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Wer bei Fan-Gewalt mitmischt, wird fichiert

Das Ja der Stimmberechtigten zur neuen Datenbank gegen Hooligan-Krawalle ist deutlich. Aber das reicht Esther Maurer nicht. Sie macht jetzt mit weiteren Massnahmen Druck.

Zürcher Fans zünden bengalische Fackeln nach dem Super-League-Spiel zwischen Basel und Zürich im Mai 2006.
Zürcher Fans zünden bengalische Fackeln nach dem Super-League-Spiel zwischen Basel und Zürich im Mai 2006.
Keystone

Zürich. - Entspannt lächelnd kommentierte die Zürcher Polizeivorsteherin Esther Maurer gestern ihren Erfolg in der Abstimmung über die Datenbank Gamma. «Die Zürcherinnen und Zürcher haben offensichtlich genug von Ausschreitungen rund um die Stadions», sagte die Sozialdemokratin.

Überwältigend, mit fast 73 Prozent Ja-Stimmen, haben die Zürcher Stimmberechtigten zu Gamma Ja gesagt. Mit über 77 Prozent Ja-Stimmen besonders hoch war die Zustimmung in den Kreisen 9 und 11, wo das Letzigrund- und das Hallenstadion liegen. Mit fast 60 Prozent haben auch die Kreise 4 und 5 Ja gesagt, da, wo die Fichen-kritischen linken Parteien besonders stark sind.

Daten werden ab 2010 gesammelt

Ab Anfang nächsten Jahres können jetzt also die Hooligan-Spezialisten der Stadtpolizei in der Datenbank Matchbesucher speichern, die gar nicht randaliert haben. Sie müssen sich «auffällig» verhalten und die Nähe von Krawallen suchen. Oder wie Maurer sich ausdrückte: «Leute, die bei Krawallen mitmischeln», werden sich künftig in Gamma finden. Die Datenbank-Befürworter hoffen, dass solche Personen sich dann gar nicht mehr bei Gewalttaten beteiligen, weil sie wissen, dass die Polizei sie schon kennt.

Höchst zufrieden mit dem Abstimmungsergebnis ist auch SP-Kopräsidentin Andrea Sprecher - obwohl die SP Stimmfreigabe beschlossen hatte, statt ihre eigene Stadträtin zu unterstützen. Hier sieht Michael Baumer, Fraktionssprecher der zustimmenden FDP, auch den Hauptkritikpunkt: «Dass eine Partei, die sich staatstragend nennt, hier nicht mitgemacht hat, ist unverständlich.» Abgelehnt hatten Gamma SVP, Grüne, Alternative und Grünliberale. SVP-Fraktionschef Mauro Tuena glaubt nicht, dass Gamma etwas zur Verminderung der Hooligan-Gewalt beitragen wird. «Zum Glück darf die Polizei Gamma vorerst ein Jahr, bis Ende 2010, benützen», sagt Tuena. Dann werde man genau prüfen, was sie gebracht habe.

Klubs müssen künftig zahlen

Für SP-Stadtratskandidatin Claudia Nielsen, die als Kommissionspräsidentin mit Maurer bei Gamma zusammengearbeitet hat, ist nach dem Ja des Volks klar, dass jetzt die «Klubs etwas tun müssen». Nielsen kritisierte namentlich FCZ-Präsident Ancillo Canepa, der sich negativ zu Gamma geäussert hatte.

FCZ, GC und ZSC Lions teilten gestern mit, sie nähmen das Ja zu Gamma «zur Kenntnis». Auf die Klubs geht jetzt aber Polizeivorsteherin Maurer selber zu. Sie will die Sportvereine dazu bringen, selber mehr gegen Fan-Gewalt zu tun - und dafür hat sie auch ein Druckmittel in der Hand: Ab Anfang nächsten Jahres kann die Stadt aufgrund des neuen Polizeigesetzes die Kosten von Polizeieinsätzen auf die Vereine abwälzen. Das können bis zu 250 000 Franken pro Match sein. Maurer bietet jetzt den Klubs an, den Betrag zu reduzieren, wenn sie Prävention betreiben.

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