Willkommen in Zürich, der besten Diktatur der Welt!

Rechtzeitig zum Züri-Fäscht macht die grösste Schweizer Stadt vorwärts beim Umbau in ein links-grünes Paradies.

Illustration: Kornel Stadler

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Aufgepasst, jetzt ist es so weit: Ein Jahr nach der grossen Wahlparty, an der die Linken eine überwältigende Mehrheit in Stadt- und Gemeinderat feierten, sind sie drauf und dran, Zürich in ein postmarxistisch-feministisch-trans-gender-veganes Paradies zu verwandeln. Gerade noch rechtzeitig zum Züri-Fäscht, an dem über zwei Millionen Menschen zu Besuch kommen.

Mussten Regimes früher für derlei Projekte noch mühselige 5-Jahres-Pläne schmieden, kann es heute fürschi gehen – Klimanotstand und Frauenstreik sei Dank.

Diese Woche entschied das Büro des Zürcher Stadtparlaments, dass Vorstösse nicht mehr behandelt werden, wenn sie «gegen die sprachliche Gleichberechtigung» verstossen. Zwar hatte die SVP-Gemeinderätin, die es beim ersten Mal schon nicht kapiert hatte, bei ihrem zweiten Versuch ergänzt, dass in ihrer Formulierung die weibliche Form mitgemeint sei –aber da in der Verwaltung mittlerweile der schmallippige Charme eines Fräulein Rottenmeiers herrscht, werden solche Schludrigkeiten nicht mehr geduldet.

Derselbe Mut und Gestaltungswillen zeigte sich auch in den anderen Amtsstuben: Am gleichen Tag verbot der Zürcher Stadtrat einer Gruppe Christen, ihre offenbar nicht genehme Meinung kundtun zu dürfen, indem sie deren geplanten «Marsch fürs Läbe» durch die Innenstadt kurzerhand untersagte.

«Artig stauen sich die Autos schon heute täglich ­stundenlang vor der Stadt.»

Dort würden sie vom Schwarzen Block und der Juso bloss zusammengeschlagen werden, hiess es zur Begründung. Und diesen Mehraufwand will man dem eigenen Nachwuchs nicht aufbürden. Er hat genug damit zu tun, am 1. Mai (der locker das Tausendfache des «Marsch fürs Läbe» kostet) Polizisten zu attackieren sowie neuerdings auch Familien von Journalisten, die sich – welche Ungeheuerlichkeit – eine eigene, nicht linke Meinung leisten. Die Jungen müssen ihre Schlagkraft zudem behalten, um das ganze Jahr über Auftritte von Andersdenkenden – oder im Jargon: «Nazis» und «Faschisten» – an Universitäten und in Kulturstätten zu verhindern.

Tatsächlich riecht, fühlt und schmeckt es überall in der Stadt bereits jede, jeder und jed*: Der Bann ist gebrochen, was einst blosse Utopie war, ist zum Greifen nah – Züri erwacht! Schüler dürfen schwänzen und streiken, solange es der richtigen Sache dient. Die wichtigsten städtischen Plätze wurden in den letzten Jahren bereits nach kommunistischem Vorbild in grosse, weite Steinwüsten ohne lästiges rechtspopulistisches Baumzeugs verwandelt.

Artig stauen sich die Autos schon heute täglich stundenlang ausserhalb der Stadtgrenze. Hausbesetzer vermieten auf Airbnb teuer und ungehindert ihre Wohnungen. Ausländer sind schlicht nicht mehr kriminell durch den genialen Trick, dass die Herkunft bei Polizeimeldungen nicht mehr genannt wird.

Mittlerweile nimmt die Polizei die Schuld auch demütig auf sich, wenn es an der Seepromenade oder an einem Fussballspiel zu wüsten Ausschreitungen kommt. Der linken Allmacht über das Schweizer Wirtschaftszentrum steht nichts mehr im Wege, selbst der freisinnige Grasshopper Club ist in der Provinzliga entsorgt.



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Erstellt: 06.07.2019, 22:47 Uhr

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