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Warum Stalin und Mao am 1. Mai mitmarschieren

Am 1.-Mai-Umzug führten Demonstrierende ein Transparent mit, das Stalin und Mao zeigte. Was das 1.-Mai-Komitee dazu sagt.

Es wird zugehört: Schlusskundgebung auf dem Sechseläutenplatz.
Es wird zugehört: Schlusskundgebung auf dem Sechseläutenplatz.
1.-Mai-Umzug in ZürichSCHLUSSKUNDGEBUNG SECHSELÄUTENPLATZZürich, 1.5.2017
1.-Mai-Umzug in ZürichSCHLUSSKUNDGEBUNG SECHSELÄUTENPLATZZürich, 1.5.2017
1.-Mai-Umzug in ZürichZürich, 1.5.2017
1.-Mai-Umzug in ZürichZürich, 1.5.2017
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Der Protest gegen Kapitalismus und Faschismus ist an Umzügen zum 1. Mai allgegenwärtig. Eine Verherrlichung der kommunistischen Diktatoren Stalin und Mao aber dürfte eher unerwartet sein.

Dennoch: Eine Gruppe führte am heutigen Umzug ein Transparent, das die kommunistischen Vordenker Friedrich Engels, Karl Marx und Lenin zeigte – neben den beiden Diktatoren Josef Stalin und Mao Zedong. Gemäss Zeugen ist das Plakat aber nicht zum ersten Mal dabei, sondern seit Jahren.

Bild des Anstosses: Ein Transparent, das die kommunistischen Vordenker Karl Marx, Friedrich Engels und Lenin sowie die Diktatoren Mao Zedong und Josef Stalin zeigt. (Bild: Samuel Schach)
Bild des Anstosses: Ein Transparent, das die kommunistischen Vordenker Karl Marx, Friedrich Engels und Lenin sowie die Diktatoren Mao Zedong und Josef Stalin zeigt. (Bild: Samuel Schach)

Komitee weist Verantwortung zurück

Das 1.-Mai-Komitee will für das Transparent weder Verantwortung übernehmen noch sich davon distanzieren. Sprecherin und Zürcher AL-Gemeinderätin Christina Schiller sagte gegenüber Redaktion Tamedia, das Komitee sei keine Polizei. Es handle sich um eine öffentliche Demo, jede der über 60 am Umzug teilnehmenden Organisationen habe selber zu verantworten, welche Transparente sie zur Schau stellen wolle.

Neben den Gewerkschaften und den etablierten linken Parteien nahm eine Vielzahl von kleineren Gruppierungen teil. Darunter viele Migranten-Vereine.

Man habe auch nicht vor, in Zukunft gegen dieses Plakat vorzugehen. Es gebe bestimmt einzelne Fälle, in denen man intervenieren müsse, im Falle des Stalin-und-Mao-Plakates sehe man aber keinen Handlungsbedarf. In welchem Fall man denn intervenieren würde, wollte die Sprecherin nicht sagen.

Gegen den Faschismus

Schadet ein solches Transparent den Zielen der Linken oder des 1.-Mai-Komitees? Schiller weist auf das Motto des diesjährigen Tags der Arbeit hin: «Was tun! Nie wieder Faschismus!». Man habe sich damit unter anderem gegen die diktatorischen Verhältnisse in der Türkei solidarisieren wollen. Das sei Hauptlinie und Hauptargumentation des Komitees.

Ähnlich klingt es in der «1.-Mai-Zeitung». Dort wird mitunter vor einem Erstarken moderner Formen des Faschismus gewarnt und der türkische «Autokrat» Recep Tayyip Erdogan an den Pranger gestellt. Weiterhin heisst es dort: «Frieden ist die einzige Chance.»

Ob Stalin-Transparente dem Slogan «Nie wieder Faschismus!» zuwiderlaufen würden, wollte die Komitee-Sprecherin nicht kommentieren und verwies auf die Eigenverantwortung der Plakatträger.

Millionen Todesopfer

Die Opferzahlen der sogenannten Säuberungen während des stalinistischen Regimes belaufen sich je nach Schätzung auf über 20 Millionen Menschen. Unter der Schreckensherrschaft Maos starben in China bis zu 70 Millionen Menschen.

Das Gespräch wurde ursprünglich als Interview geplant. Das 1.-Mai-Komitee zog nach dem Gespräch sein Einverständnis zurück.

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