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Viel Geld für wenige

Es sind gleich mehrere Punkte, die beim geplanten Rosengartentunnel stossend sind.

Es klingt nach Vernunft, nach einem gut helvetischen Kompromiss, was Stadt und Kanton am Rosengarten planen. Die einen erhalten das dringend nötige Tram, die andern den sehnlichst gewünschten Tunnel. Für die Anwohner wird das Leben ruhiger, die Luft besser.

Ein Projekt also, dem jeder zustimmen kann? So einfach ist es nicht. Bei näherem Hinsehen bergen die Pläne Stolpersteine. Und nicht nur die Befürworter, auch die Gegner haben gute Argumente.

Da sind nur schon die Kosten. Eine Milliarde Franken für ein paar Hundert Meter Tunnel und Tramlinie sind extrem viel Geld – für ein Projekt, das lärmmässig nur wenigen zugutekommt. Sicher, man würde den paar Hundert Lärmgeplagten die Ruhe gönnen. Aber was ist mit jenen, die sonst irgendwo an der Westtangente wohnen?

Abschreckendes Beispiel PJZ

Ein weiterer heikler Punkt ist das Vorgehen. Der Regierungsrat möchte das Projekt, ähnlich wie das ­Polizei- und Justizzentrum (PJZ), per Spezialgesetz mit Rahmenkredit realisieren. Der Kantonsrat und allenfalls die Stimmbürger sollen also Ja sagen zu einem Bauwerk, das über eine Milliarde kostet, ohne die ­Details zu kennen. So liessen sich Tram und Tunnel schneller realisieren, sagt der Regierungsrat. Die Erfahrungen mit dem PJZ lassen eher das Gegenteil befürchten. Beim Rosengartentunnel dürfte das Konfliktpotenzial sogar noch grösser sein. Nur schon die Gestaltung der Tunnelportale wird in den betroffenen Quartieren mit Sicherheit zu heftigen Diskussionen führen.

Und nicht zuletzt ist das Projekt halt doch nicht so visionär, wie es sich verkauft. Kein Wort dazu, ob es überhaupt noch zeitgemäss ist, eine Hauptachse mitten durch die Stadt zu legen. Zwar betonen Stadt und Kanton einhellig, die Kapazität der Strasse werde nicht erhöht – aber was, wenn das die Autofahrer nicht interessiert? Fakt ist: Jeder beseitigte Stau lockt mehr Verkehr an. Darauf wissen Stadt und Kanton keine befriedigende Antwort.

Damit bieten die Pläne Angriffsflächen von links-grün bis rechtsbürgerlich. Gut möglich also, dass der Kantonsrat Tunnel samt Tram kurzerhand versenkt. Unverständlich wäre ein solcher Entscheid nicht.

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