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Wipkingen und Höngg: Aus für den Quartierbus

Die Buslinie 71 wird am 14. Dezember eingestellt. Sie hat die verordnete Quote von zehn Fahrgästen pro Kurs nicht erreicht. Den Fahrgästen rechts der Limmat stinkts.

Niemand wartet: Der Bus der Linie 71 fährt am Wipkingerplatz vorbei.
Niemand wartet: Der Bus der Linie 71 fährt am Wipkingerplatz vorbei.
Sophie Stieger

Am 14. Dezember ist Schluss mit Bus. Die Linie 71 wird eingestellt. «Die Fahrgastzahlen der Quartierbuslinie haben sich leider nicht erwartungsgemäss entwickelt. Wir empfehlen Ihnen die Benützung der Tramlinien 4 und 13», schreiben die VBZ in einer Mitteilung an allen Haltestellen der Kleinbuslinie 71.

Der Quartierbus fährt seit 1999 vom Escher-Wyss-Platz in den Kreis 9 nach Tüffenwies. Vor drei Jahren ist die Strecke bis zum Bahnhof Hardbrücke verlängert worden. Dies bewirkte eine Verbesserung der Auslastung von 4,6 auf 6,9 Fahrgäste pro Fahrt. Die vorgeschriebene Quote des Zürcher Verkehrsverbundes von 10 Fahrgästen konnte aber nicht erreicht werden.

Neue, attraktivere Linienführung

Die SP-Gemeinderäte Andreas Ammann und Christine Stokar Gasser reichten im Dezember 2005 eine Interpellation zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs im Kreis 10 ein: «Das Gebiet entlang der Höngger- und der Wasserwerkstrasse ist durch den öffentlichen Verkehr nur ungenügend erschlossen», schrieben sie. Das Gebiet sei durch die Linien 4 und 13 sowie die Trolleybuslinie 46 bereits vollständig erschlossen, rechtfertigte sich der Stadtrat. Die Distanz zur nächsten Haltestelle würde an keiner Stelle mehr als 400 Meter betragen, wie es in der kantonalen Angebotsverordnung als Obergrenze angegeben sei. Die beiden SP-Gemeinderäte schlugen damals zur Lösung des Fahrgastproblems eine neue, attraktivere Linienführung vor: Rütihof – Frankental – Winzerstrasse – Am Wasser – Wipkingerplatz – Höngger-/Wasserwerkstrasse – Central – Bahnhofquai. Der Stadtrat konterte: Die Kleinbuslinie diene nicht der Grunderschliessung des Quartiers. Die Quartierbusse seien vom Konzept her Zubringer zum Stammnetz und hätten nicht die Funktion, zusätzliche direkte Verbindungen ins Stadtnetz herzustellen.

Andreas Ammann hakte im Januar 2008 mit einem Postulat nach, in dem er den Verantwortlichen vorwarf, mit der Aufhebung einer Quartierbuslinie in einer Stadt, die sich an der Verwirklichung einer 2000-Watt Gesellschaft orientieren wolle, setze man ein «sehr bedenkliches und imageschädigendes Signal».

Mit einer «dramatisch tiefen» Auslastung begründet auch Andreas Uhl, Pressesprecher der VBZ, das Aus. Er bedaure den Entscheid, vor allem für die älteren Leute im Quartier. Auch viele der regelmässig fahrenden Passagiere aus Wipkingen und Höngg sind enttäuscht.

Kleinbuslinien rentieren nicht

«Der öffentliche Verkehr in Zürich ist gesamthaft defizitär, Subventionen der öffentlichen Hand sind nötig», sagt Uhl. Zu gewissen Zeiten seien viele Linien zwar mehr als kostendeckend, weisen dann aber in den Randzeiten eine geringe Deckung auf. Und nur wenige Buslinien seien gesamthaft kostendeckend.

Der Betrieb der Linie 71 kostete die VBZ rund eine Million Franken im Jahr, 91 Prozent dieses Betrages waren subventioniert. «Keine der neun Kleinlinien, die wir in den Quartieren einsetzen, rentiert», sagt Uhl. Die Linie 71 sei die erste Quartierbuslinie, die gänzlich habe gestrichen werden müssen. Zuvor habe es Versuchsangebote mit Linien gegeben, die von privater Seite mitfinanziert wurden. Diese seien aber ebenso am Kostendeckungsgrad gescheitert wie die Linie 71.

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