Vergiss alle Ordnung

Nichts gegen Koalas, doch Australiens bestes Viech ist das Schnabeltier.

Europäische Gelehrte vermuteten einen groben Scherz, als sie den Ornithorhynchus anatinus 1799 erstmals untersuchten. Foto: Reuters

Europäische Gelehrte vermuteten einen groben Scherz, als sie den Ornithorhynchus anatinus 1799 erstmals untersuchten. Foto: Reuters

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Über Ostern standen in Zürich die Menschen Schlange, um in der neuen Australienanlage des Zoos fremdartige Fauna zu betrachten – Koalas, Wallabys, Emus, Warane, Tannzapfenechsen. Der Zürichberg, der Fünfte Kontinent.

Der aufregendste Vertreter Australiens aber ist in Zürich nicht zu sehen: das Schnabeltier, Ornithorhynchus anatinus, also entenartiger Vogelschnäbler. Europäische Gelehrte vermuteten einen groben Scherz, als sie das Tier 1799 erstmals untersuchten; da wird ein Präparator einem Felltier einen Entenschnabel aufgenäht haben. Als die Echtheit geklärt war, sah die Wissenschaft das Tier als Beleg für Australiens Gottverlassenheit: ein Bastard der Schöpfung, ein Durcheinandertier. 100 Jahre später entdeckte man, dass die Weibchen ledrige Eier legen (wie Vögel), die geschlüpften Jungen aber mit Milch säugen, und dies nicht über Zitzen, sondern grossflächig über Drüsen am Bauch. Ein Tier wie eine Karambolage der Ordnungen.

Weit entfernt vom Menschen

Aber lebendig: Das Schnabeltier, rund einen halben Meter lang, stromlinienförmig wie ein Torpedo und wasserdicht behaart, bewohnt den Osten Australiens, lebt in Flüssen, frisst Krabben und Würmer, wühlt den Boden mit dem Schnabel auf. Es ist scheu, jagt in der Dämmerung. Wenn es taucht, orientiert es sich mit Elektrosensoren.

Zusammen mit dem Ameisenigel bildet es die kleine Ordnung der Monotremata. Diese hat sich vor rund 166 Millionen Jahren von den übrigen Säugern abgespalten. Das Schnabeltier gilt als das vom Menschen weitestentfernte Säugetier.

Einige australische Zoos halten Schnabeltiere, doch die Zucht ist schwierig, die Ausfuhr auch, nach Zürich kommen sie nicht so bald. An sie denken darf man trotzdem, gerade in Momenten vermeintlicher Ordnung: Hier Mensch, dort Koala, dazwischen Gitter? Hier wir, dort ihr, dazwischen Grenze? Kommt das Schnabeltier geschwommen, lacht uns alle aus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.04.2018, 21:17 Uhr

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