Widersacher von Stefaninis Kindern müssen vor Gericht

Im Streit um das Erbe des Winterthurer Immobilienbesitzers und Kunstsammlers müssen sich zwei Stiftungsräte wegen Urkundenfälschung verantworten.

Markus Brunner und Umit Stamm werden sich vor dem Bezirksgericht Winterthur wegen Urkundenfälschung verantworten müssen. Bild: Keystone

Markus Brunner und Umit Stamm werden sich vor dem Bezirksgericht Winterthur wegen Urkundenfälschung verantworten müssen. Bild: Keystone

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Der Streit um die Stiftung des mittlerweile verstorbenen Winterthurers Bruno Stefanini hat für zwei Beteiligte ein juristisches Nachspiel. Vergangenen Freitag hat die Zürcher Staatsanwaltschaft eine Anklage gegen Markus Brunner und Umit Stamm eingereicht. Sie werden sich vor dem Bezirks­gericht Winterthur wegen Urkundenfälschung verantworten müssen. Ihnen drohen bedingte Geldstrafen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte.

Die Nachkommen des Stifters, Bettina und Vital Stefanini, hatten Brunner und Stamm im November 2014 angezeigt. Als Räte der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) hatten die Beschuldigten mit einer Änderung der Stiftungsurkunde versucht, Stefaninis Kinder zu entmachten. Diese sind in der Urkunde als Nachfolger des Stifters vorgesehen.

Die Änderung der Urkunde war von Anfang an bestritten. Brunner und Stamm behaupteten, sie würde dem Willen von Bruno Stefanini entsprechen. Die Kinder hingegen sagten, ihr Vater sei nicht mehr handlungsfähig – sein Gesundheitszustand hatte sich nach einer Operation 2013 rapide verschlechtert. Daraus entwickelte sich ein Rechtsstreit, der erst im vergangenen Jahr entschieden wurde. Das Bundesgericht stellte endgültig fest: Die Änderung der Urkunde war nicht rechtmässig.

Stiftung erbt Immobilien

Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte ist nicht nur eine der bedeutendsten Schweizer Stiftungen mit Werken von Hodler und Anker oder Sammler­stücken von Napoleon und Churchill, sie ist auch Alleinerbin des Immobilienimperiums von Bruno Stefanini, weil seine Kinder bereits vor Jahrzehnten eine Erbverzichtserklärung unterzeichnet hatten. Zum Imperium gehören mehrere Tausend Wohnungen in insgesamt 280 Gebäuden. Die meisten werden von der Firma Terresta AG verwaltet. In deren Verwaltungsrat sitzen Markus Brunner und Umit Stamm – zumindest jetzt noch. Nachdem Bruno Stefanini vergangenen Dezember verstorben ist, geht das Erbe an die SKKG über.

Ungeachtet des Strafverfahrens dürften sich Stamm und Brunner nicht mehr lange im Terresta-Verwaltungsrat halten können. Sobald ein Inventar der Immobilien erstellt ist, geht das Erbe endgültig an die SKKG über. Dann haben Stefaninis Kinder als Stiftungsräte das Sagen. Nach dem jahrelangen erbitterten Machtkampf ist nicht davon auszugehen, dass sie weiter mit Brunner und Stamm zusammenarbeiten wollen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2019, 22:17 Uhr

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