Wer hat diesen Fuchs gesehen?

Auf der Suche nach Fotosujets für Instagram machte unsere Autorin an Hausmauern in Zürich eine interessante Entdeckung: den kleinen Pixelfux.

Einen entdeckt – und schon springen unserer Autorin die Pixelfüxe rudelweise ins Auge. Fotos: Beatrice Jäggi

Einen entdeckt – und schon springen unserer Autorin die Pixelfüxe rudelweise ins Auge. Fotos: Beatrice Jäggi

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Dass die Stadt Zürich von Füchsen bewohnt wird, ist an sich keine neue Erkenntnis. Aber beim Pixelfux handelt es sich auch gar nicht um einen richtigen Fuchs, sondern lediglich um ein Abbild von ihm, ein ziemlich pixeliges Abbild, um genau zu sein.

Ich sah ihn zum ersten Mal, als ich vor ein paar Wochen nahe dem Hauptbahnhof unterwegs war. In ein reges Gespräch mit einer Kollegin verwickelt, erhaschte ich im Augenwinkel einen blau-weissen Farbfleck – einen Pixelhaufen an einer Betonmauer. Ich blieb stehen und sah, dass es sich dabei um ein Schablonen-Graffito handelte, um das eckige Abbild eines kleinen Fuchses, der mucksmäuschenstill, aber sehr bestimmt dort sass.

Jedem Kreis sein eigener Fux

Das putzige, 20 cm grosse Kerlchen brannte sich sogleich in mein Gedächtnis ein. Ständig auf der Suche nach schönen Fotosujets für den Instagram-Kanal – 100 zusätzliche Follower erhält man nicht geschenkt! –, kam mir dieses kleine Graffito gerade recht. Ich beschloss, in den kommenden Tagen mit meiner Kamera vorbeizukommen.

Die orangerote Färbung gibt den Hinweis: Dieser Pixelfux gehört zur Population in Albisrieden.

Eine bestimmte Erfahrung oder Entdeckung kann die Sinne in völlig neue Bahnen lenken: In den folgenden Tagen entdecke ich bei meinen Besorgungen in der Stadt etliche weitere Pixelfüxe. Selbst an Stellen, wo ich häufig mit dem Fahrrad vorfahre und wo sie mir bislang nie aufgefallen waren. Einen entdeckt – schon springen mir diese Pixelfüxe rudelweise ins Auge!

Bis heute kann ich seine geografische Verbreitung in den Stadtzürcher Kreisen 1, 3, 4 und 5 bestätigen, wenn auch in sehr begrenzten Inselvorkommen. In jedem dieser Lebensräume scheint der Pixelfux ein ganz gestimmtes Erscheinungsbild entwickelt zu haben.

Ockergelbe Population im Kreis 4

Eine Population von rund zehn Tieren kann an der Albisriederstrasse zwischen den Tramhaltestellen Hubertus und Krematorium Sihlfeld beobachtet werden. Alle Tiere fallen durch ihre orangerote Färbung auf. Eine ähnlich grosse Population grüner Pixelfüxe ziert Mauern und Hausfassaden im Kreis 5 im Bereich der Konrad-, der Josef- und der Klingenstrasse. Eine deutlich kleinere Population kann im Kreis 4 in der Umgebung der Kernstrasse aufgespürt werden, wo mindestens drei Pixelfüchse leben. In diesem Stadtteil weisen sie alle eine ockergelbe Färbung auf.

Dieser grüne Fux befindet ist Bewohner des Kreis 5.

Die Scheu vor Menschen hat der Pixelfux längst verloren, man findet ihn sogar an Orten, wo sich Zürichs Partyvolk laut und lebendig zur Schau stellt: Ein Pixel-Pärchen hat sich bei der Fluss-Badi Oberer Letten niedergelassen und trägt ein Fellkleid in blassem Lila.

Dass der Pixelfux ein wahrer Meister der Anpassung ist, beweist er an der Gessnerallee gleich neben dem Hauptbahnhof: Mitten im Dichtestress des Verkehrs trägt er als perfekte Tarnung eine blau-weisse Färbung. Er ahmt mit dieser Farbgebung einen seiner ärgsten Fressfeinde nach: eine übergrosse Strassenschlange – im Volksmund Cobragenannt.

Der Fux lebt auch in Berlin

Bleibt am Ende die Frage, wer all diese farbigen Pixeltiere an Zürichs Mauern gesprayt hat? Welche Absicht verfolgt die Künstlerin oder der Künstler mit der Aktion? Und handelt es sich hier überhaupt um eine rein stadtzürcherische Erscheinung?

In der Nachbarschaft von Hasen: Ein Pixelfux am Letten.

Gemäss meinen Recherchen auf Instagram unter diversen Hashtags wie #pixelfox, #pixelfuchs, #streetart, #graffiti und Ähnlichem ist der Pixelfux neben Zürich auch in der deutschen Hauptstadt heimisch. Eine Aufnahme zeigt ein blaues Tier, das gemäss seinem Entdecker am Hermannplatz in Berlin-Neukölln gesichtet worden ist.

Zudem entdeckte ich ein Bild aus Zürich, und zwar von einem dunkelroten Tier. Irgendwo in unserer Stadt muss also mindestens ein weiteres Rudel der Pixelfüchse existieren.

Übrigens: Die Pixelfux-Entdeckungen von Beatrice Jäggi finden sich unter instagram.com/explore/tags/trix_pixelfux.

Falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, in den kommenden Tagen selbst einem Pixelfux begegnen, so freut sich Jäggi über eine Nachricht auf ihrem Instagram-Kanal: instagram.com/trix_fotosafari

Erstellt: 27.05.2019, 20:38 Uhr

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