Vergebliches Warten auf Thiam

Klimaaktivisten wollen die Banken mit einer schwarzen Liste unter Druck setzen. Sie versammelten sich auf dem Paradeplatz, um dem CS-Chef einen Forderungskatalog zu übergeben.

Warten auf die Übergabe der Forderungen: Vertreter der Klimastreikbewegung vor dem Hauptsitz der Credit Suisse.
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Mehr Klimafreundlichkeit und Transparenz bei den Finanzflüssen: Diese Forderungen stellt die Schweizer Klimastreikbewegung in zwei offenen Briefen an die Schweizer Finanzinstitute und ans Parlament. Vor zwei Monaten haben die Aktivisten online eine Unterschriftensammlung für die Briefe lanciert, 10’800 Personen haben sie seither unterzeichnet – und es werden laufend mehr.

Heute Dienstag um 11 Uhr sollte stellvertretend für die Schweizer Banken ein Brief am Zürcher Paradeplatz der Geschäftsleitung der Credit Suisse übergeben werden. Das Schreiben war an CS-Chef Tidjane Cheick Thiam und Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Bank, gerichtet. Ein gutes Dutzend Aktivisten hofften allerdings bis am Mittag vergeblich darauf, ihre Forderungen persönlich überreichen zu können.

Gesprächsbereit bleiben

Die Credit Suisse liess bereits im Vorfeld ausrichten, sie werde den Brief nicht entgegennehmen. Um eine weitere Blockade des Hauptgebäudes zu vermeiden – im Juli versperrten rund 70 Umweltaktivisten die Eingänge zur Bank –, waren Sicherheitsleute vor Ort.

Sie mussten allerdings nicht einschreiten. Die Aktion verlief friedlich. «Wir wollen gesprächsbereit bleiben und keine illegalen Aktionen durchführen», sagt Klimaaktivistin Stephanie Wyss. Klare Worte findet sie trotzdem, als sie zum Megafon greift, um sich Gehör zu verschaffen. Thiam und Rohner sei die Klimaerwärmung nicht nur egal, sie würden damit auch noch Profit machen, sagt die 22-Jährige. «Wenn sie unseren Forderungen nicht gerecht werden, landen sie auf unserer schwarzen Liste.» Mit ihrem Auftritt konnte sie immerhin bei den Passanten für Aufmerksamkeit sorgen und einigen von ihnen im Gespräch ihre Haltung vermitteln.

Forderung aus Pariser Klimaabkommen

Die Klimastreikenden stützen ihre Forderung auf Artikel 2c des Pariser Klimaabkommens. Dieser verlangt, Finanzflüsse müssten in Einklang gebracht werden «mit einem Weg zu tiefen Treibhausgasemissionen und klimaresistenter Entwicklung». Auch die Politik stehe in der Pflicht, denn es gebe derzeit keine klaren Vorschriften und Standards bezüglich nachhaltigen Investitionen und Finanzierungen in der Schweiz.

Konkret sollen die direkten und vor allem die indirekten Treibhausgasemissionen des Schweizer Finanzplatzes bis 2030 auf null sinken. Deshalb sollen ab sofort keine neuen Investitionen und Kredite an Projekte oder Unternehmen fliessen, die in Geschäften mit fossilen Energien aktiv sind. Zudem sollen die bereits getätigten Investitionen zurückgefahren werden – und zwar so, dass die dadurch verursachten Treibhausgasemissionen zwischen Januar 2020 und Januar 2024 um mindestens 13 Prozent pro Jahr sinken und danach um mindestens 8 Prozent pro Jahr, wie die Klimaaktivisten schreiben.

Schwarze und grüne Liste

Finanzinstitute, die nicht glaubhaft darlegen können, dass sie dieses Ziel verfolgen, werden von Klimastreik Schweiz ab sofort auf eine schwarze Liste gesetzt. Jene, die sich öffentlich zu den Forderungen bekennen, bekommen einen Platz auf der grünen Liste. Am 1. März 2020 will die Organisation diese Listen veröffentlichen, «damit sich Interessierte bei ihrer Bank- oder Versicherungswahl daran orientieren können».

Erstellt: 26.11.2019, 11:04 Uhr

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