Widerstand gegen Lidl: Der Anti-Discounter-Reflex

Die Opposition gegen die geplante Lidl-Filiale in der Fraumünsterpost hat Parallelen zum Spar im Schauspielhaus.

In die traditionsreiche und denkmalgeschützte Fraumünsterpost in der Zürcher Innenstadt wird eine Lidl-Filiale einziehen.

In die traditionsreiche und denkmalgeschützte Fraumünsterpost in der Zürcher Innenstadt wird eine Lidl-Filiale einziehen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Discounter Lidl plant die erste Filiale in der Zürcher Innenstadt und ist mit dem Standort Fraumünsterpost fündig geworden. Der Mietvertrag zwischen der Swiss Prime Site AG, der Besitzerin des Gebäudes, und Lidl Schweiz ist unterzeichnet. Nun regt sich Widerstand.

Ausgerechnet in den Räumlichkeiten der traditionsreichen Fraumünsterpost will Lidl Schweiz eine Filiale eröffnen. Der Billigdiscounter passe nicht ins Quartier, sagt Christine Schmuki, Vorstandsmitglied des Einwohnervereins links der Limmat. Man wolle schauen, wie sich der Lidl noch verhindern lasse.

Umfrage

Ein Lidl in der Innenstadt: Was ist Ihre Meinung?





Auch Markus Hünig, Sekretär der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse, ist vom Projekt nicht begeistert, wie er auf Anfrage sagt. Er betont aber, dass dies seine persönliche Meinung sei, man habe in der Vereinigung noch nicht darüber diskutiert. Der geplante Lidl sei eine weitere Herausforderung für die Geschäfte in der Nachbarschaft. Die geplante Verkaufsfläche der Lidl-Filiale wird voraussichtlich rund tausend Quadratmeter betragen und das vollständige Sortiment des Discounters umfassen.

Milan Prenosil, Präsident der City-Vereinigung Zürich, ist enttäuscht, dass kein Spezialgeschäft an den Standort gezogen sei. Vermutlich sei Lidl der Einzige gewesen, der den hohen Mietpreis zahlen könne. Der Discounter passe zwar wie die «Faust aufs Auge», aber am Schluss gehe es eben um Wettbewerb.

«Lidl war die beste Variante»

Anastasius Tschopp, Head Portfolio-Management der Swiss Prime Site, sagt, dass der Mietpreis nicht alleine ausschlaggebend für die Wahl gewesen sei. Nachdem die Post den Mietvertrag gekündet hatte, habe man verschiedene Interessenten gehabt. Das Gesamtkonzept von Lidl habe jedoch am meisten überzeugt. Lidl passe bezüglich Mix, Ladenkonzept, Kundenfrequenz und Nachhaltigkeit bestens ins Gebäude. Der Betrieb sei CO2-neutral, die Zulieferung würde mit Elektrolastwagen erfolgen. Zudem sei die rund tausend Quadratmeter grosse Halle schwierig zu unterteilen und könne neu von den Kunden wieder in voller Grösse erlebt werden. «Lidl war die beste Variante», fasst Tschopp den Entscheid zusammen.

Spar-Filiale beim Schauspielhaus

Die negativen Reaktionen auf die Lidl-Filiale erinnern an die Opposition gegen die Pläne für einen McDonald’s und später gegen eine Spar-Filiale im Nachbargebäude des Schauspielhauses. Gegen das Fast-Food-Projekt wehrte sich das Schauspielhaus und gegen die Spar-Filiale das Gastrounternehmen Bindella.

Zwar stoppte McDonald’s 2014 das Projekt. Die geplante Umnutzung der Liegenschaft von einem Bürogebäude zu einem Gastronomiebetrieb habe sich als sehr komplex erwiesen, begründete McDonald’s damals diesen Entscheid.

Dafür zieht dort mit Spar nun ein Disounter ein. Wie eine Sprecherin von Spar Schweiz sagt, soll in rund einem halben Jahr die Filiale für die Kunden öffnen. Die Realisierung ist möglich, nachdem das Gastrounternehmen Bindella, welches im Schauspielhaus das Restaurant Santa Lucia Teatro betreibt, vom Baurekursgericht eine Abfuhr erhalten hat und das Urteil nicht ans kantonale Verwaltungsgericht weiterzieht, wie Bindella Mitte August bekannt gab.

Erstellt: 22.08.2016, 14:50 Uhr

Artikel zum Thema

Discounter in der Fraumünsterpost

Lidl expandiert in die Zürcher Innenstadt und erntet Unverständnis bei den Anwohnern. Diese kündigen Widerstand an. Mehr...

Lidl zieht in die Fraumünsterpost

Der Discounter übernimmt die Räumlichkeiten der traditionsreichen Postfiliale. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Irgendwie ist die Luft draussen: Am Australien Open in Melbourne sitzen die kleinen Zuschauer im Regen. (23. Januar 2020)
Mehr...