zeit, um die Fragen der VBZ zu seinen Vorwürfen zu beantworten».

Dies wird Duri Beer nun tun. Und er ist überzeugt, dass die Reaktion der VBZ auf seine Kritik die Position des VPOD nicht geschwächt habe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.11.2017, 11:06 Uhr

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