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Wechselt Filippo Leutenegger das Departement?

Die neuen Stadträte treten ihr Amt Mitte Mai an. Nun wird über einen Wechsel des FDP-Stadtrats spekuliert.

Martin Huber
Wird er wechseln? Der FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger lässt sich nicht in die Karten schauen.
Wird er wechseln? Der FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger lässt sich nicht in die Karten schauen.
Samuel Schalch

Nach den Wahlen ist vor der Ämterverteilung: Wer bekommt welches der neun Departemente in der Zürcher Stadtregierung? Bleiben die Bisherigen? Wird jemand zu einem Wechsel verdonnert? Der neu gewählte Stadtrat wird seine Arbeit voraussichtlich Mitte Mai aufnehmen, wie Christina Stücheli, Sprecherin des Stadtrates, erklärt.

Das genaue Datum der konstituierenden Sitzung und damit der Ämterverteilung ist noch nicht definitiv. Naheliegend wäre der 16. Mai, weil an diesem Mittwoch auch der neu gewählte Gemeinderat die Legislatur 2018–2022 beginnt. Auf das Datum der Konstituierung geben auch die zurücktretenden Stadträte Andres Türler (FDP), Claudia Nielsen (SP) und Gerold Lauber (CVP) ihr Amt ab.

Nach acht Jahren freie Wahl

Durch die drei Rücktritte werden das Departement der Industriellen Betriebe, das Gesundheits- und Umweltdepartement sowie das Schul- und Sportdepartement frei. Die Departementsverteilung ist Sache des Stadtrates. Das Gremium beschliesst, wer welches Department weiterführt oder neu übernimmt – mit Ausnahme des Präsidialdepartements, das der gewählten Stadtpräsidentin untersteht. Wird keine Einigung erzielt, entscheidet der Stadtrat mit Mehrheitsentscheid.

Die Zürcher Gemeindeordnung legt fest, dass ein Mitglied des Stadtrates nicht verpflichtet ist, länger als zwei Amtsdauern dem gleichen Departement vorzustehen. Wer also bereits acht Jahre dasselbe Departement führt, darf wechseln. Derzeit trifft dies ausser auf Corine Mauch (SP) nur noch auf André Odermatt (SP) zu, seit acht Jahren Vorsteher des Hochbaudepartements.

Doch von den bisherigen Stadtratsmitgliedern der Linken hat niemand Wechselgelüste geäussert. Auch die Spitzen von SP, Grünen und AL gehen davon aus, dass Odermatt weiter für den Hochbau, Golta fürs Soziale, Leupi für die Finanzen und Wolff für die Sicherheit zuständig sein werden.

Links-grüner Appetit aufs TED

Etwas anders sieht die Sache bei Filippo Leutenegger (FDP) aus, seit vier Jahren Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements (TED). Er soll sich ernsthaft einen Wechsel ins Schul- und Sportdepartement überlegen, wie es von verschiedenen Seiten heisst. Der FDP-Mann verfüge schliesslich auch über Know-how im Tagesschul- und Hortbereich. In der SP-Spitze fragt man sich bereits gut vernehmlich, «ob Leutenegger im TED wirklich noch am richtigen Ort ist». Filippo Leutenegger selber bestreitet Wechselabsichten, wie er gestern verlauten liess.

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Politbüro Züri: Der Video-Talk zur Stadtratswahl

«Wir werden Velowege bekommen»: Ressortleiter Zürich Hannes Nussbaumer und Reporterin Rafaela Roth über die Folgen der Wahlergebnisse.

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Tatsächlich würde die FDP das Schlüsseldepartement im Bereich Verkehr aus der Hand geben, was mit einem weiteren Machtverlust in der Stadtpolitik verbunden wäre. Schule und Bildung seien auch sehr wichtig, heisst es bei der FDP wie zum Trost. Zudem wäre die Bewältigung der Krise im Entsorgungsamt ERZ nicht mehr länger Sache der FDP, sondern wohl der Linken. Denn sollte Leutenegger wechseln und kein Bisheriger das TED übernehmen, könnte die Grüne Karin Rykart zum Zug kommen. Sie wurde am Sonntag mit einem Glanzresultat gewählt, und das links-grüne Lager wirft schon seit langem ein Auge aufs TED. Ein realistisches Szenario, heisst es bei SP, Grünen und AL.

Rykart selber hält sich bedeckt: «Als Allrounderin kann ich mich mit jedem Departement anfreunden. Es ist überall etwas Spannendes dabei.» Klar sei, dass sie Mitte Mai ihre Arbeit als Stadträtin aufnehmen könne. Ihren Job als Co-Leiterin einer Waldkrippe hat Rykart inzwischen gekündigt.

