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Was, wenn plötzlich die IT im Triemlispital ausfällt?

Nach der Panne vom Montag hat das Triemlispital eine Manöverkritik durchgeführt. Chefarzt Dominik Weishaupt erzählt vom IT-GAU im Spital.

Von der IT-Panne betroffen: Die Mitarbeiter im Stadtspital Triemli hatten am Montag keinen Zugriff mehr auf elektronische Patientendossiers.
Von der IT-Panne betroffen: Die Mitarbeiter im Stadtspital Triemli hatten am Montag keinen Zugriff mehr auf elektronische Patientendossiers.
Doris Fanconi

Plötzlich hat eine technische Panne einen grossen Teil der Informatik der Zürcher Stadtverwaltung lahmgelegt. Davon betroffen war auch das Stadtspital Triemli. Während Stunden hatten die Mitarbeiter keinen Zugriff auf das elektronische Patienteninformationssystem und andere Software. Mittlerweile haben die Verantwortlichen beim Triemli eine Manöverkritik durchgeführt. Dominik Weishaupt, Chefarzt am Institut für Radiologie und Nuklearmedizin, erzählt.

Was hat sich am Montag im Triemli abgespielt, als plötzlich die IT ausgefallen ist?

Die Panne ereignete sich in der Nacht. Wir von der Radiologie haben es bemerkt, als plötzlich keine Anmeldungen aus dem Notfall mehr über das elektronische System eingegangen sind. Es waren nicht alle Programme betroffen. Mail oder Word funktionierten weiterhin. Nur die fachspezifischen Applikationen waren betroffen.

Wie wurde reagiert?

Wir haben damit begonnen, die Anmeldungen persönlich oder per Telefon entgegenzunehmen. Und auf Direktionsebene hat man einen Krisenstab einberufen. Dieser musste eine Lagebeurteilung durchführen. Darunter fielen auch Risikobeurteilungen.

Das heisst?

Beispielsweise musste entschieden werden, ob alle Operationen durchführbar sind.

Und waren sie das? Schliesslich hatten Sie keinen Zugriff mehr auf die elektronischen Patientendossiers

Ja, wir konnten alle Operationen durchführen. Die Planung für den nächsten Tag wird jeweils am Abend zuvor festgelegt. Dabei werden auch die notwendigen Unterlagen ausgedruckt.

Es gibt aber auch die unplanbaren Notfälle.

Dort hat man ein neues Dossier in einem Word-File angelegt, das wir zu einem späteren Zeitpunkt, als das System wieder funktionierte, übertragen haben. Bei Notfällen ist das elektronische Patientendossier weniger wichtig, da weniger Mitarbeiter involviert sind und somit nur ein beschränkter Personenkreis auf die Informationen Zugriff benötigt. Die Patientenversorgung war somit stets gewährleistet.

Konnten Sie noch auf Röntgenbilder zugreifen?

Ja, bei uns war nur ein Teil des Systems betroffen. Wir konnten auf die Bilder zugreifen, jedoch nicht mehr auf die ausführlichen Berichte. Zum Glück ist im System eine gewisse Doppelspurigkeit eingebaut. Denn bei den Bildern findet man auch die Befunde – wir hatten also nicht gar keine Informationen mehr.

War also trotz Panne ganz normaler Spitalalltag?

Nein, das nicht. Es kam unter anderem zu Verzögerungen. Und dass wir bei Wartungsarbeiten teilweise auf ein System für eine kurze Zeit verzichten müssen, kennen wir. Aber einen Systemausfall in dieser Länge hatten wir noch nie. Damit die Sicherheit immer gewährleistet blieb, mussten wir fortlaufend Risikoanalysen durchführen. Wir hätten nichts auf Biegen und Brechen durchgeführt. Ein kleines Beispiel: Bei der Essensbestellung auf den Stationen im neuen Bettenhaus haben wir gleich komplett auf die Elektronik verzichtet und mit Stift und Block die Bestellungen aufgenommen und weitergeleitet – nicht etwa mit E-Mails.

Was wollen Sie in Zukunft verbessern?

Grundsätzlich bin ich zufrieden, wie alles abgelaufen ist. Natürlich haben wir nach einer solchen Riesenpanne eine Manöverkritik durchgeführt. Bei der internen Kommunikation können wir noch ein paar kleine Dinge optimieren. Grössere Anpassungen sind seitens des Spitals aber nicht geplant. Wir werden jedoch Gespräche mit dem OIZ (Organisation und Informatik Zürich) führen, weil die Störung in ihrem Rechenzentrum Hagenholz aufgetreten ist.

Das heisst?

Kurz vorneweg: OIZ leistet hervorragende Arbeit. Auch wenn es keine 100-prozentige Sicherheit gibt, würden wir gerne einen zweiten solchen Ausfall verhindern. Der nächste Schritt wird daher eine Analyse von unserer Informatik zusammen mit dem OIZ sein.

Wie reagierten die Patienten?

Wir haben offen kommuniziert, dass wir Probleme mit dem System haben und deshalb beispielsweise noch einmal gewisse Angaben aufnehmen müssen. Die Patienten haben das verständnisvoll aufgenommen.

Rückblickend auf die Panne vom Montag: Was für ein Gefühl bleibt?

Es brennen zwei Seelen in der Brust. Zuerst zum Positiven. Es war schön zu sehen, dass unsere Notfallpläne für Blackouts, die wir einüben und planen, in der Praxis funktionieren. Es hat sich in dieser Ausnahmesituation auch ein Teamgeist offenbart. Die Leute zu beobachten, wie sie eine solche Situation über längere Zeit meistern, ist ein positives Erlebnis, das wir allerdings nicht gesucht haben.

Und das negative?

Die Panne hat uns vor Augen geführt, wie verletzlich wir digitalisierten Spitäler sind – wie die ganze digitalisierte Gesellschaft. Es ist unsere Achillesferse. Es hat uns gezeigt, dass wir weiterhin einen Teil unserer Informationen in analoger Form brauchen. Wie beispielsweise die Ausdrucke, die uns weiterhin erlaubten, die Operationen durchzuführen.

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