Was Zürcher Jugendliche wollen

Das Jugendparlament will an seiner ersten Tagung Forderungen ausarbeiten, mit denen sich der Kantonsrat befassen muss. Ein Thema dürfte besonders hitzig debattiert werden.

Erste politische Erfahrung sammeln: Mitglieder des Jugendparlaments im Zürcher Kantonsrat beim Kick-off-Event.

Erste politische Erfahrung sammeln: Mitglieder des Jugendparlaments im Zürcher Kantonsrat beim Kick-off-Event. Bild: Thomas Egli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am kommenden Samstag ist es so weit: Das Jugendparlament des Kantons Zürich kommt zu seiner ersten Sitzung im Zürcher Rathaus zusammen. Dominic Täubert, Co-Präsident und Hauptleiter der Parlamentssitzung, kann den Start kaum erwarten: «Über 100 Jugendparlamentarier aus dem ganzen Kanton werden gemeinsam ein neues Kapitel der Zürcher Jugendpolitik starten», sagt er.

Sechs konkrete Themen werden an der ersten Tagung laut Täubert diskutiert: Suchtmittel, Tierethik, Ernährung, politische Bildung im Schulunterricht, Stimmrecht sowie religiöse Radikalisierung. Die Themenvorschläge haben die Jugendparlamentarier bereits im Vorfeld der ersten Sitzung eingereicht. Täubert verspricht sich vom Thema Tierethik interessante Auseinandersetzungen. Spannende Debatten erwartet er aber auch rund ums Stimmrecht. «Immer wieder wird darüber diskutiert, ob die Stimme von minderjährigen Jugendlichen, Kindern oder Menschen ohne Schweizer Pass in Abstimmungen integriert werden soll.»

Gut durchmischtes Parlament

Wer nun glaubt, die über 100 Jugendparlamentarier seien Gymnasiasten und grösstenteils politisch links, irrt. Laut Täubert seien die 120 Vereinsmitglieder gut durchmischt. «Bei uns können Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren mitmachen, die im Kanton Zürich wohnen, unabhängig von Ausbildung, Geschlecht, Herkunft oder Nationalität», sagt er. Stimmrecht hat allerdings nur, wer gleichzeitig Mitglied im Verein Jugendparlament Kanton Zürich ist.

Auch die jüngste Teilnehmerin des Jugendparlaments, die 12-jährige Valérie Bosshart aus Winterthur, hat als Vorsitzende des Schülerparlaments erste politische Erfahrungen gesammelt. Sie will sich für den Tierschutz starkmachen, wie sie gegenüber dem «Landboten» sagte. Ein weiteres Anliegen von ihr ist die Umwelt. Sie möchte den öffentlichen Verkehr ausbauen, dafür die Treibhausgase und den Fleischkonsum reduzieren.

Kommissionen arbeiten Forderungen aus

Das Jugendparlament hat die Möglichkeit, einen gemeinsam gefassten Beschluss dem Kantonsrat in Form einer Petition einzureichen. Deshalb ist es gemäss Täubert erklärtes Ziel, dass am Schluss der ersten Sitzung konkrete Forderungen vorliegen. «Wichtig ist, den Jugendlichen aufzuzeigen, dass sie mitbestimmen können und dass ihre Ansichten in der Bevölkerung wahrgenommen werden», sagt Täubert.

Zu Beginn der morgigen Tagung melden sich die Jugendlichen jeweils in einer Kommission an, welche sich intensiv mit einem der sechs Themen befasst und eine Forderung erarbeitet. Unterstützt werden die Jugendlichen dabei von einer Gruppenleitung sowie einer externen Fachperson. Am Nachmittag stellen die Kommissionen ihren Beschluss dem versammelten Jugendparlament vor und es kommt zur Abstimmung. Erhält die Forderung eine Mehrheit, wird sie dem Kantonsrat übergeben und dieser muss den Beschluss weiterverfolgen.

