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Viele Betrunkene, ein Schwerverletzter: Das war die Street-Parade

Laute Musik, kreative Kostüme, grosse Drogenvielfalt, 45 Verhaftungen und ein schwer verletzter Nigerianer: 950'000 Raver und Schaulustige verwandelten Zürich zur «Techno-Hauptstadt der Welt».

Menschenauflauf an der Street-Parade: Das Zürcher Seebecken gehört einen Nachmittag lang dem Partymob.
Menschenauflauf an der Street-Parade: Das Zürcher Seebecken gehört einen Nachmittag lang dem Partymob.
Gian Ehrenzeller, Keystone
Farbenfrohe Ausgelassenheit: Eine Million Besucher feiern dieses Jahr bei gutem Wetter an der Street-Parade.
Farbenfrohe Ausgelassenheit: Eine Million Besucher feiern dieses Jahr bei gutem Wetter an der Street-Parade.
Walter Bieri, Keystone
Lasershow: Kurz vor 23 Uhr werden die DJ-Sets von Nervo am Mythenquai, Luciano am Bürkliplatz sowie Sir Colin vor dem Kongresshaus während einer Stunde mit einer Lasershow begleitet, wie sie bereits im vergangenen Jahr (Bild) zu sehen war.
Lasershow: Kurz vor 23 Uhr werden die DJ-Sets von Nervo am Mythenquai, Luciano am Bürkliplatz sowie Sir Colin vor dem Kongresshaus während einer Stunde mit einer Lasershow begleitet, wie sie bereits im vergangenen Jahr (Bild) zu sehen war.
laserworld.com
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Der Abend und die Nacht der Street-Parade 2013 verliefen «grösstenteils friedlich», wie die Zürcher Stadtpolizei heute Morgen mitteilte. Dennoch sahen sich die Einsatzkräfte mit mehreren tätlichen Auseinandersetzungen konfrontiert. Die Stadtpolizei verhaftete 16 Personen, die Kantonspolizei 29. Die Ursache für die gewalttätigen Auseinandersetzungen dürfte häufig im übermässigen Alkohol- oder Drogenkonsum zu suchen sein, heisst es weiter. Die Streitereien gingen grösstenteils glimpflich aus, ausser einem Nigerianer erlitt niemand gröbere Verletzungen.

Der 27-jährige Nigerianer wurde mit schweren Kopfverletzungen vor der Elite Bar an der Langstrasse aufgefunden. Er soll nachts um 2 Uhr in einen Streit mit einer weiteren Person verwickelt und von dieser angegriffen und mit Schlägen auf den Kopf traktiert worden sein. Die Stadtpolizei sucht Zeugen.

Im Lauf des Samstags und in der darauffolgenden Nacht verhaftete die Stadtpolizei insgesamt 16 Personen im Alter von 17 bis 33 Jahren. Gründe für die Festnahmen waren: Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Körperverletzung/Tätlichkeit, Gewalt und Drohung gegen Beamte und Hinderung einer Amtshandlung. Acht Personen wurden der Staatsanwaltschaft zugeführt, die anderen Personen wurden nach den Befragungen wieder entlassen. Die Festgenommenen stammen aus der Schweiz (5), Deutschland (4), Guinea (2), Gambia, Mali, Spanien, Türkei, Costa Rica (je 1).

Renitente Patienten

Einige Male unterstützten die Polizeikräfte Sanitätsposten bei der Behandlung von renitenten Patienten. Insgesamt wurden 17 Personen in der Zürcher Ausnüchterungsstelle und 139 in der Patientensammelstelle von Schutz & Rettung Zürich ausgenüchtert. Die verschiedenen Fahndungsdienste stellten unter anderem 96 Dosen Ecstasy, 145 Gramm Marihuana/Haschisch sowie kleinere Mengen Kokain und Amphetamin sicher. Weiter wurde Bargeld im Wert von rund 1500 Franken und rund 1235 Euro beschlagnahmt.

Die Sanitäter von Schutz & Rettung der Stadt Zürich verzeichneten eine hohe Zahl von Augenverletzungen, die sie an ihren Posten behandeln mussten. Durch Reizstoffe und in einigen Fällen durch Laserblendungen sind 11 Personen verletzt worden, wie Sprecher Urs Eberle sagt. Ein Phänomen, das man bisher erst aus Fussballstadien kennt.

Frau schlägt Briten ins Gesicht

Ebenfalls am Auge verletzt wurde ein 36-jähriger Mann aus Grossbritannien. Gegen 18.30 Uhr wurde er am Bürkliplatz von einer Frau ins Gesicht geschlagen und musste hospitalisiert werden. Die Täterin ist flüchtig. Die Stadtpolizei sucht Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben ( Tel. 044 247 22 11) . Das Opfer war mit einem auffälligen weissen Umhang bekleidet.

An den acht Sanitätsposten wurden insgesamt 921 Personen behandelt, 323 wegen Schnittverletzungen. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr (404). 55 Personen liessen sich wegen Insektenstichen behandeln. Gemäss Schutz & Rettung Zürich eine «ungewohnt hohe Zahl».

