Vier neue Hochhäuser auf dem Hönggerberg

Die ETH will ihren Campus ausbauen, ohne mehr Fläche zu beanspruchen. Das heisst: in die Höhe wachsen.

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Zürichs Hochschulen sind im Baufieber. Das ist die Konsequenz ihrer Anziehungskraft, übersetzt in Glas, Stahl und Beton. Zu reden gibt dieses Wachstum bisher fast ausschliesslich im besonders exponierten Stadtzentrum, wo sich Widerstand formiert hat. Dabei stehen auch an den anderen Standorten Umwälzungen an. Die Uni hat im Irchel Grosses vor, die ETH am Hönggerberg.

Letztere geht nun mit einem Masterplan an die Öffentlichkeit, wie sie dort bis 2040 ihre «Science City» erweitern will – diese nicht nur topografisch etwas entrückte Zitadelle des Geistes, wo zum Beispiel Architekten mithilfe von Robotern gerade die Grenzen ihres Metiers sprengen. Die Hochschule hat einen Grundsatzentscheid getroffen, der den Ausbau entscheidend prägen würde: Sie will nicht weiter in die Umgebung ausgreifen, sondern das bestehende Geviert komplettieren und in der Vertikalen erweitern. Geplant sind unter anderem vier Türme, von denen zwei bis zu 80 Meter in den Himmel ragen. Mit der Konsequenz, dass der Campus auf dem Sattel zwischen Höngger- und Käferberg die Gipfel um einiges überragen wird.

Jenseits des Hochhausgebiets

ETH-Vizepräsident Ulrich Weidmann weiss, welchen Widerstand solche Gesten in Zürich auslösen können. Besonders, wenn sie derart querstehen zu den Richtlinien des städtischen Hochbau­departementes wie in diesem Fall. Dort heisst es explizit: «Das Hochhaus ist ein Gebäude, das in zentrumsnahe Gebiete und nicht in die Peripherie gehört.» Ausgeschlossen sei es in Gebieten, die durch einen Grünraum vom Stadtgebiet abgetrennt sind – wie am Hönggerberg.

Die ETH kann dort nur wie beabsichtigt bauen, wenn der Zürcher Gemeinderat sowohl die Bau- und Zonenordnung als auch die geltenden Sonderbauvorschriften entsprechend ihren Vorstellungen anpasst. Weidmann versichert daher, dass die Hochhauspläne nicht der Mode geschuldet seien und auch nicht «männlichem Imponiergehabe». Es gehe darum, den Campus nach innen zu verdichten, um den Grünraum rundum zu erhalten. Wenn das gelinge, komme die Hochschule auf lange Sicht ohne einen dritten Standort aus.

Ein Stadtquartier mit Boulevard

Der Gemeinderat soll nebst den Bauhöhen auch das Gesamtvolumen der Bauten auf dem Hönggerberg ausweiten. Im Gegenzug will die ETH ihr 2003 gemachtes Versprechen erfüllen: die seit den Sechzigerjahren flickwerkartig gewachsene Dependance zu einer «Science City» umzubauen, die den Charakter eines belebten Stadtquartiers hat. Einen wichtigen Schritt dahin hat sie vor zwei Jahren getan, als sie ein Wohnheim für über 900 Studierende eröffnete.

Jetzt will sich die Hochschule stärker zu den Nachbarquartieren öffnen. Als weitum sichtbare Eingangsportale sollen beidseits des Sattels Hochhäuser dienen. Jenes gegen Affoltern soll um eine Polyterrasse ergänzt werden, wie man sie aus dem Stadtzentrum kennt. Weil dieser Turm aber höher geplant ist als ­jener Richtung Höngg, gibt es bereits ­Bedenken aus der Nachbarschaft. Die Hauptachse zwischen den beiden Portalen will die ETH zu einem Boulevard entwickeln, der von Cafés, Läden und Ausstellungsräumen gesäumt ist. Sie soll ein Ort werden, wo nicht nur Studierende hingehen – ohne dass allerdings die Zahl der Autofahrten zunimmt. Geplant ist ferner eine dritte Gartenanlage, zusätzlich zu den bestehenden.

Die ETH hat den Ausbau in drei Etappen aufgeteilt. Was sie tatsächlich realisieren würde, hinge von ihrem Raumbedarf ab. Ab kommendem Samstag liegen jetzt aber erst einmal während zweier Monate die Pläne öffentlich auf, damit man Einwendungen machen kann. Mit den ersten Projektwettbewerben geht es frühestens im Jahr 2020 los.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.05.2018, 08:08 Uhr

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