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Eine Schwebebrücke vom Hauptbahnhof zum Central

Kühne Pläne zur Erschliessung des Zürcher Univiertels: Eine Brücke in sechs Meter Höhe soll vom HB zum Central führen, so ein Vorschlag.

Das Vorbild: Die Fussgängerbrücke von Architekt Calatrava in Bilbao.
Das Vorbild: Die Fussgängerbrücke von Architekt Calatrava in Bilbao.
Lonely Planet, Getty Images

Unkonventionelle Ideen zur Lösung von Verkehrsproblemen waren bisher ein Steckenpferd von Tiefbauvorsteher Filippo Leutenegger. Der FDP-Stadtrat schlug etwa Rolltreppen und Förderbänder vom Central und Bellevue zur Universität vor oder einen «Velobalkon» an der Rämistrasse.

Doch jetzt erhält er in Sachen Verkehrsvisionen Konkurrenz. Und zwar von der SP. Deren langjähriger Gemeinderat und Verkehrspolitiker Hans Jörg Käppeli, Vorstandsmitglied beim Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), hat die Idee einer Fussgängerbrücke lanciert, die von der Haupthalle des Zürcher Hauptbahnhofs in rund sechs Meter Höhe über Bahnhofquai und Bahnhofbrücke bis zum Central führen soll.

«Ein kreativer Denkansatz für die bessere Erschliessung des Hochschulgebietes», begründet Käppeli seine Idee, für die er bereits Pläne erstellt hat. Die im Univiertel geplanten Ausbauten funktionierten nur mit einer verbesserten Erschliessung auch für Fussgänger. Doch in den bisherigen Planungen werde nur der Abschnitt vom Central zur ETH und zur Uni angedacht, wo eine Freitreppe zur Diskussion steht. Für die Verbindung vom HB zum Central fehlten Ideen, so Käppeli.

«Eine Zumutung»

Das will der Bauingenieur ändern. «Es braucht dort eine attraktivere Fussgängerverbindung.» Der heutige Hürdenlauf über Randsteine, Tramgleise und Autofahrspuren sei «eine Zumutung». Zudem werde der Weg für Fussgänger durch haltende Trams verstellt. Abhilfe schaffen könnte eine Fussgängerbrücke hoch über der Strassenfläche, ist Käppeli überzeugt. Eine solche Verbindung müsste «eine luftige Sache» sein und wohl mit einem Wettbewerb gefunden werden.

Sein Vorbild ist die geschwungene Fussgängerbrücke Zubizuri in Bilbao, eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt im Baskenland, die der Stararchitekt Santiago Calatrava Mitte der 90er-Jahre gebaut hat. Im Gegensatz zum gescheiterten Projekt für den Negrellisteg über das Gleisfeld beim HB gäbe es auch genügend Standorte für schlanke Stützen. Was Käppeli keinesfalls will: eine schwere «Spinne» wie jene über dem Bucheggplatz. Die sei zudem viel zu schmal für einen «intensiv genutzten Boulevard».

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Beim Central müsste die Brücke über der Stützmauer an die Strasse «Auf der Mauer» anschliessen. So könnten Passanten ebenen Weges unter dem Polybähnli hindurch die Freitreppe zur Uni und ETH erreichen. Auf der HB-Seite könnte man an den Osttrakt des Gebäudes anschliessen. «Der Denkmalschutz ist kein Verbot für eine bauliche Ergänzung», gibt sich Käppeli zuversichtlich. Um auf das Niveau der HB-Haupthalle zu kommen, schlägt er eine «bequeme breite Treppe vor, eine Art Bühne, um sehen und gesehen zu werden». Selbstverständlich soll die neue Fussgängerverbindung behindertengerecht sein und über weitere Zugänge verfügen, etwa zum Bahnhofquai, zum Limmatufer oder zum Papierwerdareal, das neu genutzt werden soll.

Die Kosten für die Brücke schätzt der SP-Gemeinderat auf einen «hohen zweistelligen Millionenbetrag». Dabei gelte es allerdings zu berücksichtigen, dass alle Projekte um den HB, die in den nächsten 20 Jahren umgesetzt werden sollen, Hunderte von Millionen kosten werden. Alles nur ein Wahlkampfgag? Käppeli wehrt sich: «Ich leugne nicht, dass ich ein engagierter Gemeinderat bin und mich der Wiederwahl stelle.» Aber: Es brauche innovative Vorschläge zur besseren Erschliessung des Hochschulviertels - und vielleicht auch mal eine Provokation, damit überhaupt etwas passiert.

Leutenegger: «Interessante Idee»

Und was hält Filippo Leutenegger von den Plänen? «Ich finde das eine interessante Idee, ich werde sie mit meinen Leuten anschauen», sagt er. Jeder Lösungsansatz, der zur Entspannung in diesem immer intensiver genutzten Raum beitragen kann, sei willkommen. Die Stadt prüfe verschiedenste Möglichkeiten, das Hochschulquartier besser mit dem HB, Central und Stadelhofen zu verbinden.

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