Widerstand gegen Tempo 30 an allen Ecken

Die Automobilverbände ACS und TCS wehren sich gegen die Temporeduktion auf Hauptverkehrsachsen in der Stadt Zürich. Aktuell sind deshalb sieben Verfahren hängig.

Ruth Enzler, Präsidentin ACS Zürich, im Interview. (Video: Tamedia/SDA)

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Es gibt jene Orte, wo selbst die Automobilverbände ACS und TCS Tempo 30 sinnvoll finden: auf Quartierstrassen. Aber dann gibt jene anderen Orte, wo die Stadt Zürich die Höchstgeschwindigkeit ebenfalls drosseln möchte: Hauptstrassen und Quartierstrassen mit übergeordneter, quartierverbindender Funktion. Gegen diese Pläne leisten die Verbände Widerstand, wie Ruth Enzler, Präsidentin des ACS Zürich, heute Dienstag vor Medienvertretern sagte.

Der Vorwurf lautet: Die Stadt betreibe «unter dem Deckmantel der Lärmschutzverordnung des Bundes» Verkehrspolitik. Heute seien mehr als 80 Prozent der Gemeindestrassen der Stadt Zürich mit Tempo 30 belegt. Falls alles wie geplant umgesetzt werde, seien es zukünftig gar 95 Prozent. Die Automobilverbände wehren sich daher rechtlich gegen die flächendeckende Temporeduktion. Aktuell sind sieben Verfahren vor dem Zürcher Stadtrat oder dem Statthalteramt hängig.

«Temporeduktion wirkt nicht»

Severin Pflüger, Vorstandsmitglied der ACS Sektion Zürich und Präsident der FDP Stadt Zürich, zeigte am Beispiel des Meierhofplatzes in Höngg, weshalb eine Temporeduktion nicht die richtige Variante sei, um Lärm zu reduzieren. «Auch mit Tempo 30 liegt der Lärm dort über dem Alarmwert», sagte er. «Die Temporeduktion hat keine Wirkung.» So wäre beispielsweise ein Flüsterbelag besser.

Zudem kritisierte Pflüger das Gutachten, auf das sich der Stadtrat stützt. Mit der verwendeten mathematischen Formel würden die Besonderheiten der einzelnen Strassen nicht berücksichtigt. Seine Forderung: «Der Stadtrat soll nochmals in sich gehen und überlegen, ob er mit Tempo 30 aufs richtige Pferd setzt». Selbst das Bundesamt für Strassen Astra beurteilte laut Pflüger Tempo 30 als schlechteste Variante, um Lärm zu reduzieren.

Weicht Verkehr in Quartiere aus?

Ruth Enzler betonte ausserdem die Wichtigkeit der Netzhierarchie, die der Kanalisierung des Verkehrs dient. Sie befürchtet, dass sich der Verkehr zukünftig wieder durch die Quartiere zwängt, wenn die Hauptstrassen nun ebenfalls verkehrsberuhigt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt Enzlers: «Als Fahrer muss ich erkennen, ob ich auf einer Quartier- oder auf einer Hauptstrasse bin.» Künftig könnten sich die Automobilisten nicht mehr auf ihr Gefühl verlassen. Als Beispiel nannte sie die Hegibachstrasse. «Kein Fahrer kommt auf die Idee, dass es sich bei dieser Strassenbreite und -qualität um eine Quartierstrasse handelt», sagte sie. Deshalb würden die meisten trotz Signalisation zu schnell fahren.

Reto Cavegn, Geschäftsführer TCS Zürich, sprach gar von einer ausgehebelten Strassenhierarchie. Die Verkehrssicherheit werde gefährdet und die Autolenker würden kriminalisiert. Kurz: «Flächendeckendes Tempo 30 behindert das gute Miteinander der Verkehrsteilnehmer». (hub/sda)

Erstellt: 06.02.2018, 14:48 Uhr

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