Wer duschen will, bezahlt 100 Franken Depot

Die Benutzung der einst kostenlosen Garderoben zweier Zürcher Sportanlagen ist nur noch gegen eine hohe Depotgebühr möglich. Schuld ist der Vandalismus.

Wer nach dem Sport duschen oder sich umkleiden will, muss für die Garderobe der städtischen Sportanlagen Waid und Fluntern eine Depotgebühr zahlen.

Wer nach dem Sport duschen oder sich umkleiden will, muss für die Garderobe der städtischen Sportanlagen Waid und Fluntern eine Depotgebühr zahlen. Bild: Giorgia Müller

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Schon als Jugendlicher rannte Lorenz B. (Name der Red. bekannt) häufig auf der Finnenbahn Waid und benutzte dort vor und nach dem Training die öffentliche, kostenlosen Sportgarderobe mit Dusche.

Als der Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser kürzlich die Sportanlage aufsuchte, staunte er nicht schlecht. Er stellte fest: «Unterdessen verlangt das Sportamt für die Garderobe ein Depot von horrenden 100 Franken», sagt B.. Durch diesen Beitrag werden ein Grossteil der Bevölkerung ausgebremst. «Nämlich alle, die nicht ohne weiteres 100 Franken für ein Depot hinterlegen können.» Diese saftige Depotgebühr des Zürcher Sportamts empfinde er als höchst asozial, so B..

Verdreckt und verwüstet

Hermann Schumacher, Leiter der Abteilung Sportanlagen beim städtischen Sportamt, ist anderer Meinung. «Wir mussten handeln. Viele Hobbysportler haben sich bei uns beklagt. Zu Recht, denn in den beiden öffentlich zugänglichen Sportgarderoben Waid und Fluntern waren die Zustände unhaltbar.» Eine Option sei sogar gewesen, die Garderoben ganz zu schliessen.

Toilette in der Sportanlage Waid: So sah es häufig aus, bevor das Zutrittssystem eingeführt wurde. Bild: Sportamt Zürich

Der Grund: Das Innere der öffentlich zugänglichen Garderoben inklusive Dusche und WC präsentierte sich häufig vermüllt und verdreckt, auf dem Boden lagen Abfälle und Essensreste verstreut. Nicht selten sind die Umkleideräume als Übernachtungsgelegenheit genutzt worden, dazu kamen immer wieder gröbere Sachbeschädigungen und Verwüstungen durch Vandalen. Das Sportamt war daher gezwungen, die Sport-Garderoben für Tage oder in schlimmeren Fällen gar für mehrere Wochen wegen Reparaturarbeiten zu schliessen.

Zusätzliche Kontrollen brachten nichts

«Nachdem auch zusätzliche Kontrollgänge durch Bewachungsfirmen und erhöhte Reinigungsintervalle keine wesentliche Verbesserung der Situation brachten, sind wir wegen den diversen Vandalenakten zum Schluss gelangt, die Garderoben Fluntern und Waid entweder zu schliessen oder mit einem elektronischen Zutrittssystem auszurüsten.» Mit der Schliessung hätte man aber insbesondere die sportlichen Nutzenden gestraft. «Deshalb fiel der Entscheid auf das System mit dem Armband», sagt Schumacher.

Für Zürcher Sporttreibenden der Sportanlagen Waid und Fluntern heisst das konkret: Sie müssen vorab für die Garderoben-Benutzung beim Sportamt ein Zutritts-Armband mit Chip gegen ein rückzahlbares Depot von 100 Franken beziehen. Ein entsprechender Pilotversuch startete im Herbst 2015 zuerst auf der Waid und danach in Fluntern. Dabei hat sich das System bewährt. «Aktuell sind 450 solcher Armbänder im Umlauf», sagt Schumacher, der dies als positives Zeichen wertet.

«Vielleicht haben wir den einen oder anderen Freizeitsportler mit dieser Massnahme an einen anderen Ort vertrieben, aber es blieb uns keine andere Wahl.» Er selber beispielsweise war bei Einführung des neuen Systems auch etwas skeptisch, wie die Sportlerinnen und Sportler, welche bisher die Sportgarderobe nutzten, auf den mit dem Bezug des Armbandes verbundenen Aufwand reagieren würden.

Deutlich weniger Unterhaltskosten

Vereinzelt gab es bei der Lancierung des Systems seitens Einzelsportler Personen, welche sich kritisch nach dem Motiv des Systemwechsels erkundigten, aber insgesamt sei das Echo auf das neue System überwiegend positiv, da die Sportlerinnen und Sportler die Sportgarderoben wieder in einem guten und sauberen Zustand vorfinden.

Schumacher: «Seit das Zutrittssystem in Betrieb ist, haben wir bei den Sport-Garderoben Fluntern und Waid keinerlei Beanstandungen mehr betreffend Sauberkeit und deutlich weniger Unterhaltskosten.» Das Depot von 100 Franken findet Schumacher nicht zu hoch, denn wenn das Armband verloren gehe, falle Materialersatz und Aufwand für die Sperrung des Chips deutlich höher als 100 Franken aus.

Reduktion dank Kulturlegi

Wer trotz allem kein Depot hinterlegen will, für den hat Hermann Schumacher noch einen Tipp: «Die Benutzung der Sportgarderoben ist an allen sechs Orten weiterhin ohne Gebühr möglich. Personen in finanziell schwierigen Verhältnissen, welche die Sportgarderoben Waid oder Fluntern benutzen möchten, können gegen Vorweisung der Kulturlegi ein reduziertes Depot beantragen. Der Zutritt zu den Sportgarderoben in Witikon, Hardhof, Buchlern und Saalsporthalle ist ohnehin nach wie vor ohne spezielles Armband möglich.»

Ein Zutrittssystem sei dort kein Thema, da es Mitarbeiter vor Ort gebe, welche die Kontrolle der Sportgarderoben wahrnehmen können.

Vandalismus hat verschiedenen Gesichter – wie gehen Sie damit um? Und sind Sie der Meinung, dass in Zürich zu wenig gegen Vandalismus vorgegangen wird? Uns interessiert Ihre Meinung zum Thema: Nehmen Sie an unserer kurzen Umfrage teil. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.08.2017, 10:54 Uhr

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