Grosse Mitgliederzahl

Das Jugendparlament möchte sich in den nächsten Jahren als wichtiger Akteur der Jugendpolitik etablieren, politisch interessierten Jugendlichen den Einstieg in die Milizdemokratie erleichtern und konkrete Anliegen als Vertretung der jungen Generation in die Politik tragen, sagt Täubert. Um die Jugendlichen gut vertreten zu können, sei eine grosse Mitgliederzahl notwendig.

«Wir sind jetzt schon das grösste Jugendparlament der Schweiz und träumen davon, dass irgendwann der Kantonsratssaal mit 180 Plätzen nicht mehr für alle Jugendparlamentarier ausreicht», sagt er. Interessierte Jugendliche können sich als Jugendparlamentarier hier anmelden und bereits einen der 180 Plätze für die 2. Sitzung im September sichern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2018, 15:01 Uhr

Jugendliche reichen fast 300 politische Anliegen ein

Jugendliche aus der ganzen Schweiz haben im Rahmen der Kampagne «Verändere die Schweiz!» bisher fast 300 Anliegen eingereicht. Die 14 jüngsten National- und Ständerätinnen und -räte wählen nun je eines der Anliegen aus und bringen es in die nationale Politik ein.

Die Kampagne «Verändere die Schweiz!» des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente (DSJ) geht am Sonntag zu Ende, wie der DSJ am Freitag mitteilte. Auf der Onlineplattform www.engage.ch wurden seit dem 19. Februar Anliegen von Jugendlichen gesammelt.

Bei einem grossen Teil der 300 Eingänge geht es um soziale Themen wie beispielsweise die Gleichstellungsfrage. So fordern die Jugendlichen unter anderem einen längeren Vaterschaftsurlaub, die obligatorische Wehrpflicht für Frauen sowie eine Lohngleichheit für beide Geschlechter.

Was tut das Jugendparlament Zürich

Ende 2015 hat der Zürcher Kantonsrat entschieden, ein kantonales Jugendparlament einzuführen. Bis Ende August 2017 konnten interessierte Jugendliche sich bewerben. Am Freitag, 3. November 2017, hat der Regierungsrat nun den privaten Verein Jugendparlament Kanton Zürich als Trägerschaft anerkannt. Die Anerkennung erfolgt bis 2021 und wird um vier Jahre verlängert, sollte sich kein weiterer Verein bewerben.

Das Jugendparlament steht allen Jugendlichen mit Wohnsitz im Kanton Zürich offen. Seine Mitglieder müssen allerdings zwischen 12 bis 21 Jahre alt sein. Es finanziert sich durch seine Mitglieder und freiwillige Beiträge von Unternehmen oder Privaten. Das Jugendparlament tagt mindestens zweimal pro Jahr im Zürcher Rathaussaal. Die Petitionen, welche während der Sessionen ausgearbeitet werden, können die Parlamentarier dem Kantonsrat übergeben und der Öffentlichkeit im Medienzentrum des Regierungsrates präsentieren.

Artikel zum Thema

Eine Stimme für die U-21-Jährigen

Der Kanton Zürich hat neuerdings ein Jugendparlament. Am Kick-off-Event vom Samstag wird klar, dass ein Kick in Sachen Jugendpolitik dringend nötig ist. Mehr...

Jugendliche finden politische Sprache zu kompliziert

Wie halten es die Jungen mit dem Wählen? Eine Studie zeigt Ernüchterndes und macht Vorschläge für eine Verbesserung. Mehr...

Die Gründe für den Politikverdruss der Jungen

Analyse Nur 17 Prozent der unter 30-Jährigen haben über die Masseneinwanderungsinitiative abgestimmt. Nach dem Ja sind viele Junge über ihre Abstinenz erschrocken. Dabei gibt es gute Gründe dafür. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Blogs

Margaret Thatcher und der Neoliberalismus

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Das grösste Kunstwerk der Welt aus Strohhalmen: Zwei Frauen aus Vietnam posieren für ein Foto vor der Kunstinstallation «Abschied des Plastik-Meeres» des kanadischen Künstlers Benjamin Von Wong, die aus 168'000 Plastik-Strohhalmen besteht. (17. März 2019)
(Bild: Thanh NGUYEN) Mehr...