Vulgär? Ja. Gespuckt? Nein

In Zürich hat ein Lehrling sein Auto auf dem Trottoir parkiert. Eine Mutter reklamierte – dann eskalierte der Streit.

Auf der rechten Seite der Universitätstrasse parkierte der Lehrling sein Auto auf dem Trottoir. (Bild: Google Maps)

Auf der rechten Seite der Universitätstrasse parkierte der Lehrling sein Auto auf dem Trottoir. (Bild: Google Maps)

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Eigentlich ist es eine alltägliche Szene: Ein Autofahrer parkiert seinen Wagen auf dem Trottoir, um kurz auf eine Person zu warten, die Fussgänger müssen ausweichen. Was in den meisten Fällen bei einem verärgerten Kopfschütteln bleibt, eskalierte im vergangenen Sommer zu einem Streit mit einem juristischen Nachspiel, der heute Montag vor dem Bezirksgericht Zürich verhandelt wurde.

Ein damals 20-jähriger Sanitärinstallateur parkierte an einem Nachmittag im Juni sein Auto auf dem Trottoir der Universitätstrasse, weil sein Bruder aus dem Hotel der gegenüberliegenden Strassenseite etwas abholen musste. Laut Anklageschrift liess der Beschuldigte den Wagen mehr als eine Minute lang stehen, während die Fussgänger einen Umweg über die Strasse nehmen mussten. Eine Mutter mit ihren beiden kleinen Kindern mit Velos fand das Verhalten des Autofahrers nicht gerade toll, machte ihn auf das Parkverbot aufmerksam und fotografierte auch gleich das Auto. Das wiederum fand der Autofahrer gemäss Anklageschrift nicht so toll, es kam zum Streit zwischen ihm und der Mutter, wobei er sie als «blöde Kuh» und «Schlampe» tituliert und dann auch noch angespuckt habe.

Zweimal vorbestraft

Zwei Tage später zeigte die Frau den jungen Mann an, welcher sich vor dem Bezirksgericht wegen Verletzung der Verkehrsregeln und Beschimpfung verantworten musste. Der Staatsanwalt verlangte eine bedingte Geldstrafe sowie eine Busse von 100 Franken. Der Beschuldigte ist kein unbeschriebenes Blatt: Er hat zwei Vorstrafen wegen illegalen Waffenbesitzes sowie wegen Landfriedensbruchs und Gewalt und Drohung gegen Beamte. Zudem soll der junge Mann für die Untersuchungskosten in der Höhe von 1600 Franken aufkommen. Auf den Widerruf einer Vorstrafe verzichtete der Staatsanwalt aber.

Am Prozess bestritt der Sanitärinstallateur, die Frau beleidigt und angespuckt zu haben. «Die Frau hat mich fotografiert, deshalb fragte ich sie, ob sie nichts Besseres zu tun habe, und sie solle sich verpissen», sagte er. Es sei schon vulgär gewesen, gibt er selber zu. Dass er nicht lange nach einem Parkplatz gesucht habe und auf dem Trottoir anhielt, begründete der Beschuldigte mit einem Streit, den er auf der Hinfahrt mit seinem Bruder hatte. Er habe kurz durchatmen müssen, sonst wäre eine Weiterfahrt nicht sicher gewesen. Damit wollte der Autofahrer sein Verhalten auch schon in einem Mail an die Polizei rechtfertigen, wie der Richter hervorhob.

Teures Falschparkieren auf Trottoir

Nach kurzer Beratung sprach der Richter den Mann nur wegen des Falschparkierens schuldig, im Falle der Beleidigung und der Spuckattacke kam er zu einem Freispruch. «In dubio pro reo», wie der Richter betonte, also im Zweifel für den Angeklagten. Es habe sich um ein Vieraugendelikt gehandelt, beide Aussagen seien überzeugend und widerspruchsfrei gewesen. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Frau sich auch vor dem Gericht geäussert hätte, sie weilt aber zurzeit im Ausland.

Das Falschparkieren kommt den Beschuldigten teuer zu stehen: Nebst einer Busse von 300 Franken muss er auch die Gerichtskosten von einigen Hundert Franken zahlen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.02.2019, 13:47 Uhr

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