Veloverbot und bunter Baumschutz am Züri-Fäscht

Wenn am Wochenende zwei Millionen Menschen durch Zürich strömen, herrscht Ausnahmezustand. Das hat nicht nur für den Verkehr in der Innenstadt Folgen.

Zu wenig Platz für Zweiräder: Am Züri-Fäscht vom 5. bis zum 7. Juli gilt für Velos in der Innenstadt Fahrverbot.

Zu wenig Platz für Zweiräder: Am Züri-Fäscht vom 5. bis zum 7. Juli gilt für Velos in der Innenstadt Fahrverbot. Bild: Keystone

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Es ist wieder bunt in der Stadt. Dieses Mal haben die Regenbogenfarben am Zürcher Seebecken allerdings nichts mit der Zurich Pride zu tun, sie künden bereits den nächsten Grossanlass in der Innenstadt an: Die bunt bemalten Holzlatten schützen die Jungbäume am General-Guisan-Quai vor den Besucherströmen am Züri-Fäscht.

Die Installation hat sich schon im letzten Jahr bewährt. Die Organisatoren der Street Parade hatten sie entwickelt, um die neu gepflanzten Alleen zusätzlich zum fest montierten Stamm- und Wurzelschutz vor Schäden zu bewahren. «Wir haben bei der Street Parade angefragt, ob wir sie auch am Züri-Fäscht aufstellen können, und die Holzkonstruktion ergänzen lassen, sodass jetzt alle Baumreihen damit versehen sind», sagt Lukas Handschin, Sprecher von Grün Stadt Zürich (GSZ).

Bunter Baumschutz: Die Street Parade hats erfunden, die Stadt hats übernommen. (Bild: Andrea Zahler/Tamedia AG)

Der Schutz der Pflanzen und Bäume während des grössten Volksfests der Schweiz sorgte im letzten Dezember für Wirbel. GSZ wollte die Auflagen verschärfen, was das Budget des Züri-Fäscht um einen sechsstelligen Betrag erhöht und das Aufbauen gewisser Stände verunmöglicht hätte. Nach einer Sitzung mit den Festorganisatoren und dem zuständigen Stadtrat Richard Wolff (AL) kam man schliesslich überein, den Bäumen noch grössere Sorge zu tragen, die generellen Regeln aber nicht zu verschärfen.

«Grün Stadt Zürich begleitet den Aufbau des Züri-Fäscht, damit möglichst wenig Schäden entstehen.»Lukas Handschin, 
Sprecher Grün Stadt Zürich

Aufgrund dieser Übereinkunft hat GSZ bei der Begehung des Festgeländes mit allen Involvierten die Firmen und Standbetreiber auf die «grünen Anliegen» aufmerksam gemacht und standortspezifische Auflagen verbindlich festgehalten. «In allen Festzonen sind neben Fachpersonen für die Sicherheit auch Gärtnerinnen und Gärtner von Grün Stadt Zürich vor Ort und begleitet den Aufbau des Züri-Fäscht, damit möglichst wenig Schäden entstehen», sagt Handschin. Damit die Vegetation in exponierten Anlagenteilen nicht zertrampelt wird, sperrt GSZ diese Bereiche mit Gittern ab, Rasenflächen werden vor dem Fest nochmals tüchtig gewässert, damit sie die Belastung besser aushalten.

Zudem hat GSZ den Standbetreibern ein Merkblatt abgegeben, auf dem festgehalten ist, was punkto Baumschutz zu beachten ist. Es handelt sich dabei um allgemeine Hinweise zur Sensibilisierung für den Pflanzenschutz. Unter anderem wird darin aufgezeigt, dass nicht wiedergutzumachende Schäden an Stamm und Wurzelwerk sowie Astabbrüche zwingend vermieden werden müssen.

Räder müssen draussen bleiben

Das ist nicht das Einzige, was am Züri-Fäscht zwingend vermieden werden soll. Die Dienstabteilung Verkehr (DAV) will mit einem rigorosen Fahrverbot auch dafür sorgen, dass es zu keinen Zusammenstössen auf dem Festgelände kommt. Deshalb darf das Festgelände bereits ab Freitag, 5. Juli, um 6 Uhr nicht mehr befahren werden – auch nicht von Velos oder Trottinetten. «Das Besucheraufkommen ist zu gross, und es könnte zu Konflikten führen, wenn Velos durch die Menge fahren. Deshalb wollen wir grundsätzlich keine Velos auf dem Festgelände haben», sagt DAV-Sprecher Heiko Ciceri.

«Das Besucheraufkommen ist zu gross, und es könnte zu Konflikten führen, wenn Velos durch die Menge fahren.»Heiko Ciceri,
Sprecher Dienstabteilung Verkehr Zürich

Damit alle ihre Räder abstellen können, wird die DAV an verschiedenen Stellen um das Festgelände herum temporäre Veloparkplätze errichten. Hinzu kommen laut Ciceri zusätzliche Taxistandplätze ausserhalb des Festperimeters, die während des Züri-Fäscht zur Verfügung stehen.

Die Mietfahrzeuge wie Trottinette, Velos oder E-Bikes werden während der ganzen Festdauer aus der Innenstadt weggeräumt. Auch das Abstellen von Fahrzeugen wie Leih-Velos, -Scooter oder -Roller ist innerhalb des Festgeländes verboten. Wer sein Rad trotzdem dort abstellt, muss damit rechnen, dass es eingezogen wird.

Wo man mit dem Velo noch durchkann: Blau sind die Veloumleitungen eingezeichnet, rot ist die Sperrzone vom Fest. (Grafik: DAV)

Von einer Anreise mit Auto, Motorrad oder Velo ist daher dringend abzuraten. Umsteigen auf die öffentlichen Verkehrsmittel macht auf jeden Fall mehr Sinn: Der Zürcher Verkehrsverbund bietet auf dem gesamten Verbundgebiet sowie darüber hinaus rund um die Uhr Fahrten per S-Bahn, Tram und Bus an.

In den Festnächten von Freitag bis Sonntag sind im Spezialfahrplan über 600 zusätzliche Kurse vorgesehen. Die SBB führt in diesen Nächten zusätzliche Fernverkehrszüge nach Lenzburg–Aarau, Olten–Bern, Luzern, Basel, Chur und St. Gallen. Auch die An- und Heimreise über den See ist eine Option: Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft bietet mit ihrem «Fahrplan Fäschtwälle» ebenfalls Spezialfahrten an – auch um die Uferseiten des Festgeländes zu wechseln.

Am Montagmorgen, 8. Juli 2019, um 6 Uhr kehrt dann wieder ein wenig Normalität ein, wenn das Verkehrsregime des Züri-Fäscht wieder aufgehoben wird. Die bunten Schutzlatten um die Jungbäume am General-Guisan-Quai beim Bürkliplatz bleiben jedoch, bis der nächste Grossanlass am Seebecken stattfindet: die Street Parade vom 10. August 2019.

Erstellt: 02.07.2019, 13:30 Uhr

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