Tendenz: Baumer ersetzt Türler

Der neu gewählte FDP-Stadtrat Michael Baumer sagt auf Anfrage: «Ich bin für alles offen, als Unternehmer und Ingenieur liegen mir gewisse Departemente natürlich näher als andere.» Das deutet darauf hin, dass er einer Übernahme des Departements der Industriellen Betriebe nicht abgeneigt wäre. Auch er könnte Mitte Mai loslegen, eine Lösung für seine Softwarefirma, die er abgeben muss, sei gefunden.

Und wie sieht Baumer die künftige Rolle der FDP in der links-grün dominierten Stadtregierung? «Das ist eine echte Herausforderung.» Er wolle dafür sorgen, dass auch jener Teil der Bevölkerung gehört werde, der bei den Wahlen nicht zu den Siegern gehörte.

Andreas Hauri (GLP), derzeit Geschäftsführer der KV-Bildungsgruppe, wird diese Woche Gespräche führen, damit er Mitte oder Ende Mai sein Stadtratsamt übernehmen kann. Im Vorfeld hatte sich Hauri bereits für das Gesundheitsdepartement in Stellung gebracht. Gestern gab er sich vorsichtig: «Ich bin offen für alle Departemente, am Schluss entscheidet der Stadtrat.»

Dass der durchaus für Überraschungen gut ist, zeigte sich 2013, als er das Polizeidepartement an den Alternativen Richard Wolff vergab.

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Bildstrecke: Prominente Neulinge und Abgewählte

