Wie gehts weiter mit der Traumvilla am Zürichberg?

Zürich soll eine exklusive Tagesschule für Musikbegeisterte bekommen. Eine Hürde muss das Projekt allerdings noch nehmen, sagt Initiantin Maja Coradi.

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Das Interesse an der städtischen Liegenschaft Sonnenberg war gross. Es lagen Ideen für Genossenschaften, Jugendwohnheime oder Altersresidenzen vor. Wie konnten Sie sich schliesslich gegen die Konkurrenz durchsetzen?
Das grösste Plus unseres Konzepts ist, dass sich ein Schulbetrieb gut als Neunutzung für dieses Haus eignet – und dass es so wieder von Kindern belebt wird. Das hat in dem Gebäude Tradition, das ursprünglich von der Stadt als Waisenhaus genutzt wurde. Wir haben unser Projekt «Cantaleum Zürich» schon lange ausgearbeitet, und als wir das Haus gesehen haben, waren wir sofort begeistert. Wir wussten, es ist perfekt für unser Vorhaben, und wir konnten die Chorgesänge buchstäblich schon in den Zimmern hören.

Das umliegende Villenquartier ist ausgesprochen ruhig. Lässt sich der geplante Musikunterricht überhaupt mit den Bedürfnissen der Anwohner vereinbaren?
Wir wurden diesbezüglich bereits von einem Vertreter des Quartiers, der Mitglied der Jury war, mit kritischen Fragen bedacht. Natürlich wird Musik zu hören sein, wenn die Lektionen oder Proben stattfinden. Sollten sich die Anwohner dadurch gestört fühlen, werden wir darauf reagieren. Ich bin sicher, dass wir im Gespräch einvernehmliche Lösungen finden werden. Ob wir allenfalls noch Schallschutzfenster einbauen werden, müssen wir noch abklären. Ein Vorteil der Liegenschaft ist, dass sie mitten in einem grossen Garten steht. Denn die Musik überträgt sich hauptsächlich durch das Mauerwerk, den sogenannten Körperschall. Das ist mit ein Grund dafür, dass wir für unser Projekt von Anfang an ein freistehendes Gebäude gesucht haben.

Musikschulen gibt es in Zürich bereits. Worin unterscheidet sich Ihre Schule von den anderen?
Wir ermöglichen es Kindern im Alter zwischen 4 und 16 Jahren, neben dem regulären Schulunterricht einen Schwerpunkt auf die musikalische Ausbildung zu setzen. Der Musik- und Gesangsunterricht ist nicht nur im Stundenplan integriert, sondern findet auch unterrichtsergänzend statt. Alle Kinder werden zudem in einem Chor mitwirken, und auch das Instrumentalspiel wird gefördert.

Sie haben den Zuschlag für die Neunutzung erhalten. Haben Sie genügend Geld für die Umsetzung des Projekts?
Nein, wir befinden uns noch mitten in der Fundraising-Phase und sind auf der Suche nach Gönnern und Stiftungen. Wir stehen auch in Kontakt mit diversen Kulturinstitutionen der Stadt Zürich. Wir sind davon überzeugt, dass sich diese finden lassen, denn die Schule hat nicht nur einen grossen öffentlichen Nutzen, sie könnte sich auch zu einem Zentrum der Musikförderung entwickeln.

Was geschieht, wenn Sie nicht genügend Geld sammeln können?
Ohne das Geld können wir den Mietvertrag mit der Stadt nicht unterzeichnen. Wir haben uns aber zum Ziel gesetzt, bis in einem Jahr das Fundraising abzuschliessen, damit wir den Betrieb wie geplant im Schuljahr 2017/2018 aufnehmen können.

Wie hoch werden die Gebühren für die Schulkinder sein?
Wir zielen auf einen durchschnittlichen Schülerbeitrag von 2200 Franken pro Monat. Unser Ziel ist es, dass wir künftig auch Stipendien vergeben können, denn wir möchten möglichst allen Kindern den Besuch unserer Schule ermöglichen. Hierzu haben wir von verschiedenen Stiftungen bereits mündliche Zusagen für ihre Unterstützung erhalten. Unser Kostenmodell sieht vor, dass die Schule langfristig selbsttragend sein soll. Das wird aber nicht von Anfang an möglich sein, denn wir werden kaum mit 100 Schülern ins erste Jahr starten können.

Das Haus Sonnenberg ist denkmalgeschützt und muss wohl an einigen Stellen den veränderten Bedürfnissen baulich angepasst werden. Ein zusätzliches finanzielles Problem?
Für unsere Bedürfnisse sind kaum Veränderungen nötig. Den Eingangsbereich werden wir behindertengerecht ausbauen müssen. Das Gebäude ist allgemein in einem sehr guten Zustand.

Die Liegenschaft verfügt über 39 Zimmer. Werden sie ausschliesslich als Übungsräume genutzt oder sollen dort auch Schüler wohnen?
Wir wollen im zweiten Obergeschoss und im Dachgeschoss Wohngemeinschaften für Musiker oder Musikstudierende einrichten. Auf der zweiten Etage befinden sich 11 bewohnbare Zimmer, im Dachgeschoss fünf. Hinzu kommen Küchen, Badezimmer und Toiletten. Es hat also Platz für drei Wohngemeinschaften. Übungs- und Schulungsräume sind im Erdgeschoss sowie im ersten Obergeschoss geplant.

Erstellt: 07.09.2015, 14:38 Uhr

Soziologin Maja Coradi Vellacott, Präsidentin des Fördervereins Cantaleum Zürich. (Bild: zvg)

Die neue Schule im Haus Sonnenberg

Das Haus Sonnenberg im Quartier Hottingen befindet sich im städtischen Finanzvermögen. Das Grundstück umfasst eine Fläche von 11'745 Quadratmetern, das Gebäude selbst verfügt über 39 Zimmer. Es wurde 1911 als Waisenhaus errichtet und bis 2015 von der Stiftung Zürcher Kinder- und Jugendheime genutzt. Die Stadt schrieb die neue Nutzung und den Betrieb im November 2014 aus. Fünf Bewerber haben bis im März 2015 ihre Gesuche eingereicht. Den Zuschlag hat das Konzept «Cantaleum Zürich» von Maja Coradi und Konrad von Aarburg erhalten. Es sieht vor, dass das Haus Sonnenberg ab Juli 2017 als Tagesschule mit Schwerpunkt Musik für 4- bis 16-Jährige genutzt wird. Der Unterricht findet auf Deutsch und Englisch statt, Grundlage bildet der Lehrplan des Kantons Zürich. Zwischen 50 und 120 Kinder und Jugendliche sollen dereinst am Zürichberg zur Schule gehen können.

Der Förderverein, der hinter dem Cantaleum Zürich steht, lädt zu einem Benefiz-Apéro mit Konzert ein: Am 31. Oktober 2015 können sich Interessierte, die das Projekt finanziell unterstützen möchten, über die Schule informieren. (tif)

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