Kampf der Velofahrer

Der Platz auf den Radwegen wird kleiner. Die Schuldigen: E-Bikerinnen und Trottinettler? Falsch.

Nicht nur am Urban Bike Festival ist der Platz auf den Zürcher Velowegen langsam knapp. Foto: Keystone

Nicht nur am Urban Bike Festival ist der Platz auf den Zürcher Velowegen langsam knapp. Foto: Keystone

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Ein Gemeinschaftsgefühl verband einst Zürcher Velofahrer. Es war die Solidarität unter Aussenseitern, jenen, die nicht vorgesehen waren auf den Strassen, die trotzdem Platz beanspruchten und gegen gefährliche Gegner anpedalten (Autos, Lastwagen), weil sie glaubten, dass ihr Fortbewegungsmittel zur Stadt passt.

Jetzt bröckelt dieses Bündnis – ausgerechnet deshalb, weil sich die Erkenntnis über die Vorteile des Velos durchsetzt. Zumindest an schönen Sommertagen satteln mehr und mehr Zürcherinnen um. Dazu kommen E-Biker, die in Geschwindigkeiten, welche bisher nur trainierte Renn­velofahrer erreichten, über Radwege sausen, gemütlich vor sich hin tretend. Und seit kurzem müssen Zürcher Velofahrerinnen damit rechnen, von aufrecht stehenden Menschen überholt zu werden, die sich lautlos von hinten nähern: Lenker der Miettrottinette, die gut ankommen in Zürich.

Niemand braucht die Solidarität der Aussenseiter

So wird es enger auf den bereits engen Velorouten. Darauf reagieren manche City-Biker mit jenem Verhalten, das der ruppige Stadtverkehr sie gelehrt hat: Platz behaupten, wenn nötig mit lauter Stimme und groben Worten. Fertig Verbündete. Die Mit-Velofahrer werden zu Konkurrenten. Am stärksten trifft dieser Reflex die Artfremden. Manche eingesessenen Velofahrer neigen dazu, über «faule E-Biker» oder «Trotti-Trottel» zu lästern.

Platznot macht Stress. Verständlich. Doch dieser Ärger trifft die Falschen. Das Problem liegt nicht darin, dass zu viele Menschen die Zürcher Velowege nutzen. Das Problem ist, dass diese so schmal bleiben oder gar nicht existieren. Daher sollten erfahrene Velofahrer neue nicht ausbremsen, sondern ihnen den Vortritt lassen. Jede zusätzliche E-Bikerin, jeder neue Trottinett-Lenker bedeutet ein Auto weniger auf der Strasse, also mehr Platz. Und wenn die Umsteiger bis anhin nicht Auto gefahren sind, sondern Tram, bilden sie zumindest frische Verbündete. Persönlich erleben sie die Bedrängnis auf den Zweiradstreifen. Folglich werden sie eine Politik unterstützen, die das Problem anpackt.

Das ginge ganz einfach: Velostädte wie Kopenhagen stellen breite, teils mehrspurige Velowege bereit. Die dortigen Velofahrer verständigen sich untereinander mit Handzeichen. Abertausende kommen so gut aneinander vorbei. Und die Aussenseiter-Verbundenheit? Niemand braucht sie mehr.

Erstellt: 02.07.2019, 20:41 Uhr

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