Weniger Schnittverletzungen

Während es am Nachmittag noch nach übermässig vielen behandelten Personen aussah – vor allem wegen übermässigen Alkohol- und Drogenkonsums – gab Sprecher Urs Eberle am Sonntagmorgen Entwarnung: Nach einer verhältnismässig ruhigen Nacht liege die Zahl der Verletzten nur knapp über dem Niveau des Vorjahres (910). Schwere oder lebensbedrohliche Verletzungen waren keine zu verzeichnen. Trotzdem mussten 70 Personen in ein Spital überwiesen werden, 15 mehr als 2012.

Detektive der Abteilung Bewilligungen mussten rund 20 Verzeigungen aussprechen. Verkaufsstände hielten die vorgegebenen Festzeiten und Boulevardbetriebe die Wirtschaftsschlussstunde nicht ein. Weiter musste in einigen Fällen die unerlaubte Beschallung auf öffentlichem Grund beanstandet werden. Eine illegale Party wurde verhindert.

Kantonspolizei verhaftet am Hauptbahnhof 29 Personen

Im Hauptbahnhof Zürich, der in den Zuständigkeitsbereich der Kantonspolizei fällt, wurden 29 Personen verhaftet: 28 Männer und 1 Frau. Die Festgenommenen stammen nebst den acht verhafteten Schweizern aus Italien, Deutschland, Spanien, Portugal, Mazedonien, Moldawien, Afghanistan, Mongolei, Algerien, Marokko, Tunesien, Mali, Kamerun und Brasilien, wie die Kapo mitteilte.

Die Verhafteten wurden angezeigt wegen mutmasslichen Drogenhandels (5), Bussenumwandlung (1), Widerhandlungen gegen das Gesetz über Ausländerinnen und Ausländer (7), illegalen Waffenbesitzes (1), Trunkenheit/Ausnüchterung (5), Körperverletzung (1), Betrug (3), Entweichung (2), Wegweisung (1) und ID-Feststellung (3).

Grosse Drogenvielfalt

Verzeigungen erfolgten vorwiegend wegen Betäubungsmittelbesitzes und -konsums (33), wie die Kantonspolizei weiter schreibt. Auffallend sei die Drogenvielfalt. Zudem wurden 44 Diebstähle angezeigt. Diese ereigneten sich jedoch meist ausserhalb des Hauptbahnhofes.

Der Alkohol- und Drogenkonsum war auch nach Ansicht der Kantonspolizei das grösste Problem. Teilweise hätten sich die Betroffenen kaum mehr auf den Beinen halten können. Dutzende hätten in der zweiten Nachthälfte überall auf den Böden des Hauptbahnhofes geschlafen und auf ihre Züge gewartet, heisst es weiter.

Weniger falsches Ecstasy im Umlauf

Alexander Bücheli von der Jugendberatung Streetwork zieht eine positive Bilanz. 65 Personen haben das Angebot genutzt und ihre Drogen analysieren lassen. «Dabei haben wir weniger falsches Ecstasy aufgedeckt als in den Vorjahren», sagt Bücheli. An Massenanlässen würden Dealer oft versuchen, Medikamente wie Paracetamol als Drogen zu verkaufen.

35 Prozent der getesteten Ware seien Pillen gewesen, 63 Prozent Pulver, vor allem Kokain und Amphetamin. «Die Intensität des Konsums ist aber kaum mehr vergleichbar mit den Anfängen der Parade», so Bücheli. Heute sei die Street-Parade ein Musikfest mit jungem Publikum und internationaler Ausstrahlung. «Substanz Nummer eins war dementsprechend der Alkohol.» Zum grössten Teil jedoch in vernünftigen Mengen genossen.

950'000 Personen an «Dance for Freedom»

Unter dem Motto «Dance for Freedom» ging gestern die 22. Street-Parade in Zürich über die Bühne. Rund 950'000 Personen vergnügten sich unter beinahe wolkenlosem Himmel bei angenehmen Temperaturen am Musik- und Tanzevent. Gleich viele wie im letzten Jahr.

Zu Techno, House und anderer elektronischer Musik bewegten sich die Menschen – mehr oder weniger elegant – auf der 2,4 Kilometer langen Strecke rund ums Seebecken. Gemäss Organisatoren war Zürich «die Techno-Hauptstadt der Welt».

Erlaubt ist, was gefällt

Die grösste Freiluft-Party der Schweiz begann um 13 Uhr mit dem Warm-up. Kurz nach 14 Uhr setzte sich das erste der 27 Love-Mobiles vom Utoquai Richtung Mythenquai in Bewegung. DJs und Musiker aus dem In- und Ausland standen im Einsatz.

Ein Dresscode war weder unter den Tanzenden noch unter den Zuschauenden zu erkennen. Erlaubt war, was gefiel: Seien dies neonfarbene Netzstrümpfe, Perücken in Pink, überdimensionierte Sonnenbrillen auf den Nasen oder Schwimmringe mit Tierfiguren um den Bauch. Sehr viele erschienen auch in Alltagskleidung.

Nach dem Ende der Gratisparade um Mitternacht feierten Nimmermüde noch in zahlreichen kommerziellen Clubs die ganze Nacht weiter.

(SDA)

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