Verkaufsschlager Solaranlage

In Zürich wollen so viele Personen Teile von EWZ-Solaranlagen kaufen, dass die Warteliste bereits Hunderte Personen umfasst.

Können quadratmeterweise gekauft werden: Anteile von Solaranlagen wie hier auf dem Schulhaus Allenmoos.

Können quadratmeterweise gekauft werden: Anteile von Solaranlagen wie hier auf dem Schulhaus Allenmoos. Bild: EWZ

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Auch der umweltbewusste Städter hat es gerne bequem: Gegen den Hunger kauft er ein veganes Fertiggericht und gegen den Stromhunger ein Stück fixfertig installierte Solaranlage. Kaufen und direkt konsumieren – dieses Modell kommt an. So gut, dass das städtische Elektrizitätswerk EWZ sein Convenience-Produkt Solarzüri in der jüngsten Jahresbilanz als «Renner» bezeichnet. So gut aber auch, dass das Angebot der Nachfrage derzeit stark hinterherhinkt. Über 400 Personen würden gerne kaufen, müssen sich aber stattdessen mit einem Platz auf einer Warteliste begnügen.

Das Prinzip ist simpel: Seit 2015 installiert das EWZ auf öffentlichen Gebäuden grosse Solaranlagen und verkauft dann Anteile daran an Private weiter für 250 Franken pro Quadratmeter. Auf diesem Weg können insbesondere auch Mieter zu Besitzern von Solaranlagen werden.

Für jeden Quadratmeter erhält der Käufer 20 Jahre lang 80 Kilowattstunden auf seiner Jahresrechnung gutgeschrieben. Und zwar unabhängig davon, wie viel Strom die Anlage tatsächlich generiert. Das heisst: Wenn die Bewohner eines Dreizimmerhaushalts mit einem Durchschnittsverbrauch von 1600 Kilowattstunden einmalig 20 Quadratmeter für 5000 Franken kaufen, müssen sie danach zwei Jahrzehnte lang keine Stromrechnung mehr bezahlen.

Über 3000 Nutzer

Ein Geschäft als Stromproduzent aufziehen kann man mit den Anteilen nicht, denn das EWZ erlaubt es maximal, den Eigenverbrauch abzudecken. Deshalb gibt es nur die ersten 10 Quadratmeter ohne weitere Prüfung. Sinkt der Verbrauch über die Jahre so stark, dass man zum Nettoproduzenten wird, muss man überschüssige Anteile wieder abtreten und wird dafür ausbezahlt.

Die flächenmässig grösste Anlage auf dem Waidspital. Bild: EWZ

Für die meisten der über 3000 Personen, die bisher Teil des Programms sind, stellt sich diese Frage derzeit kaum. Im Schnitt besitzen sie nur etwas über 5 Quadratmeter. Bevor sie aufstocken dürfen, werden zuerst einmal all jene berücksichtigt, die noch warten.

Zurzeit befinden sich drei neue Anlagen im Bau, die alle rasch vergeben waren, kaum dass sie im Oktober angekündigt wurden. Wenn sie in Betrieb gehen, umfasst das Solarzüri-Programm knapp 16'000 Quadratmeter. Das entspricht einmal dem Sechseläutenplatz. Die meisten der Anlagen befinden sich auf den Dächern von Schulhäusern, aber es gibt auch eine auf dem Waidspital, auf einer Wohnsiedlung am Friesenberg und auf einem Seewasserwerk.

Wer erst jetzt auf dieses Angebot aufmerksam geworden ist, wird sich noch eine Weile gedulden müssen. Zwar plant das EWZ zurzeit zwei zusätzliche Anlagen, aber diese reichen bestenfalls, um die bestehende Warteliste abzubauen. Erst wenn weitere Standorte hinzukommen, wird das Elektrizitätswerk wieder offensiver nach Kundinnen und Kunden suchen.

Erstellt: 22.04.2019, 14:33 Uhr

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