Wie gehts so untenrum?

In Zürich findet der erste «Penis-Dialog» statt. Männer und Männlichkeit sind Thema der Veranstaltung. Und Sexualität.

Im Dialog mit dem besten Stück: In der Öffentlichkeit urinieren ist nur dem Manneken Pis erlaubt.

Im Dialog mit dem besten Stück: In der Öffentlichkeit urinieren ist nur dem Manneken Pis erlaubt. Bild: Mihailo Milovanovic/Getty Images

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Um dies gleich klarzustellen: Niemand wird bei diesem Anlass nackig sein. Es sind auch keine Performances vorgesehen. Es geht um Austausch – aber um gesprochenen. Männer.ch, der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, lädt zur Diskussion «über alles, was mit Männern und Männlichkeit zu tun hat», wie es in der Einladung heisst.

In der ersten Runde der «Penis-Dialoge» wollen sich die Teilnehmer des Podiums ganz dem Thema Sexualität widmen. Mitdiskutieren werden nebst Nicolas Zogg und Markus Theunert von Männer.ch auch Paar- und Sexualberater Bruno Wermuth, «Doktor Sex» bei «20 Minuten», sowie Männerberater und klinischer Sexologe Martin Bachmann. Worum es bei der Veranstaltung auch noch geht, verrät Gastgeber Zogg im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Sie laden zum «Penis-Dialog» ein. Wie muss man sich das vorstellen?
Der Penis ist einfach ein wichtiges und provokatives biologisches Merkmal von Männern. Deshalb haben wird für unsere Gesprächsreihe diesen Titel gewählt. Uns geht es aber vor allem darum, dass sich Männer über ihr Mannsein austauschen können und Männlichkeitsnormen hinterfragen. Die Frauenbewegung ist seit Jahrzehnten daran, aus Geschlechterrollen auszubrechen. Die Männer verharren noch immer zu stark darin.

Man könnte auch meinen, dass sich Männer in ihrer Rolle ganz wohlfühlen.
Es ist natürlich unbequem, sich zu emanzipieren und über überholte Verhaltensmuster und Vorstellungen von Männlichkeit zu reden. Dabei ist die Diskrepanz zwischen Realität und Wunsch gewaltig. Männer wollen heute längst nicht mehr nur die harten Geldverdiener sein, sondern auch fürsorgliche Väter und empfindsame Partner. Viele werden aber durch die immer noch sehr engen Männlichkeitsnormen stark eingeschränkt.

Und mit den Penis-Dialogen wollen sie diese Muster durchbrechen?
Wir wollen Männer ermutigen, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und sich darüber auszutauschen. Es geht uns nicht darum, einen neuen Mann zu propagieren oder jemandem zu erklären, wie er zu sein hat.

Bei diesem Austausch geht es zunächst einmal um Sexualität. Welche Themen wollen Sie ansprechen?
Sexualität ist omnipräsent. Doch wenige Menschen reden über ihre Gefühle beim Sex. Viele Männer kennen ihre emotionalen und sexuellen Bedürfnisse zu wenig oder können diese nicht angemessen ausdrücken. Oder sie sind auch im Bett einem Leistungsdruck unterworfen und haben Mühe, einfach nur Nähe zu geniessen. Das zeigt, dass wir auch im Bett von Geschlechterrollen und von Tabus beeinflusst werden.

Was meinen Sie damit?
Die klassisch männliche Rolle beim Sex ist das Penetrieren. Es ist aktiv und dominant. Im Gegensatz dazu suggeriert das Genommenwerden Unterwürfigkeit und Verlust von Kontrolle. Dabei kann auch das ein sehr lustvoller Aspekt der männlichen Sexualität sein. Schlussendlich geht es auch darum, Grenzen zu erkennen und zu respektieren – gerade vor dem Hintergrund der #MeToo-Bewegung. Was ist einvernehmlicher Sex und wann fangen Übergriffe an? Das sind ein paar der Fragen, über die wir diskutieren wollen.

Warum nimmt an der Penisrunde – um beim Bild zu bleiben – kein Uterus teil?
Es geht hier für einmal nur um die offene Selbstreflexion von Männern. Es wird viel von ihnen und über sie geredet, aber Männer selbst reden kaum miteinander über ihre Männlichkeit. Deswegen haben wir eine reine Männerrunde auf dem Podium. Aber es sind alle herzlich eingeladen, im Publikum an der Diskussion teilzunehmen. Wir wollen niemanden ausschliessen.

Wie geht es nach der ersten Veranstaltung weiter?
Der nächste Termin steht noch nicht fest, aber es gibt noch unzählige Themen, über die man diskutieren sollte. Zum Beispiel der Umgang mit Krisen oder engagiertes Vatersein. Wir haben auf jeden Fall Lust auf eine weitere Gesprächsrunde.

Der «Penis-Dialog» zum Thema Sexualität findet am Donnerstag, 21. Juni 2018, um 19.30 Uhr im Zentrum Karl der Grosse statt.

Erstellt: 20.06.2018, 14:15 Uhr

«Viele Männer kennen ihre sexuellen Bedürfnisse zu wenig»: Nicolas Zogg, Kommunikationsverantwortlicher von männer.ch (Bild: ZVG)

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