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«Ich ärgere mich immer wieder über zu enge Regulierungen»

Stadtpräsidentin Corine Mauch will keine «Wunderdinge» versprechen und sagt, worauf es ihr wirklich ankommt.

Corine Mauch zeigt ihren Unort bei der Autobahn N01/40 in Schwamendingen und erklärt, was sie daran ändern will. (Video: Lea Blum)

Neun Jahre sind Sie im Amt, neun Jahre ohne Skandale. Beste Voraussetzungen, um etwas amtsmüde zu sein.

Wäre ich amtsmüde, würde ich nicht nochmals antreten.

Wie motivieren Sie sich?

Die Freude an der Arbeit ist die wichtigste Voraussetzung. Freude schafft Energie, und diese Energie ist nötig, um das Präsidentinnenpensum zu bewältigen. Einen Tag des Wochenendes halte ich wenn immer möglich von Terminen frei. Täte ich das nicht, hätte ich wohl bald ein Burn-out.

Freunde und Gegner loben Sie für Ihre Dossierkompetenz, Ihr Vermittlungstalent und Ihre Verlässlichkeit. Ehrt Sie das?

Die Qualitäten entsprechen dem Anspruch, den ich an mich selber habe. Deswegen freut mich das sehr.

Sie wünschen sich kein glorioseres Lob? Stadtpräsidentin Mauch, die Frau mit den genialen Einfällen?

Ich will dafür gelobt werden, dass ich meinen Job gut und verlässlich mache. Am Anfang wurde ich stark kritisiert aufgrund meiner Auftritte. Heute erhalte ich dazu viel Lob.

Die Stadtpräsidentin macht spontane Hausbesuche im Kreis 3 und 4. Foto: Urs Jaudas (12.12.2017)
Die Stadtpräsidentin macht spontane Hausbesuche im Kreis 3 und 4. Foto: Urs Jaudas (12.12.2017)

Nun wird Ihnen Visionslosigkeit vorgeworfen: eine Verwalterin statt Gestalterin zu sein.

Wer keine Argumente hat, kommt mit solchen Vorwürfen. Filippo Leutenegger sagt ja gar, dass ich den Erfolg verwalte. Den Erfolg! Das impliziert bereits, dass wir vieles richtig machen. Ich trage dem Erreichten Sorge und entwickle es weiter. Ich tue das im Dienste der Bevölkerung und für die Unternehmen der Stadt. Das ist das Wichtigste.

Der Status-quo läuft sich irgendwann tot. Wo ist Ihr Wille, Neues zu gestalten?

Die grossen Herausforderungen stellen sich in der Realität – etwa im Erhalt der hohen Lebensqualität. Ich verspreche keine luftigen Wunderdinge. Es sind die realen Herausforderungen der Zukunft, die wir jetzt anpacken.

Beispielsweise?

Auf meine Initiative und unter meiner Leitung hat der Stadtrat seine Strategien Zürich 2035 erarbeitet. Es wird in den nächsten Jahren zu grossen gesellschaftlichen Veränderungen kommen. Wir sind jetzt daran, die Chancen, aber auch die Gefahren der Digitalisierung zu erkennen und ergreifen entsprechende Massnahmen.

Was noch?

Die städtischen Betriebe: EWZ, die VBZ, die Alterszentren oder Spitäler. Sie müssen sich verstärkt in einem Marktumfeld behaupten. Wir bemühen uns, dass die Leistungen auch künftig möglichst effizient und kundengerecht sind.

Donald Trumps Motto: Für jede neue Regulierung werden zwei alte abgeschafft. Ein Motto für Sie?

Für jede Regulierung eine andere weg, das finde ich gerechtfertigt. Wichtig ist: Regulierungen werden erlassen, um ein Ziel zu erreichen. Dieses muss klar und legitimiert sein. Wir führen Folgeabschätzungen durch, um die Regulierungen schlank zu halten. Viele Vorgaben kommen von Bund und Kantonen. Ich ärgere mich auch immer wieder über zu enge Regulierungen.

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Ein Lächeln für ihre Feinde

Zum Porträt der Stadtpräsidentin.

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Sie nehmen sich aus der Verantwortung? Gastronomen vermissen das Augenmass.

Sein Ermessen im Rahmen des Rechts auszuloten, ist wichtig. Wenn wir aber Normen nicht konsequent anwenden, kann dies schnell zu Willkür führen. Die Vorgaben im Bereich Gastronomie sind ein dringliches Thema, dessen wir uns annehmen werden.

Wie möchten Sie die Wirtschaft in Zukunft fördern?

Der Finanzplatz wird ein wichtiges Standbein bleiben. Auf kommunaler Ebene bieten wir gut ausgebildete Arbeitskräfte und eine hohe Lebensqualität. Ich will die Wirtschaft diversifizieren: Die Kreativwirtschaft hat enorm zugelegt. Die Start-ups, sie bilden den Humus für die Grossfirmen. Ein Klumpenrisiko ist gefährlich. Das haben wir zuletzt bei der Finanzkrise gesehen.

Drei Projekte, die Sie aktuell anpacken.

Die Smart-City-Strategie. Sie soll departementsübergreifend die Chancen der Digitalisierung nutzen. Die Projekte zu Open-Gouvernment-Data, urbaner Produktion und der Zukunft des Detailhandels stammen aus meinem Departement und haben Pioniercharakter. Zudem gibt es ein Projekt, das über Zürich hinausgeht: eine Landesausstellung, dezentral organisiert von den grössten Schweizer Städten. Das Thema: gutes Zusammenleben. Die Idee habe ich mitlanciert, und sie sollte in 10 bis 15 Jahren realisiert werden – ausserhalb meiner Amtszeit.

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