Wenn das Lausen kein Ende nimmt

Die Stadt Zürich hat neue Regelungen gegen plagende Läuse eingeführt. Kooperieren Eltern nicht, kann das Konsequenzen haben.

Viel im Einsatz: Mit dem Lauskamm kann man einen Befall erkennen und die Parasiten entfernen. Foto: Keystone

Viel im Einsatz: Mit dem Lauskamm kann man einen Befall erkennen und die Parasiten entfernen. Foto: Keystone

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Sie sind nimmermüde und krabbeln immer irgendwo herum: Läuse. Aber in den kalten Jahreszeiten, wenn man häufiger drinnen ist, näher zusammenrückt und die Kinder ihre Köpfe zusammenstecken, dann ist der nächste Schopf schneller erreicht – und die Übertragung auf andere Personen erfolgt nur durch direkten Haar-zu-Haar-Kontakt.

Besonders Eltern schulpflichtiger Kinder wissen das. Und richtig fies wird es, wenn sich ein Pingpong-Effekt einstellt: Wenn sich endlich wieder lausfreie Kinder bei Spielkameraden erneut anstecken, bei denen die Läuse noch aktiv sind. «Es hört fast nicht auf», ärgert sich ein Vater, der mit seiner Familie im Kreis 3 wohnt. «Kaum ist es mit den Läusen bei einem Kind vorbei, beginnt es beim nächsten.»

Die «Laustante» wird nicht wiederkommen

Der Aufwand, den man zu Hause betreiben müsse, um die lästigen Kriecher wieder loszuwerden, sei beträchtlich. «Und dieses Antikopflaus-Shampoo ist wirklich teuer. Das geht ins Geld, weil man es bei der ganzen Familie anwenden muss.» Er wünscht sich die «Laustante» wieder an die Schulen zurück, die in den Klassenzimmern den Läusen auf die Pelle gerückt ist.

Doch die «Laustante» wird nicht wiederkommen. Den sogenannten aufsuchenden Kopflausdienst durch die Lausfachfrau gibt es in Zürich seit vier Jahren aus Spargründen nicht mehr.

Eltern beschimpfen sich gegenseitig

Bereits Ende November 2016 machte Hans-Peter Fürst, Präsident der Schulleiterinnen- und Schulleiter-Konferenz, darauf aufmerksam, dass sich die «Kopflaus-Epidemien» oft über unnötig lange Zeit hinziehen und immer wieder bei den gleichen Familien ausbrechen. Hinzu komme, dass sich die Eltern gegenseitig beschimpften und Lehrpersonen bisweilen klärend eingreifen müssten.

Die Statistik zeigt, dass weniger als 5 Prozent der von der «Laustante» untersuchten Kinder von Läusen befallen waren. In der Regel waren höchstens ein bis zwei Kinder pro Klasse betroffen.

Fürst regte an, dass pro Schule ein Lehrer oder eine Lehrerin zur «Fachperson Lausbekämpfung» bestimmt und geschult wird und dann auf Anforderung in die Klassen und Horte geht.

Die Schulpflege lehnte dies jedoch ab. Der zeitliche Aufwand für die Kontrolle sämtlicher Schülerinnen und Schüler sei im Verhältnis zum erzielten Nutzen zu gross. Die Statistik aus den Jahren des aufsuchenden Kopflausdienstes hätten gezeigt, dass weniger als 5 Prozent der untersuchten Kinder von Läusen befallen waren. In der Regel seien höchstens ein bis zwei Kinder pro Klasse betroffen gewesen.

Neue Abläufe bei der Bekämpfung

Aus rechtlichen Gründen liegt die Verantwortung der Kopflausbekämpfung aber nach wie vor bei den Schulen. Insbesondere das Erkennen des Befalls, die Information über mögliche Massnahmen sowie die Überprüfung, ob diese auch umgesetzt und erfolgreich sind.

Als Reaktion auf Fürsts Antrag haben die Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich deshalb in Zusammenarbeit mit dem Rechtsdienst des Schul- und Sportdepartementes eine Neukonzeption für die Kopflausbekämpfung in den Volksschulen ausgearbeitet. Seit Beginn des Schuljahrs 2018/2019 kommt sie zur Anwendung. Die Abläufe sind nun folgendermassen geregelt:

