Warum die Städte in Zukunft autoarm sein werden

Links-Grüne möchten Parkplätze abbauen, die Bürgerlichen wehren sich. Es wird einen autoarmen Mittelweg brauchen.

Die Bürgerlichen warnen davor, dass die Autofahrer ohne Parkplätze in der Agglo einkaufen statt in der Stadt. (Foto: Dieter Seeger)

Die Bürgerlichen warnen davor, dass die Autofahrer ohne Parkplätze in der Agglo einkaufen statt in der Stadt. (Foto: Dieter Seeger)

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Vergisst man kurz, wie historisch vorbelastet die Parkplatzfrage in Zürich ist, hat man es mit einem einfachen Problem zu tun: Es gibt einen kleinen, engen Ort (die Innenstadt), wo viele Menschen hin wollen. Wie soll man sie transportieren?

Wenn man eine effiziente Lösung bevorzugt, muss das Auto draussen bleiben. Von allen Verkehrsmitteln beansprucht es mit Abstand am meisten Raum. Oft steht es leer herum, wenn nicht, lärmt es und verschmutzt die Luft. Ausserdem setzen sich gerade neue Transportmöglichkeiten durch, die ein eigenes Auto auch für Stadtbesucher überflüssig machen: ausleihbare Velos, Trottinets, Vespas und Autos. Bald gibt es sie an jeder Ecke. Dazu kommt der bewährte öffentliche Verkehr. All das verhindert die Verstopfung des Stadtzentrums. Wer daran zweifelt, stelle sich das Gegenteil vor: Alle, die sich heute ohne Auto fortbewegen, würden auf einen SUV umsteigen. Zürich kollabierte.

Es braucht beides: Weniger Autos und gute Alternativen

Gerade hat das links-grün dominierte Stadtparlament den historischen Parkplatz-Kompromiss angesägt. Die Grünen wollen alle Parkplätze auf dem Zähringerplatz beseitigen – ohne unterirdischen Ersatz. Das scheint vernünftig. Die Idee, die Zahl der Parkplätze im Zentrum für immer festzuschreiben, ist selber historisch geworden. Heute bewegt man sich anders fort als im Jahr 1996, als der Kompromiss geschmiedet wurde.

Dieser Ansatz hat eine dunkle Stelle: die Zukunft des Gewerbes. Dazu gibt es zwei Theorien. Bürgerliche warnen davor, dass die Autofahrer ohne Parkplätze in Agglo-Malls ausweichen. Viele City-Läden, bereits geschwächt durch den Internet-Handel, würden absterben. Die Linke entgegnet, es seien gerade die autofreien Zonen, die Innenstädte so beliebt machten. Im Niederdorf shoppten kaum so viele Leute, müssten sie ständig hupenden Autos ausweichen.   

Offenbar stimmt beides. Viele europäische Städte (Oslo etwa oder Madrid) drängen Autos gerade radikal aus ihren Zentren. Dort zeigt sich: Bietet man Autofahrern keinen praktischen Transportersatz, kommen sie teilweise nicht mehr. Zugleich ziehen Flanierstrassen neue Menschen an. Es braucht also beides: weniger Parkplätze und gute Verkehrsalternativen. Dann gelingt Städten der historische Schritt in die autoarme Zukunft. 

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2018, 00:03 Uhr

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