So sehen die Gammelhäuser heute aus

Die früheren Bruchbuden im Zürcher Kreis 4 sind wieder bewohnbar. Die Stadt startet ein soziales Pilotprojekt.

Der Vergleich vorher – nachher ist an der Neufrankengasse frappant. Video: SDA/Tamedia

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Die Bilder der verschmutzten und verwahrlosten Hochhäuser an der Neufrankengasse in der Nähe der Bahnunterführung vom Kreis 4 zum Kreis 5 sind noch in lebhafter Erinnerung. Doch heute deutet nichts mehr auf die beiden Gammelhäuser hin. Im Gegenteil: Die renovierten Liegenschaften und ihre Einzelzimmer sind hell, sauber und funktional eingerichtet, wie bei der Hausführung durch Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) am heutigen Freitag zu sehen war.

Mit den beiden Angeboten «Übergangswohnen für Einzelpersonen und Paare» im Haus Neufrankengasse 14 und «Beaufsichtigte Wohnintegration» im Haus Neufrankengasse 6 erweitert das Sozialdepartement seine Angebotspalette. So ist die Nummer 14 für wohnungs- und obdachlose Einzelpersonen oder Paare ohne Kinder vorgesehen, die grundsätzlich gute Chancen auf eine Reintegration in den freien Wohnungsmarkt haben. Sie können in den total 30 Übergangswohnungen maximal ein Jahr wohnen. In dieser Zeit werden sie von Sozialarbeitern ambulant betreut und auf der Wohnungssuche unterstützt.

Portier rund um die Uhr

Bei der Nummer 6 handelt sich um ein Pilotprojekt mit 44 Appartements. Das Projekt richtet sich an Menschen, die eigentlich Hilfe nötig hätten, sich aber einer Betreuung verweigern. Es sind vor allem Drogensüchtige und Menschen mit starken psychischen Problemen. Hier lautet also die Devise: Beaufsichtigung statt Betreuung. Die Stadt überwacht also primär den Gesundheitszustand der Bewohner und kontrolliert den Zugang zum Haus.

So siehts heute aus:

So gibt es beim Eingang eine Schleuse, wo rund um die Uhr zwei Personen schauen, wer rein- und rausgeht. Die Bewohner geben dort beim Verlassen der Wohnung ihre Zimmerschlüssel ab und erhalten sie wieder beim Heimkommen. Gänge und Eingangsbereich werden mit Video überwacht, um Drogenhandel, Prostitution oder Gewalt zu verhindern. Ein wichtiger Punkt betrifft die Überwachung des Gesundheitszustands der Bewohnerinnen und Bewohner. So kontrolliert das Fachpersonal mit Ausbildung im Bereich Psychiatriepflege oder Soziale Arbeit täglich die Zimmer und achtet auf die Einhaltung minimaler hygienischer Standards.

Quartier wurde miteinbezogen

Laut Golta ist die Quartierverträglichkeit von grosser Bedeutung. Eine «Platzspitz-Konstellation im Kleinen» wie früher werde es nicht mehr geben. Im Gegenteil, mit dem neuen Angebot werde das Quartier entlastet. Die Quartierverantwortlichen seien schon gestern Donnerstag über den Betrieb informiert worden.

So hats in den Häusern einmal ausgesehen:

(Video: Stefan Hohler und Lea Koch)

Um Anliegen der Nachbarschaft schnell und direkt zu diskutieren, sei eine Resonanzgruppe geschaffen worden. Zudem würde man eng mit der Stadtpolizei, SIP Züri und den Notfallpsychiatern zusammenarbeiten.

Der Stadtrat hat die beiden Häuser für über 26 Millionen Franken dem Besitzer abgekauft. Die Sanierung kostete rund sechs Millionen Franken. Das Verfahren der Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Besitzer der Häuser wegen Mietzinswucher ist immer noch hängig.

Erstellt: 12.07.2019, 15:05 Uhr

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