  • Hat eine Lehrperson den Eindruck, dass bei einem Kind ein Kopflausbefall vorliegen könnte, informiert sie die Erziehungsberechtigte direkt per Briefvorlage und bittet um die Zustimmung, die Daten des Kindes dem Kopflausdienst des Schulärztlichen Dienstes (SAD) weitergeben zu dürfen. Hierzu ist zwingend eine schriftliche Einwilligung der Eltern nötig.
  • Der Kopflausdienst nimmt anschliessend Kontakt mit den Eltern auf und bietet ihnen eine kostenlose Beratung oder Untersuchung des Kindes an.
  • Bei einer Konsultation untersucht der SAD den Befall. Fällt der Befund negativ aus, stellt er ein sogenanntes Kopflaus-Freiheitsattest aus, das die Eltern der Klassenlehrperson weiterleiten. Ist der Befund positiv, berät der Dienst die Eltern bei der Kopflausbekämpfung und vereinbart einen Kontrolltermin – in der Regel nach etwa vier Wochen, weil eine vollständige Behandlung so lange dauert.
  • Die Lehrperson überprüft in dieser Zeit die Klasse auf weitere Verdachtsfälle. Hat sie den Eindruck, ein Kind sei nach wie vor von Kopfläusen befallen, lädt sie die Eltern schriftlich zu einem Gespräch ein. Dabei gilt es, den Sachverhalt zu klären und «auf die Eltern einzuwirken, das Kind untersuchen zu lassen und gegen den Kopflausbefall zu behandeln».

Auch mit der neuen Regelung sind in erster Linie die Eltern gefordert, auf einen Kopflausbefall zu achten. Erst wenn die Eltern dies übersehen und der Befall in der Schule offensichtlich wird, sollen Lehrer aktiv werden.

Kopflausdienst erst jetzt ausgelastet

Den Kopflausdienst, der 40 Stellenprozente umfasst, gab es bereits vor der Umsetzung des neuen Konzepts, deshalb waren keine zusätzlichen finanziellen Mittel notwendig. Laut Andrea-Seraina Bauschatz, Leiterin des Schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich, ist der Dienst erst seit der Umstellung voll ausgelastet. Aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor. Zwischen 2015 und 2018 habe es aber durchschnittlich pro Monat elf Beratungen vor Ort und acht Beratungen am Telefon oder per Mail gegeben.

Die Behandlung von Kopfläusen bleibt weiterhin freiwillig. «Einzig wenn offensichtlich wird, dass die Eltern der Schülerin oder des Schülers nicht selbst für die Behandlung sorgen können oder wollen und dadurch die Lernatmosphäre in der Schule gestört ist, kann ein Kind mit Kopflausbefall vom Unterricht dispensiert werden», sagt Bauschatz. Die Dispensation wird gemäss neuem Konzept erst aufgehoben, wenn die Eltern mit einem ärztlichen Zeugnis die Kopflausfreiheit ihres Kindes belegen können.

So sieht sie aus: Eine ausgewachsene Kopflaus. (Bild: ZVG)

Präventivmassnahmen gibt es nicht

Wer es gar nicht erst so weit kommen lassen möchte, achtet zu Hause darauf, ob sich ein Kind häufig am Kopf zu kratzen beginnt oder über starkes Jucken klagt. Die Tierchen nisten sich nur im Kopfhaar ein – am liebsten bei den Schläfen, hinter den Ohren und im Nacken. Wer die 1 bis 3 Millimeter kleinen Parasiten bei Familienangehörigen entdeckt, kann sich direkt beim Kopflausdienst der Stadt melden und sich beraten lassen.

Präventivmassnahmen gibt es keine. Kopfläuse zu haben, hat auch nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Denn: Blut ist Blut – und davon braucht der Parasit alle zwei bis vier Stunden eine Portion. Ohne Blut überlebt die Laus kaum länger als einen Tag.

Erstellt: 30.01.2019, 13:45 Uhr

Lausfrei in sechs Schritten

Läuse überleben nur auf dem menschlichen Kopf und ernähren sich nur von menschlichem Blut. Es gibt deshalb keine «Kopflausnester» in Plüschtieren oder Kissen. Diese Gegenstände müssen nicht speziell gereinigt, vakuuiert oder sogar tiefgekühlt werden. Wer Kopfläuse entdeckt, bekämpft sie mit einem Antikopflausmittel (besonders wirksam und frei von Nebenwirkungen sind das Shampoo Hedrin und der ParanixSpray) und geht dabei folgendermassen vor:



  • Das Kopflausmittel aufs trockene Haar auftragen

  • Gut ins Haar einmassieren, keine Stellen auslassen.

  • Feuergefährliche Quellen (z.B. Föhn, Zigaretten) fernhalten.

  • Mindestens eine Stunde einwirken lassen und danach ausspülen.

  • Mit Shampoo die Haare waschen.

  • Die Behandlung nach sieben Tagen wiederholen.


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