Links-Grün drückt – Bürgerliche sprechen von «Machtrausch»

SP, Grüne und AL wollen Grundeigentümern am See und in der Brunau strengere Vorschriften machen – gegen den Willen des eigenen Stadtrats.

Die Wiese beim GZ Wollishofen: Quartiervertreter und links-grüne Politikerinnen sehen sie durch «Luxuswohnungen» bedroht.

Die Wiese beim GZ Wollishofen: Quartiervertreter und links-grüne Politikerinnen sehen sie durch «Luxuswohnungen» bedroht. Bild: Samuel Schalch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In einem «Machtrausch» befinde sich die links-grüne Mehrheit, schimpften bürgerliche Redner gestern im Gemeinderat. SP, Grüne und AL verwandelten Zürich zu einer «Bananenrepublik». Das würde selbst der links-grüne Stadtrat eingestehen.

Tatsächlich wandte sich der Stadtrat gegen zwei Motionen der eigenen Parteien. Diese würden rechtlich Unmögliches fordern, so die Begründung. SP, Grüne und AL überwiesen die Vorstösse trotzdem – mit ihrer Mehrheit von fast zwei Dritteln. Beide betreffen ein zentrales Wahlversprechen der Linken: mehr günstige Wohnungen.

Sorge um die Sonne

Auslöser des ersten Vorstosses ist die Franz AG. Sie will anstelle einer Autogarage einen siebenstöckigen Block mit 68 Wohnungen bauen. Dieserwürde direkt neben der beliebten Liegewiese beim Gemeinschaftszentrum Wollishofen stehen. Daher passt das Projekt vielen Quartierbewohnern nicht. Sie befürchten, dass der Neubau die Wiese am See beschattet. Und dass neue, reichere Anwohner mit Lärmklagen das Leben darauf einschränken könnten. Eine Gegenpetition erhielt im Quartier über 3000 Unterschriften.

Nur kann der Gemeinderat nichts mehr unternehmen gegen die Pläne der Franz AG. Das Baugesuch ist schon eingereicht.

Um aber einen ähnlichen Fall zu verhindern, nimmt die Linke das Kibag-Areal ins Visier. Es liegt gleich daneben, zwischen GZ und Roter Fabrik. Die Kibag plane dort Villen mit Seeanstoss, sagte Mitmotionärin Gabriele Kisker (Grüne). Der Staat habe den Boden der Firma einst günstig überlassen, um Kies von Schiffen abzuladen. Mit einer Umnutzung verdiente die Kibag viel Geld, ohne dass die Öffentlichkeit daran teilhabe. Das dürfe nicht sein. Stattdessen müsse ein Teil des Areals zum öffentlichen Erholungsraum werden, im hinteren Teil könnten günstige Wohnungen entstehen. Beides soll die Stadt durchsetzen.

Gehe nicht, sagte Hochbauvorsteher André Odermatt. Mit einer Motion könne man eine solche Gebietsplanung gar nicht verlangen. Der Gemeinderat habe zudem 2008 Sonderbauschriften beschlossen für das Areal, diese könne er nicht so schnell wieder ändern. «Wir teilen aber das Grundanliegen und befinden uns im Gespräch mit der Kibag.» Die Bürgerlichen bezeichneten den Vorstoss als unhaltbar.

Umkämpfter Brunaupark

Bei der zweiten Motion geht es um die Siedlung Brunaupark in Wiedikon. Diese möchte die Pensionskasse der Credit Suisse durch Neubauten ersetzen, die Mieten würden steigen. Bereits hat die CS vielen Bewohnerinnen gekündigt, was Proteste auslöste. SP, Grüne und AL möchten dieses Projekt verhindern, indem sie das Areal unter Gestaltungsplanpflicht stellen. Über einen Gestaltungsplan könnte die Politik mehr Wünsche anbringen als heute. Aus Sicht des Stadtrats bestehe dafür jedoch ein zu geringes öffentliches Interesse, sagte Odermatt. Die Redner der Linken bestritten das.

FDP und SVP warfen Links-Grün vor, mit unmöglichen Forderungen neue Wohnungen zu verhindern. Odermatt sagte, dass die Umsetzung der beiden Motionen zu langjährigen Rechtsstreitigkeiten führen werde. Damit rechnen selbst die Befürworter: Manchmal müsse man die Gerichte anfragen, um herauszufinden, wer recht habe.

Erstellt: 26.06.2019, 22:13 Uhr

Artikel zum Thema

Jetzt kommt die Volksinitiative gegen Bauprojekte am Zürichsee

Erst die Seilbahn, nun die Grossüberbauung. Einer Gruppe von Wollishofern reichts. Sie will das Seebecken frei halten. Mehr...

Drei Rekurse gegen ZKB-Gondeln über den Zürichsee

Die Rekursfrist gegen das Seilbahnprojekt der Zürcher Kantonalbank ist abgelaufen. Zwei Verbände und eine Gruppe von Privatpersonen haben rekurriert. Mehr...

Wollishofen kämpft für einen freien Seezugang

Der Bau von 68 Luxuswohnungen und einer Villa in Ufernähe könnte künftig den Zugang zum See erschweren. Quartierbewohner und Grüne wehren sich dagegen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...