Was ist denn nun mit den Tigermücken?

Die Nachricht, dass Asiatische Tigermücken in Wollishofen überwinterten, sorgte für Aufregung. Nicht nur dort.

Typisch für die Tigermücke ist der weisse Längsstreifen hinter dem Kopf. Die ihr ähnliche Asiatische Buschmücke hat stattdessen drei gelbe Streifen.

Typisch für die Tigermücke ist der weisse Längsstreifen hinter dem Kopf. Die ihr ähnliche Asiatische Buschmücke hat stattdessen drei gelbe Streifen. Bild: Stadt Zürich (UGZ)

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Die in südlichen Ländern zur Plage gewordenen Asiatische Tigermücke hat erstmals in Zürich überwintert. In Wollishofen. Die Stadt rief dazu auf, mitzuhelfen, die Mücken einzudämmen und Insekten zu melden, bei denen es sich um die auffällig gestreifte Tigermücke handeln könnte.

Die Schädlingsprävention und -beratung des Umwelt- und Gesundheitsschutzes Zürich (UGZ) wurde daraufhin mit entsprechenden Hinweisen geradezu eingedeckt.

Insgesamt gingen 255 Meldungen ein, etwa hundert über das Portal «Züri wie neu», auf dem neben Schäden an der Infrastruktur eben auch Probleme, welche Schädlinge verursachen, aufgenommen werden.

Dazu kamen Mails, Couverts und Päckchen mit toten Mücken, manche brachten die Insekten gleich selbst bei der Schädlingsberatung an der Walchestrasse vorbei. «Ich mache seit Mitte Juli fast nichts anderes mehr als Mücken zu bestimmen», sagt denn auch Gabi Müller, Leiterin der Stadtzürcher Fachstelle.

Kleines Gebiet in Wollishofen

Und was kam dabei heraus? Viele Asiatische Buschmücken, die schwer von der Tigermücke zu unterscheiden sind, einheimische Mücken, Schnaken, auch ein paar Wanzen und andere Insekten. Aber keine einzige Tigermücke.

«Wir sind erleichtert», sagt Müller. «Das zeigt, dass wir früh genug dran sind, um eine Chance zu haben, die Tigermücke dauerhaft loszuwerden.» Insbesondere froh ist sie darüber, dass keine Exemplare aus anderen Teilen der Stadt auftauchten.

Das eigentliche Befallsgebiet in Wollishofen ist nur rund drei Hektaren gross und umfasst etwa zwanzig Haushalte. Dem Kanton obliegt die Aufgabe, dieses auf Tigermücken hin zu kontrollieren. Dazu kommt ein Überwachungsgebiet rundum.

Die Eier der Asiatischen Tigermücke. Bild: Stadt Zürich (UGZ)

Alle zwei Wochen werden in dem Umkreis Proben genommen. Bei der jüngsten Probe haben die Fachleute im Befallsgebiet immer noch Tigermückeneier und Tigermücken gefunden. «Allerdings weniger als zuvor», sagt Müller. Das sei zwar ein Erfolg – «aber das Ziel ist, die Tigermückenpopulation in Wollishofen zu tilgen».

In den letzten Wochen gingen auch bei der Busstation hinter dem Hauptbahnhof nur wenige Mücken in die Fallen. Im September 2016 wurden dort erstmals, aber nicht zum letzten Mal Tigermücken entdeckt. Diese werden immer wieder mit Reisebussen eingeschleppt und überwintern hier nicht.

Brutstätten in Dolen

Für die Bekämpfung der invasiven Mücken ist die Stadt zuständig. Müller geht davon aus, dass vor allem zwei Massnahmen zu deren Rückgang beigetragen haben: Zum einen wurde im Befallsgebiet ein biologisches Mückenbekämpfungsmittel in das Wasser der Dolen eingebracht. Genannt BTI, Bacillus thurigiensis israelensis, das 1976 in austrocknenden Pfützen in der Negev-Wüste entdeckt wurde. Das körnige Präparat, das auf der Wasseroberfläche schwimmt, tötet selektiv die Stechmückenlarven ab.

Sand in den Astgabeln soll verhindern, dass sich dort Wasser ansammelt. Bild: Stadt Zürich (UGZ)

Zusätzlich hat Grün Stadt Zürich in diesem Perimeter die Astgabeln mit Sand gefüllt, damit sich in ihnen kein Wasser ansammelt und zur Brutstätte für die Tigermücke wird. Auch die Anwohnerinnen und Anwohner haben in ihren Gärten mögliche Brutstätten eliminiert.

Aufruf an die Bevölkerung

Die Mithilfe der Bevölkerung sei nach wie vor wichtig, betont Müller. «Wir sind weiterhin froh, wenn man uns verdächtige schwarz-weiss gestreifte Mücken einschickt oder meldet.» Und man solle sich nicht scheuen, aus Angst, sich zu irren.

Auch die empfohlenen Vorkehrungen sollten im fraglichen Gebiet weiterhin ernst genommen werden: Möglichst kein über Tage stehendes Wasser im Freien. Tigermücken legen ihre Brut in Blumentopfuntersetzer und Regentonnen, in Spritzkannen, ja sogar in herumliegenden Sandkastenförmchen ab, wenn der Regen sie mit Wasser gefüllt hat.

Nach den Sommerferien wird die Stadt eine Informationsveranstaltung im betroffenen Quartier durchführen.

Erfolg bei Buschmücken

Dass diese Vorkehrungen tatsächlich fruchten, zeigt ein Pilotprojekt, welches das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) vor zwei Jahren in den Gemeinden Dietikon, Bubikon und Aeugst durchführten. Es ging dabei um die Asiatische Buschmücke, die seit 2008 bei uns vorkommt und in manchen Gebieten bereits häufiger ist als die einheimische Mücke.

Das Awel setzte vor allem auf die Sensibilisierung der Bevölkerung und bat die jeweiligen Hausbesitzer, keine Gefässe herumstehen zu lassen, in denen sich Wasser ansammeln könnte.

Zu den drei Pilotgemeinden kamen drei Kontrollgemeinden aus der jeweiligen Nachbarschaft. Das Resultat verblüffte selbst die Fachleute: In den Testgemeinden wurden nur noch halb so viele Eier der Asiatischen Buschmücke gefunden wie in den Kontrollgemeinden.

Noch keine Entwarnung

Laut Gabi Müller ist man im Kampf gegen die Tigermücke auf gutem Weg. «Wir müssen aber die Kontrollen sicher im nächsten Mai wiederaufnehmen, um herauszufinden, ob wiederum Tigermücken bei uns überwinterten.»

Für die betroffenen Gartenbesitzer heisst es noch ein paar Wochen durchhalten: Ab Oktober sterben die ausgewachsenen Mücken, nur die Eier überwintern.

Ohnehin ist die Tigermücke zwar aufdringlich und lästig, und ihre Stiche sind schmerzhafter als diejenigen der einheimischen Mücke. In unseren Breitengraden ist sie aber nicht Trägerin gefährlicher Krankheiten wie etwa Dengue.

Antworten auf die häufigsten Fragen zur Tigermücke finden sie hier.

Erstellt: 08.08.2019, 13:38 Uhr

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