Warum das Kind in der Badi «in Griffnähe» bleiben sollte

Wann darf ein Kind allein in die Badi? Und ist der Bademeister für die Aufsicht der Kleinen verantwortlich? Das sind die Regeln in Zürich.

Auch in der Badi: Die Verantwortung für kleine Wasserratten liegt bei den Eltern.

Auch in der Badi: Die Verantwortung für kleine Wasserratten liegt bei den Eltern. Bild: Keystone

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Die Sonne scheint, die Luft ist feuchtheiss, die Badi lockt – endlich einmal ein wenig abtauchen und entspannen. Der Bademeister schaut ja auf die Kleinen. Wer mit diesem Gedanken eine Zürcher Badi ansteuert, macht einen fatalen Fehler: Die Verantwortung für die Kinder liegt bei den Eltern, selbst wenn das Schwimmbecken von einem Bademeister kontrolliert wird.

Das gilt nicht nur für tiefe Wasser, sondern auch für Nichtschwimmerbecken, wo selbst Kinder noch im Wasser stehen können, und ganz besonders auch für Planschbecken. Gerade Kleinkinder sollten sich konstant im Blickfeld der erwachsenen Aufsichtsperson befinden. Am besten sogar in deren «Griffnähe», denn sie können bereits bei geringer Wassertiefe in weniger als 20 Sekunden ertrinken – und das meist lautlos, warnt die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG).

Keine lückenlose Überwachung möglich

Der Verband Hallen- und Freibäder (VHF) hat in seiner Norm über die Aufsicht in öffentlichen Bädern dem Thema ein eigenes Kapitel gewidmet. «Die mit der Aufsicht betrauten Personen eines öffentlichen Bades vermögen die lückenlose Überwachung von Kindern, die nicht schwimmen können, nicht zu gewährleisten. Die Erziehungspflichtigen haben daher Sorge zu tragen, dass solche Kinder öffentliche Bäder nur in Begleitung Erwachsener besuchen», heisst es dort.

Ein Bademeister, Hunderte Badibesucher: Eine lückenlose Überwachung ist nicht möglich. (Bild: TA)

Der VHF rät auch dazu, Kinder frühestens ab 8 Jahren ohne Begleitung in Badis gehen zu lassen. Es ist den Betreibern der Frei- und Hallenbäder aber selbst überlassen, eine Limite festzusetzen. Ein Gesetz gibt es nicht. Je nach Anlage könne die Altersgrenze auch weiter nach oben geschraubt werden, sagte VHF-Präsident Thomas Reutener dem «Zürcher Unterländer».

Allein in die Badi erst mit 10 Jahren

In der Stadt Zürich ist es Kindern beispielsweise erst ab dem 10. Lebensjahr erlaubt, ohne Aufsichtsperson in die städtischen Badis zu gehen. Ausserdem dürfen Personen, die nicht schwimmen können, gemäss Zürcher Badeordnung nicht in den Schwimmerbereich. «Dies gilt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermassen», betont Manuela Schläpfer vom Zürcher Sportamt. Für sie bieten die meisten Zürcher Bäder Nichtschwimmerbereiche an.

Damit alle Zürcher Schulkinder schwimmen lernen, besuchen sie von der 1. bis zur 4. Klasse einmal pro Woche den obligatorischen Schwimmunterricht. Zum Abschluss erhalten sie ihr persönliches Schwimmheft, in dem festgehalten ist, welche Lernziele erreicht wurden und über welche Schwimmkompetenzen die Kinder verfügen.

Wasser-Sicherheitscheck für Schulkinder

Im Verlauf dieses Unterrichts absolvieren die Schülerinnen und Schüler auch einen sogenannten Wasser-Sicherheitscheck. Bei diesem Test, der von der kanadischen Lifesaving Society unter dem Namen «swim to survive» entwickelt wurde, müssen sich die Kinder nach einem plötzlichen Sturz ins Wasser selbst an den Beckenrand oder ans Ufer retten können.

Haben sie den Test bestanden, bekommen sie einen Ausweis. Dieser hat laut Schläpfer zwar keinen Einfluss auf den Zugang zu den Zürcher Badis. Er attestiert aber, dass das Kind über genügend Kompetenzen verfügt, um ins tiefe Wasser zu dürfen. Doch selbst dann darf die Aufsichtspflicht nicht an das Personal der Badis delegiert werden. «Das Personal beaufsichtigt den Schwimmbetrieb und greift bei Notfällen ein», sagt Schläpfer.

Das Sportamt gibt Eltern die Empfehlung ab, ein für das Kind geeignetes Bad zu wählen und es in jedem Fall stets zu beaufsichtigen. Wichtig sei auch, dass man die Kinder über die Regeln in einer Badi informiere und klare Abmachungen mit ihnen treffe, was sie dürfen und was nicht, sagt Schläpfer. Mit Schwimmhilfen und aufblasbaren Spielsachen sollen Kinder beispielsweise nicht ins tiefe Wasser, weil diese Gegenstände lediglich Sicherheit vortäuschen, aber nicht vor dem Ertrinken schützen.


Tipps der SLRG für Eltern von 1- bis 4-Jährigen

  • Behalten Sie Ihr Kind stets im Auge. Wollen Sie sich entspannen, sprechen Sie sich mit einer anderen Aufsichtsperson ab, wer auf die Kinder aufpasst.

  • Frühzeitiges Schwimmenlernen ist eine ideale Vorbeugung gegen gefährliche Situationen. Die Wassergewöhnung gelingt am besten im Spiel, unter Anleitung und Aufsicht.

  • Ist Ihr Kind unauffindbar, suchen Sie zuerst an Orten mit Wasser. Sollte Ihr Kind ins Wasser gefallen sein, so ist die Zeit für Hilfe äusserst knapp (nur einige Minuten).

  • Schon eine Wassertiefe von einigen Zentimetern kann für ein Kleinkind gefährlich sein. Geraten kleine Kinder mit dem Kopf unter Wasser, schreien oder zappeln sie nicht. Sie bleiben still und reglos im Wasser liegen und könnten so ertrinken.

  • Achten Sie darauf, dass ein Biotop oder ein privates Schwimmbecken durch geeignete Massnahmen von Kleinkindern geschützt ist, beispielsweise durch einen Zaun. Die Zugangstür sollte sich von selbst wieder schliessen und das Schloss einschnappen.

Die SLRG bietet Kurse zum richtigen Verhalten in einer Notsituation im und am Wasser an. Hier finden Sie die Übersicht über die nächsten Kurse und weitere Informationen.

Erstellt: 09.08.2019, 10:50 Uhr

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