Velofahrt in den Ruin

Ein Fall wie der des jungen Zürchers, der nach einem selbst verursachten Unfall in die Schulden stürzte, wäre vor 2012 kaum möglich gewesen. Grund: die Velovignette.

Mit dem Wegfall der Vignette gibt es bei Unfällen auch nicht mehr die obligatorische  Privathaftpflichtversicherung.

Mit dem Wegfall der Vignette gibt es bei Unfällen auch nicht mehr die obligatorische Privathaftpflichtversicherung. Bild: Keystone

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Die Geschichte des jungen Zürchers Oliver Jordan Tewelde, der nach einem von ihm verursachten Velounfall Schulden in der Höhe von 40'000 Franken hatte, hat Seltenheitswert. Und zwar deshalb, weil es dem 23-Jährigen gelungen ist, das Geld dank Crowdfunding innerhalb eines Monats zusammenzubringen.

Für alle anderen, die mit dem Velo einen Unfall bauen, gilt in einem vergleichbaren Fall: Entweder haben sie eine Privathaftpflichtversicherung, eine Menge Geld auf der hohen Kante – oder ein ernsthaftes Problem. Letzteres droht insbesondere jungen Leuten, die erst kürzlich von zu Hause ausgezogen sind. Das hat mit der Abschaffung der Velovignette vor fünf Jahren zu tun.

Die kostete zwar ein paar Franken, aber im Preis inbegriffen war eine Haftpflichtversicherung, die Schäden bis zu 2 Millionen Franken abdeckte. Seit die Vignette abgeschafft ist, ist jeder selbst dafür verantwortlich, eine solche Versicherung abzuschliessen. Obligatorisch ist das nicht, und etwa 15 Prozent aller Schweizer verzichten darauf. Tewelde gehörte dazu. Angeblich, weil seine Mutter die Versicherung kurz vor dem Unfall gekündigt hatte.

Risiko für junge Leute

Gerade bei jungen Leuten dürfte dies immer wieder auch auf Unwissen zurückzuführen sein. Solange man bei den Eltern im gleichen Haushalt wohnt und ein gewisses Alter noch nicht erreicht hat, ist man in der elterlichen Haftpflichtversicherung eingeschlossen. Zieht man aus, müsste man sich um eine Versicherung kümmern, bevor man aufs Velo sitzt. Das empfehlen Fachleute. Bloss nützt das nichts, wenn man es nicht weiss.

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War die Abschaffung der Velovignette der richtige Entscheid?





Wenn man heute auf die politische Debatte zurückblickt, die vor der Abschaffung der Vignette geführt wurde, scheint es, als habe man Fälle wie jenen Teweldes willentlich in Kauf genommen. Die Mehrheit der zuständigen Ständeratskommission warnte damals, ohne Vignette entstünde bei vielen eine «gravierende Versicherungslücke». Die Mehrheit der Parlamentarier hielt jedoch dagegen, dass die Vignettenpflicht eine Ungerechtigkeit sei für all jene, die bereits über eine private Haftpflichtversicherung verfügen. Sie müssten doppelt zahlen.

Versicherung zahlt Schmerzensgeld

Weil sich diese Haltung durchsetzte, kann ein Unfallverursacher heute in den finanziellen Ruin getrieben werden, wenn er beim Velofahren jemandem eine schwere Verletzung zufügt. Bei den Zürcher Betreibungsämtern heisst es zwar, dass solche Fälle selten seien. Trotzdem: Gefeit vor diesem Schicksal ist nur, wer über eine Haftpflichtversicherung verfügt. Denn diese übernimmt neben Schäden an fremdem Eigentum auch Heilungskosten, Lohnausfall oder Schmerzensgeld des Unfallopfers.

Laut dem Konsumentenportal «Ktipp» sind bei einer jährlichen Prämie von 100 bis 200 Franken Schäden in Höhe von 2, 5 bis 10 Millionen gedeckt, je nach Versicherungspolice. Im Gegensatz zum Velo, wo es die obligatorische Haftpflichtversicherung nicht mehr gibt, ist sie für Motorräder und Autos weiterhin Pflicht.

Erstellt: 21.02.2017, 15:45 Uhr

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