Vom Winde versprüht – das ist das neue Zürcher Wasserspiel

Im Rhythmus der Erde: Das «Aquaretum» beim Hafen Enge ist eingeweiht. Es wurde von Zürich stürmisch erwartet.

So bewegt sich gerade die Erde tief unter Zürich: Das neue Wasserspiel im Hafen Enge nimmt die seismologische Bewegung auf. Video: PD

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Es war, gestern Nachmittag, 14.25 Uhr, als würden der Stadt die Emotionen übergehen. Der See schwappte freudig auf und ab, zur Feier des Tages blinkten die Sturmwarnungen, der Wind spannte die Zürich-Flagge vorne auf den Zürichsee-Schiffen straff in den Himmel. Nur die zwölf Fontänen vor dem Hafen Enge, die liefen auf Halbmast. Noch.

Punkt 14.25 Uhr also stach vom Bürkliplatz das MS Pfannenstiel in den See. Die Mission: Einweihung des «Aquaretums» vor dem Hafen Enge. Ein Auftrag, den die Pfannenstiel vor 21 Jahren bereits einmal und offensichtlich zur Zufriedenheit erfüllt hatte. 1998 wurde das erste Wasserspiel dort eingeweiht, ein Springbrunnen, der ziemlich klassisch Wasser in den Himmel schoss. Es war ein Geschenk der Zürich-Versicherung, die damals ihr 125-Jahr-Jubiläum feierte.

Gestern um 15.01 Uhr wuchs dann zum ersten Mal offiziell das «Aquaretum» vor dem Hafen Enge in den Himmel. Zwölf Strahlen aus zwölf Edelstahlkugeln, bis dreissig Meter hoch.

Referenz an alte Fontäne

Dieses Projekt hat wiederum die Zürich-Versicherung finanziert. Sie war es, die gestern auf die Pfannenstiel lud. Es schien, als stemmten sich die zwölf Fontänen gegen den Wind, etwas, das sie sonst nicht tun werden: Extra für den Anlass musste man den entsprechenden Windsensor ausschalten. Statt reiner Strahlen, bis zum Scheitelpunkt klar, war da vor allem Gischt. Man konnte es lesen als Referenz an den alten Brunnen.

Trotz allem erhielt man auf der Schifffahrt gestern einen Eindruck davon, was dieses Wasserspiel kann: In sich stetig verändernder Choreografie auf- und wieder abbauen, im Rhythmus des Untergrunds tanzen. Das nämlich ist der Kern dieses Kunstwerks, entwickelt von den Fischer Architekten in Zusammenarbeit mit dem Klangkünstler Andres Bosshard: Es zeichnet die seismischen Bewegungen, gemessen im Degenried unterhalb des Dolders, nach.

Die erfassten Daten werden in ihre Einzelteile zerlegt – Geschwindigkeit, Beschleunigung, Weg – und mit je vier Strahlen abgebildet. Für die meiste Bewegung sorgen Stürme auf den Weltmeeren: Die riesigen Wellen sind in Zürich mess- und am «Aquaretum» sichtbar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2019, 11:52 Uhr

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