«Vor dem Turnier war er entspannt wie ein tibetanischer Mönch»

Schauspieler Beat Schlatter ist mit dem Schwingerkönig befreundet. Er erzählt, wo Christian Stucki eine Woche vor dem Eidgenössischen war.

Ungleiches Paar: «Chrigel» Stucki und Beat Schlatter an einem Schwingfest. Archivbild: PD

Ungleiches Paar: «Chrigel» Stucki und Beat Schlatter an einem Schwingfest. Archivbild: PD

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Herr Schlatter, Sie kennen Christian Stucki gut. Wie ist er?
«Chrigel» ist ein sympathischer Typ, zurückhaltend und ruhig. Ich habe ihn vor neun Jahren in Tokio kennen gelernt, wo er während einer Woche bei den Sumo-Ringern trainierte. Das Training in der Schweiz war ihm zu wenig, er wollte noch härter kämpfen und hatte deshalb Sumo-Kämpfer als Gegner. Wir drehten damals den Dokumentarfilm «Hosenlupf» über das Schwingen und machten deshalb auch in Japan Aufnahmen mit Stucki. Der Film hat mit Respekt den Schweizer Nationalsport gezeigt – augenzwinkernd, aber sich nicht darüber lustig machend.

«Ich habe ihn vor neun Jahren
 in Tokio kennen gelernt,
 wo er während einer Woche
 bei den Sumo-Ringern trainierte.»

Und seitdem dauert die Freundschaft mit Stucki an?
Ja, er war am Samstag vor dem Turnier am Geburtstag meiner Frau – es war eine grosse Party, an der sich vorwiegend bildende Künstler aufhielten. Eine Künstlerin, die mit ihrem Sohn nach den Ferien direkt ans Fest kam, hat mir erzählt, sie seien zuvor in Italien gewesen und hätten viele Sehenswürdigkeiten angesehen. Am Montag musste er in der Schule einen Aufsatz über die schönsten Ferienerlebnisse schreiben. Und was hat er berichtet? Dass er Christian Stucki kennengelernt hat.

War Stucki eine Woche vor dem Grossereignis nervös?
Ich habe mit ihm an dem Abend Schinken und Zopf gegessen. Er war unmittelbar vor dem Turnier so entspannt wie ein tibetanischer Mönch – was mich etwas beunruhigt hat. Dass «Chrigel» jetzt mit 34 Jahren den Titel erkämpft hat, freut mich total. Er macht den Jüngeren damit Mut, dass sie noch lange mitschwingen können.

Stucki hat auch noch in einem zweiten Film mit Ihnen mitgespielt, im «Flitzer». Wie kam es dazu?
Regisseur Peter Luisi hat mich gefragt, ob der 1,98 Meter grosse und 140 Kilo schwere Schwinger nicht als Bauarbeiter kurz auftreten könnte. Da Stucki aber gerade an den Vorbereitungen für das Schwingerfest in Estavayer 2016 trainierte und ich ihn nicht stören wollte, habe ich seine Frau angerufen und sie gefragt, ob er wohl eine Rolle übernehmen würde. Darauf hat sie lachend geantwortet: ‹Geben Sie ihm eine Rolle, bei der er nicht reden muss, dann ist er am besten.› Er hat dann eine Rolle gekriegt, in der er als Arbeiter nur stumm auf der Baustelle herumsteht, aber mit seiner sympathischen Art sehr gut rüberkommt.

«Seine Frau sagte lachend: ‹Geben Sie ihm eine Rolle, bei der er nicht reden muss, dann ist er am besten.›»

Wie wars am Eidgenössischen?
Leider war ich nicht dabei. Ich hatte ein gutes Billett in der vordersten Reihe, musste es aber wieder abgeben. Denn am Sonntag hatte ich zeitgleich im Radio SRF 1 eine Radio-Bingo-Show. Man konnte in der Sendung soviel Rindfleisch gewinnen, wie Stucki von den Kampfrichtern Punkte bekam. Eine Frau aus Sursee gewann wegen Stuckis Glanzresultat bei uns einen halben Muni. Unser Muni war einfach anders verpackt. Rückblickend ist es natürlich schade, dass ich den Titel von Stucki nicht vor Ort feiern konnte. Aber wir werden ihn im kleinen Rahmen nachfeiern, wenn der Rummel um seine Person etwas nachgelassen hat.

Beat Schlatter als Schwinger im Film «Hosenlupf»

Sie selber sind ja auch Schwinger, wie kam es dazu?
Beim erwähnten Film «Hosenlupf» suchte Regisseur This Lüscher einen Laien, der selber in die Hosen steigt, und ist auf mich gekommen. Ich habe ein Jahr lang dreimal in der Woche geübt – im Schwingkeller bei der Seilbahn Rigiblick. Ziel war ein echter Kampf zwischen einem 50-jährigen Städter und einem 16-jährigen Jungschwinger.

«Ich habe ein Jahr lang
 dreimal in der Woche geübt –
im Schwingkeller
  bei der Seilbahn Rigiblick.»

Und wie ging der Kampf aus?
Der Junge hat mich innerhalb einer Minute und zehn Sekunden auf den Rücken gelegt. Ich hatte keine Chance.

Erstellt: 26.08.2019, 16:14 Uhr

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