Er ist der Jungstar: Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz und glühender Befürworter der No-Billag-Initiative, ist im Wahlkreis 7+8 für die FDP gewählt worden.
Er ist der Jungstar: Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz und glühender Befürworter der No-Billag-Initiative, ist im Wahlkreis 7+8 für die FDP gewählt worden.
Urs Jaudas
Er ist schon Vizepräsident der Grünen Schweiz: Luca Maggi ist in Zürich eher als Exponent des 1.-Mai-Komitees bekannt. 2015 verkrachte er sich mit dem grünen Power-Paar Gabi Petri und Markus Knauss und trat gemeinsam mit der heutigen Stadträtin elected Karin Rykart und seinem Onkel, «Guerilla-Gärtner» Maurice Maggi, aus der grünen Sektion 4/5 aus. Luca Maggi wurde heuer im Kreis 1+2 gewählt.
Er ist schon Vizepräsident der Grünen Schweiz: Luca Maggi ist in Zürich eher als Exponent des 1.-Mai-Komitees bekannt. 2015 verkrachte er sich mit dem grünen Power-Paar Gabi Petri und Markus Knauss und trat gemeinsam mit der heutigen Stadträtin elected Karin Rykart und seinem Onkel, «Guerilla-Gärtner» Maurice Maggi, aus der grünen Sektion 4/5 aus. Luca Maggi wurde heuer im Kreis 1+2 gewählt.
Marcel Bieri/Keystone
Claudia Rabelbauer war vor vier Jahren die grosse Verliererin. Als vermeintlich gewählte EVP-Präsidentin flog sie infolge einer Nachzählung wieder aus dem Parlament. Nun hat sie das Kunststück vollbracht, die EVP wieder in den Gemeinderat zu bringen, und ist selber im Kreis 9 gewählt worden.
Claudia Rabelbauer war vor vier Jahren die grosse Verliererin. Als vermeintlich gewählte EVP-Präsidentin flog sie infolge einer Nachzählung wieder aus dem Parlament. Nun hat sie das Kunststück vollbracht, die EVP wieder in den Gemeinderat zu bringen, und ist selber im Kreis 9 gewählt worden.
Pascal Unternährer
Përparim Avdili ist der erste albanischstämmige Stadtparlamentarier. Der Banker hat es bereits in den «Blick» geschafft, weil er vor drei Jahren während des Kantonsratswahlkampfs ein Video veröffentlicht hatte, in dem er auf Albanisch für sich warb. Avdili ist im Kreis 9 für die FDP gewählt worden.
Përparim Avdili ist der erste albanischstämmige Stadtparlamentarier. Der Banker hat es bereits in den «Blick» geschafft, weil er vor drei Jahren während des Kantonsratswahlkampfs ein Video veröffentlicht hatte, in dem er auf Albanisch für sich warb. Avdili ist im Kreis 9 für die FDP gewählt worden.
PD
Im Kreis 7+8 ist Yasmine Bourgeois gewählt worden. Die Freisinnige ist die Ehefrau von Marc Bourgeois, der lange im Gemeinderat sass, nun aber im Kantonsrat politisiert.
Im Kreis 7+8 ist Yasmine Bourgeois gewählt worden. Die Freisinnige ist die Ehefrau von Marc Bourgeois, der lange im Gemeinderat sass, nun aber im Kantonsrat politisiert.
PD
Er ist ein Rückkehrer: Ernst Danner, der Chef der Rekursabteilung der kantonalen Sicherheitsdirektion von Mario Fehr (SP) ist, vertrat die EVP bereits von 2002 bis 2010 im Gemeinderat. Nun wurde er im Kreis 11 gewählt.
Er ist ein Rückkehrer: Ernst Danner, der Chef der Rekursabteilung der kantonalen Sicherheitsdirektion von Mario Fehr (SP) ist, vertrat die EVP bereits von 2002 bis 2010 im Gemeinderat. Nun wurde er im Kreis 11 gewählt.
Thomas Burla
Jetzt kommen die prominenten Abgewählten. Markus Hungerbühler ist Präsident der CVP und kandidierte für den Stadtrat. Nach dem Total-Fiasko der CVP muss er im Gemeinderat abtreten.
Jetzt kommen die prominenten Abgewählten. Markus Hungerbühler ist Präsident der CVP und kandidierte für den Stadtrat. Nach dem Total-Fiasko der CVP muss er im Gemeinderat abtreten.
Pascal Unternährer
Dasselbe gilt für Christian Traber (CVP). Er ist ein CVP-Urgestein aus dem Kreis 2. Er ist erstmals 1994 in den Gemeinderat gewählt worden. Dann gabs ein vierjähriges Intermezzo (1998-2002), nun scheidet Traber nach weiteren zwölf Jahren im Rat aus.
Dasselbe gilt für Christian Traber (CVP). Er ist ein CVP-Urgestein aus dem Kreis 2. Er ist erstmals 1994 in den Gemeinderat gewählt worden. Dann gabs ein vierjähriges Intermezzo (1998-2002), nun scheidet Traber nach weiteren zwölf Jahren im Rat aus.
Sabina Bobst
Karin Weyermann ist als amtierende Fraktionspräsidentin der CVP im Kreis 7+8 nicht mehr wiedergewählt worden. Sie ist derzeit in der PUK ERZ engagiert.
Karin Weyermann ist als amtierende Fraktionspräsidentin der CVP im Kreis 7+8 nicht mehr wiedergewählt worden. Sie ist derzeit in der PUK ERZ engagiert.
PD
Auch er ist Mitglied der PUK ERZ. Derek Richter war drei Jahre für die SVP Kreis 3 im Gemeinderat und hat nun die Wiederwahl verpasst. Er war ein Mann der eigenwilligen Argumentation: Zum Beispiel beim Thema Tempo 30. Strassenlärm sei nichts gegen das, was er habe erdauern müssen, sagte er. Wegen einer Schulterverletzung war es ihm unmöglich, beide Ohren gleichzeitig zuzuhalten. Und mit diesem Handicap sei er pünktlich zum Glockenschlag an einer Kirche vorbeigelaufen. «In Sachen Lärm muss mir niemand etwas erzählen!»
Auch er ist Mitglied der PUK ERZ. Derek Richter war drei Jahre für die SVP Kreis 3 im Gemeinderat und hat nun die Wiederwahl verpasst. Er war ein Mann der eigenwilligen Argumentation: Zum Beispiel beim Thema Tempo 30. Strassenlärm sei nichts gegen das, was er habe erdauern müssen, sagte er. Wegen einer Schulterverletzung war es ihm unmöglich, beide Ohren gleichzeitig zuzuhalten. Und mit diesem Handicap sei er pünktlich zum Glockenschlag an einer Kirche vorbeigelaufen. «In Sachen Lärm muss mir niemand etwas erzählen!»
PD
Onorina Bodmer ist das dritte abgewählte Mitglied der PUK ERZ. Sie vertrat die FDP Kreis 10 im Gemeinderat.
Onorina Bodmer ist das dritte abgewählte Mitglied der PUK ERZ. Sie vertrat die FDP Kreis 10 im Gemeinderat.
PD
Kyriakos Papageorgiou hat sich mit der SP Kreis 11, für die er 18 Jahre lang im Gemeinderat sass, verkracht. Darauf wechselte er den Wahlkreis und die Partei und verpasste die Wiederwahl als AL-Kandidat im Kreis 12.
Kyriakos Papageorgiou hat sich mit der SP Kreis 11, für die er 18 Jahre lang im Gemeinderat sass, verkracht. Darauf wechselte er den Wahlkreis und die Partei und verpasste die Wiederwahl als AL-Kandidat im Kreis 12.
PD
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