Wenn der BMW M3 illegal entsorgt wird

Die Stadtzürcher Polizei stellt jährlich 50 bis 60 herrenlose Autos sicher – darunter eindrückliche Modelle. Doch sie müssen teuer verschrottet werden.

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Ein grauer Chevrolet Camaro, ein gelber BMW M3, ein grauer Audi A4, ein weisser Mercedes der A-Klasse: All diese Autos hat die Stadtpolizei Zürich in den vergangenen Monaten auf Stadtgebiet sichergestellt. Insgesamt sind es 37 Fahrzeuge und 16 Motorräder. Gemeinsam haben sie, dass sie herrenlos sind. In einem Aufruf im aktuellen «Tagblatt» sucht die Polizei die Besitzer.

Ein BMW M3 kann neu schnell über 90'000 Franken kosten. Der gefundene ist aber nicht mehr viel wert. «Die meisten Fahrzeuge sind stark verwahrlost», sagt Marco Bisa, Mediensprecher der Stadtpolizei. Mit anderen Worten: Sie wurden illegal auf öffentlichem Grund entsorgt. Kann die Polizei einzelne Fahrzeuge gewinnbringend wiederverwerten – etwa an einer Gant?

Ganz selten. In Einzelfällen, wenn Fahrzeuge in einem besseren Zustand sind, erhält die Stadtpolizei einige hundert Franken von einem Händler. Meist aber gehen die Fahrzeuge direkt zum Schrotthändler. Die Entsorgung kostet je nach Anbieter 200 bis 400 Franken. Das macht im Jahr für die Steuerzahler also rund 15'000 Franken.

Panne bei Ausschreibung

Eine erfreuliche Kunde hat der Polizeisprecher: Es werden mit der Zeit eher weniger als mehr Autos illegal entsorgt. In den vergangenen Jahren mussten im Durchschnitt 60 bis 70 Fahrzeuge verschrottet werden, heuer sind es 50 bis 60. Nur sehr vereinzelt melden sich Besitzer aufs Inserat, vielleicht zwei pro Jahr. Das hat einerseits mit den Kosten zu tun. Busse, Abschleppkosten und Einstellgebühr können zusammen über 1000 Franken kosten.

Anderseits ist gut die Hälfte der Autos ausländischer Provenienz. In der aktuellen Anzeige stammen 19 von 37 Autos und 5 von 16 Töffs aus Deutschland, Bulgarien, Spanien und sieben weiteren Ländern. Die Ermittlung der Fahrzeughalter ist sehr schwierig. «Aufwand und Ertrag stimmen meist nicht überein», sagt Bisa.

Im Inland ist die Ermittlung erfolgversprechender. Bei einem grünen Citroën etwa, von dem die Zürcher Kontrollschildnummer irrtümlicherweise ins Inserat rutschte, oder bei einem Lancia mit Luzerner Nummer besteht Hoffnung. Die Regel aber ist: Jene Halter, auf welche die Fahrgestellnummer registriert ist, sind nicht mehr die Besitzer. Das Auto wurde oft mehrmals weiterverkauft.

Keine Gaunerschlitten

Oft sind die Nummern auch gar nicht mehr erkenn- oder auffindbar. Die Vorstellung, dass sie absichtlich ausradiert wurden, um die Herkunft zu verschleiern oder mit dem Fahrzeug einen Raub zu begehen, ist gemäss Bisa aber falsch. Am Material hat eher der Zahn der Zeit genagt.

Die Besitzer der ausgeschriebenen Fahrzeuge haben bis Ende Monat Zeit, sich zu melden. Sonst wird ihr Auto «samt Inhalt» vernichtet. Mit Inhalt ist nicht etwa Laptop oder Fahrbrille gemeint, sondern hauptsächlich Unrat.

Erstellt: 16.11.2015, 11:20 Uhr

Gelber M3 auf dem Nürburgring

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