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Warum das neue Hardturmstadion teurer ist als vergleichbare Arenen

230 Millionen kostet das neue Stadion – 80 Millionen mehr als erwartet. Zürich muss immer teurer bauen als die anderen, sagen Kritiker. Eine Studie der Stadt zeigt aber, dass nicht alle Stadionbauer gleich rechnen.

In den 230 Millionen Franken fürs 19'500 Zuschauer fassende Stadion sind alle Landkosten, Reserven, Umgebungsarbeiten, Zinsen, Ausstattungen etc. inbegriffen.
In den 230 Millionen Franken fürs 19'500 Zuschauer fassende Stadion sind alle Landkosten, Reserven, Umgebungsarbeiten, Zinsen, Ausstattungen etc. inbegriffen.
PD
Nicht so in Luzern, wo das Stadion mit 18'000 Plätzen 80 Millionen kostete und der Betrieb durch die beiden Wohntürme der Credit Suisse quersubventioniert wird.
Nicht so in Luzern, wo das Stadion mit 18'000 Plätzen 80 Millionen kostete und der Betrieb durch die beiden Wohntürme der Credit Suisse quersubventioniert wird.
PD
In Zürich kostet die das Gebäude allein «nur» 85 Millionen.
In Zürich kostet die das Gebäude allein «nur» 85 Millionen.
PD
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Dass das noch namenlose Zürcher Fussballstadion 230 Millionen Franken kosten soll, obwohl stets von 150 Millionen die Rede war, ist vielen in den falschen Hals geraten. Da nützen auch alle Erklärungen von Stadtrat André Odermatt (SP) von gestern Mittwoch nichts. Der Hochbauvorstand betonte, dass die «Zielkosten» immer noch bei 150 Millionen liegen. Die Mehrkosten von 80 Millionen beständen aus 30 Millionen Reserve, 44 Millionen fürs (bereits finanzierte) Land und aus Abbruchkosten und der Altlastensanierung.

Viele verstehen nicht, weshalb vergleichbare Stadien im In- und Ausland deutlich weniger kosten als das Zürcher Vorhaben. Der Ausdruck Luxusbau macht bereits die Runde. Um sich gegen solche Vorwürfe zu wehren, hat Odermatts Hochbaudepartement vorsorglich eine Vergleichsstudie anfertigen lassen. Der Verfasser biss bei seinen Recherchen allerdings meist auf Granit. Die Schweizer Stadionbauer – stets Private – haben ihre Kostenmodelle nicht offengelegt.

Gebäude kostet «nur» 85 Millionen

Am ehesten ist ein Vergleich mit dem ähnlich grossen neuen Stadion in Luzern möglich, das 80 Millionen kostete. Das neue Hardturmstadion sei nur «scheinbar fast doppelt so teuer», heisst es im Bericht, der mit «Äpfel und Birnen: Vergleiche setzen Vergleichbares voraus» betitelt ist. Tatsächlich betreffen in der Aufstellung der Stadt Zürich nur 85,1 Millionen oder 57 Prozent der Zielkosten das Stadiongebäude an sich.

Im Unterschied zu Zürich sind in Luzern zusätzliche Bauten und Leistungen nicht eingerechnet. So etwa 20 Millionen für eine Tiefgarage, 12 Millionen für die Ausstattung und Betriebseinrichtungen. Auch sind die Quersubventionierung durch die Wohntürme neben der Swissporarena (6 Millionen) sowie die 12 Millionen Baunebenkosten, Zinsen und Bauherrenleistungen in der Luzerner Summe nicht drin.

Fehlende Mantelnutzung

Speziell in Zürich ist, dass man nach dem Fiasko mit dem Pentagon-Projekt der Credit Suisse Mantelnutzungen zum Tabuthema erklärt hat. Deshalb wird hier alles vom Staat bezahlt. In Basel, Bern, St. Gallen, Luzern oder Schaffhausen haben private Investoren die Arenen gebaut und beziehen nun über Shoppingzentren, Altersheime und polysportive Nutzungen ihre Renditen.

Aus Sicht der Stadt ist klar, dass man am Standort Hardturm, an dem man sich schon einmal die Finger verbrannt hat, potenzielle Privatinvestoren aussen vor lässt. Die Initiative müsste nun aus der Politik kommen. Tatsächlich liebäugeln bürgerliche Kreise damit, das Thema wieder aufzunehmen. Allerdings scheint der Zug abgefahren, müsste doch das ganze Projekt neu aufgegleist werden.

Grosse Regelungsdichte und Ökologie

Die Vergleichsstudie listet weitere Gründe für die Verteuerungen in Zürich auf. So lägen die Mehrkosten für Minergie-P-Bauten zwar nicht so viel höher als bei Wohnbauten (5 bis 15 Prozent), aber doch bei einigen wenigen Prozenten. Und teure Investitionen in eine Photovoltaikanlage brächten erst mittelfristig weniger Betriebskosten.

Zudem verweist der Verfasser auf die «immense Regelungsdichte» in Zürich, die einen deutlich erhöhten Planungsaufwand erfordere. Über 30 Experten seien deshalb in der Vorstudien- und Planungsphase involviert. Ebenfalls nicht überall ausgewiesen werden etwa die Umgebungsarbeiten, die in Zürich mit 14 Millionen oder 9 Prozent der Ausgaben zu Buche schlagen. Gemeint sind damit etwa die Erschliessung, die Platzgestaltung, Veloparkplätze oder die Aussenbeleuchtung.

Nicht vergessen werden darf auch, dass nur Zürich eine Heimat für zwei Spitzenclubs bieten muss. So hat der Wunsch nach getrennten Fankurven dazu geführt, dass eine neue Passerelle gebaut werden muss, um die Gästefans getrennt zu ihren Sektoren zu führen. Zusammen mit den zuerst nicht geplanten Stehplätzen hat dies das Projekt um 15 Millionen verteuert.

42 Prozent teurer als in Deutschland

Auch der Vergleich mit Stadien im Ausland ist gemäss Bericht nicht statthaft. So koste das Bauen in der Schweiz 42 Prozent mehr als in Deutschland. Diese Zahl hat der Conseil Europeen des Economistes de la Construction (CEEC) erhoben, eine Art Baukostenplanervereinigung. Der CEEC hat den Bau eines dreigeschossigen Bürohauses in 14 Ländern verglichen, unter ihnen in der Schweiz und in Deutschland.

Der Bau eines ähnlichen Hauses im bayrischen Freising und in Hombrechtikon hat im direkten Vergleich gar einen Unterschied von 65 Prozent ergeben. Andere Leute in der Branche reden gar von 80 Prozent Bauverteuerung im Vergleich zu Deutschland.

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