Was gegen Alcopops half, nützt auch gegen Juul

Liquide Nikotinbomben treffen vor allem Jugendliche. Sie sollten verboten oder mittels Besteuerung verteuert werden.

«Juuling»: Der Stoff wird innert Sekunden vom Körper absorbiert und schadet besonders heranwachsenden Hirnen. Bild: Reuters

«Juuling»: Der Stoff wird innert Sekunden vom Körper absorbiert und schadet besonders heranwachsenden Hirnen. Bild: Reuters

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In den USA haben sich verzweifelte Eltern mittlerweile zu Kampfgruppen formiert, und auch die Behörden schauen genauer hin: Der Konsum nikotinhaltiger Liquids zum Verdampfen hat unter Kindern und Jugend­lichen epidemieartige Ausmasse angenommen; 2018 wurden rund 3,6 Millionen vapende Kinder gezählt. Marktführer dabei ist die Firma Juul, die ihre liquiden Nikotinbomben aromatisiert – ähnlich den Alcopops. Auch an hiesigen Schulen hat sich der Konsum des hochprozentigen Nikotins verbreitet, der sich, anders als die stinkenden stinknormalen Zigaretten, von den Kids gut verheimlichen lässt.

Blitzschnell holt man sich auf dem Klo die Dröhnung aus der Kapsel. Für den Kick benötigt der Konsument immer öfter das nicht ganz billige Flüssignikotin. Dass sich das Wort «juuling» durchgesetzt hat, spricht Bände. Der Stoff wird innert Sekunden vom Körper absorbiert und schadet besonders heranwachsenden Hirnen. Er ist zudem hoch suchtauslösend, was die jugendlichen Nutzer derUSB-Stick-artigen Dampfstengel oft zu spät realisieren. Und Eltern, die sich aufgelöst an Schulleitungen wenden, weil ihre Kinder unübersehbar Suchtsymptome zeigen, stossen meist auf ebenso hilflose Rektoren.

Geschmacksrichtungen Crème brulée und Mango

Juul sagt, die E-Zigaretten seien für Erwachsene gedacht, die mit dem Rauchen aufhören wollten. Dass sie stattdessen für Millionen Jugendlicher zur Einstiegsdroge wurden, das habe man nicht gewollt. Mitte November nahm Juul Geschmacksrichtungen wie Crème brulée und Mango aus den Shopregalen; online hingegen will man mit Alterskontrollen operieren.

In der Schweiz, wo das flüssige Nikotin – zumindest bis zur allfälligen Regelung, die frühestens 2020 in Kraft ist – nicht unters Tabakgesetz fällt, hat die Branche mit einer freiwilligen Selbstbeschränkung reagiert: Man verzichtet etwa auf die Abgabe nikotinhaltiger Produkte an Minderjährige. Dass solche Stra­tegien nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sind, ist kein Staatsgeheimnis. Bei den Alcopops senkte erst eine hohe Sondersteuer den gefährlichen Konsum unter Jugendlichen. Es wäre also wichtig, klare Signale zu setzen: Verbote und Steuern. Wieso auch nicht? Kein Teen braucht Juul.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.11.2018, 22:52 Uhr

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