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Wie ein Bulldozer im Urwald

Der rot-grüne Zürcher Stadtrat lässt im Streit um die Fällung von 2100 Bäumen am Uetliberg jedes Fingerspitzengefühl vermissen.

Es war der Versuch einer Erklärung. Die Fachleute von Stadtrat Richard Wolff (AL) haben gestern am Uetliberg darzulegen versucht, weshalb am Zürcher Hausberg rund 2100 Bäume der Axt weichen sollen. Der Eingriff mag fachlich gut begründet sein: Falsch ist er trotzdem, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Der Verein Pro Uetliberg hat letzte Woche beim Stadtrat eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Darin fordern die Naturschützer nicht nur ein Verbot der Fällaktion, sondern als vorsorgliche Massnahme eine Sistierung der Arbeiten, bis ein ­rechtskräftiger Entscheid über deren Zulässigkeit vorliegt.

Zwar entfaltet die Beschwerde nicht automatisch aufschiebende Wirkung; insofern ist es zulässig, den Holzschlag weiterzuführen, wie dies letzte Woche auf Anordnung von Stadtrat Michael Baumer (FDP) geschehen ist. Doch was juristisch korrekt ist, muss politisch nicht klug sein.

Viele Stadtzürcher pflegen eine innige Beziehung zu ihren Bäumen. Das mag skurril anmuten, ist aber eine Tatsache. Das müsste eigentlich auch der Stadtrat wissen, versteht er sich doch als bürgernahe Exekutive. Umso befremdlicher ist sein Vorgehen. Verrichten im Wald die Kettensägen ihr Werk weiter, verkommt die Aufsichtsbeschwerde zur Farce. Bis sie behandelt ist, liegen schon Hunderte von Bäumen am Boden.

Dabei stellt sich die drängende Frage: Was ist höher zu gewichten: die Pflege eines Schutzwaldes oder der Schutz von Fauna und Flora in diesem Wald? Dass die Naturschützer diesen Punkt juristisch geklärt haben wollen, ist richtig – nicht zuletzt im Hinblick auf weitere Eingriffe dieser Art.

Der Stadtrat dagegen will Fakten schaffen. Warum pressiert es so? ­Möglicherweise leiten die Regierung finanzielle Motive: Jene Firma, die den Holzschlag ausführt, könnte bei einem Arbeitsstopp Schadenersatz von der Stadt einfordern. Dieses Risiko scheint dem Stadtrat zu hoch – und das, obschon die Stadtkasse gut gefüllt ist. Das ist ein Armutszeugnis für eine rot-grüne Regierung, die sich so gerne und oft ihrer ökologischen Politik rühmt.

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