Von «scheusslich» bis «schön»: Reaktionen auf den Münsterhof

Der umgebaute Platz gibt zu reden. Besonders der Brunnen, aus dem zeitweise Wein fliesst.

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Zürichs Altstadt bekommt mehr Luft. Pünktlich zum Sechseläuten ist der Münsterhof fertig umgebaut. Die Parkplätze sind verschwunden, der Platz ist frisch gepflastert, aus dem neuen Designerbrunnen plätschert Wasser. Rund 8 Millionen hat der Umbau gekostet, den das Stimmvolk vor 13 Jahren in Auftrag gab. Veranstaltungen sind nur an 110 Tagen erlaubt.

Wie reagieren die Zürcherinnen und Zürcher auf «ihren» neuen Münsterhof? Höchst unterschiedlich, wie ein Augenschein vor Ort am Freitagmorgen zeigt. Vor allem die Aufhebung der 55 Parkfelder gibt zu reden. Ein junger Schreiner, der mit Blick auf den Brunnen eine Zigarettenpause einlegt, sagt: «In der Stadt gibt es immer weniger Parkplätze, obwohl es immer mehr Autos gibt.» Diese Entwicklung bedaure er.

Eine gepflegte Dame, die mit vollen Einkaufstaschen aus dem Haushaltsgeschäft Sibler kommt, ist derselben Meinung. «Die Parkplätze fehlen uns, die Läden in der Altstadt verlieren deswegen Kundschaft.» Von Politikern, die Parkplätze abschaffen, halte sie gar nichts. Den Brunnen findet die Frau «scheusslich».

«Weniger Autos, das finde ich schön»

Den Angestellten im Edeltaschengeschäft MCM, deren Aussicht nun nicht mehr auf Autos, sondern auf die Sitzbänke am nördlichen Rand des Platzes geht, gefällt der neue Platz. «Jetzt kannst du gemütlich in der Sonne sitzen, ohne dass dich Autos stressen», sagt eine der Verkäuferinnen. Auch ihre zweijährige Tochter habe riesige Freude. Eine Zürcherin, die in Berlin lebt und ihre Heimatstadt als Besucherin erlebt, lobt die freie Fläche. «Weniger Autos, das finde ich schön.» Allerdings vermisst sie Bäume oder andere Pflanzen.

Der moderne Brunnen ist der Blickfang des Platzes. Die Zürcher Architekten Romero und Schaefle haben ihn entworfen, gut eine halbe Million Franken kostete das Objekt, dessen auffälligstes Merkmal ein fein geschwungener Zulauf aus Bronze ist. Zeitweise fliesst aus dem Brunnen Wein (siehe Kasten).

Der Brunnen ist auch ein Raumteiler. Dahinter, in der Ecke Richtung Paradeplatz, dürfen vier bestehende Gastrobetriebe auf rund 200 Sitzplätzen bis 22 Uhr im Freien wirtschaften. Im Restaurant Münsterhof beginnt die Strassencafé-Saison bereits heute. Trotz Regen stehen zwei Angestellte draussen und arrangieren die mintgrünen Stühle um den Brunnen. Wenn es aufhellt, will man bereit sein für die ersten Gäste. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.04.2016, 13:55 Uhr

Wie im Schlaraffenland

Der Weinbrunnen auf dem Münsterhof

Nicht nur Wasser, sondern auch Wein soll aus dem neuen Brunnen fliessen – so berichtet heute die NZZ. Die Zünfte zur Meisen und zur Waag hätten die Idee gehabt, in den kleinen Trinkbrunnen neben dem Hauptbecken eine Vorrichtung einzubauen, die mit wenigen Handgriffen den Ausschank von Wein ermögliche. Die grüne Tiefbauvorsteherin Ruth Genner sei einst gegen das Projekt gewesen, da es im Widerspruch zur Alkoholprävention stehe, weiss die NZZ. Genners Nachfolger, FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger, genehmigte den Weinbrunnen.

Der Weinausschank ist streng geregelt. Laut dem provisorischen Betriebsreglement ist der Zunftwirt zur Waag dafür verantwortlich. Ein spezieller Brunnenwart wird sich um die Hygiene kümmern. Eine Schutzschale aus Kupfer ist bereits angeschafft. Die Einweihung am kommenden Montag ist geladenen Gästen vorbehalten, Filippo Leutenegger ist Ehrengast bei der Zunft zur Waag.

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